Einbruch

07. Januar 2016 10:00; Akt: 07.01.2016 10:31 Print

Versicherung zahlt nur billigere Webshop-Preise

Nach einem Diebstahl zahlt die Versicherung nur die günstigsten Preise, die das Vergleichsportal Toppreise.ch angibt. Auch wenn das Gerät im Fachhandel zu einem teureren Preis gekauft wurde.

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Orientiert sich am Internet-Vergleichsportal Toppreise.ch: die Allianz-Versicherung. (16. März 2011) (Bild: Keystone)

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Bei Ernst Häfliger wurde vor ein paar Wochen eingebrochen. Die Diebe hatten es vor allem auf seine Elektronik-Geräte abgesehen und nahmen von der Kamera über den MP3-Player bis hin zum DAB-Radio alles mit.

Er meldete den Verlust seiner Versicherung, der Allianz. Als die Abrechnung über die gestohlenen elektronischen Geräte kam, war er verblüfft. Denn statt am effektiven Kaufpreis orientierte sich die Versicherung an den Billigpreisen im Online-Handel.

Bei fast jedem Gerät ist auf der Liste der Allianz aufgeführt: «Neupreis gemäss Toppreise.ch.» Die Abrechnung liegt dem Konsumentenmagazin «Espresso» auf Radio SRF 1 vor. Er kaufe zwar auch ab und zu im Internet ein, doch bei elektronischen Geräten lege er Wert auf gute Beratung.

«Allianz» räumt Fehler ein

Möchte die «Allianz»-Versicherung ihre Kunden zu Schnäppchenjägern umerziehen? Sprecher Hans Peter Nehmer wehrt sich gegenüber «Espresso»: «Toppreise.ch ist nicht einfach ein Schnäppchenportal, dort sind verschiedene Händler vertreten.» Wie auch jeder Konsument vergleiche die Allianz die Preise im Internet. Und: «In der Regel nehmen wir nicht den günstigsten Preis. Meistens ist es ein Mittelwert.»

Nicht so im Fall von Ernst Häfliger, wie das Dokument beweist. Hier nahm die Versicherung jeweils den tiefsten Preis als Referenz. Dort gibt man zu: «Hier haben wir sehr wahrscheinlich nicht überall den richtigen Preis berechnet», sagt Nehmer. Häfliger erhielt dank «Espresso» nachträglich einen zusätzlichen Beitrag gutgeschrieben.

Nicht alle Versicherungen sind kulant

Eine Umfrage zeigt: Die Allianz steht mit ihrer Tiefpreis-Praxis nicht allein da. Auch andere Versicherungen orientieren sich am Online-Handel. Bei der AXA wird das Gerät zum «marktüblichen Preis» ersetzt, bei der «Zürich»-Versicherung hängt die Entschädigung davon ab, ob der betroffene Kunde den Artikel online oder im Fachhandel gekauft hat. Bei der Helvetia-Versicherung ist entscheidend, wie der Versicherte normalerweise einkauft. Entsprechend gibt es den Online-Preis, den Grossmarkt-Preis oder den Fachmarkt-Preis. Bei der Mobiliar ist entscheidend, wo das gestohlene Gerät gekauft wurde.

Bei der Visana wird das Gerät entsprechend dem aktuellen Preis beim tatsächlichen Händler ersetzt – jedoch nur, sofern ein Beleg vorhanden ist. Ansonsten greift die Versicherung auf Preislisten grosser Einzelhändler zurück. Baloise, CSS und Generali orientieren sich vorwiegend am Onlinehandel.

(pat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hokipa am 07.01.2016 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiederbeschaffungskosten

    Normalerweise kritisiere ich Versicherungen auch leidenschaftlich gerne. Aber in diesem Fall ist es doch klar: Es handelt sich um Wiederbeschaffungskosten. Eine Kaufberatung ist ja nicht mehr notwendig.

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  • Hallo23 am 07.01.2016 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe das Problem nicht 

    Die Geräte, die er hatte, kaufte er wahrscheinlich im Laden. Diese kann er jetzt zum günstigeren Preis im Online-Shop wieder kaufen. Dafür braucht man ja keine Beratung mehr, solange man dasselbe Gerät kauft.

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  • Fritz am 07.01.2016 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Warum auch nicht?

    Es geht ja schlussendlich darum mit dem Geld der Versicherung die gestohlenen Güter und nicht den ursprünglichen Neupreis zu ersetzen. Gerade Elektronikartikel sind nach kurzer Zeit zu einem erheblich niedrigeren Preis erhältlich. Wenn nun Herr Häfliger einfach die gleichen Produkte wieder kauft braucht er keine Beratung, möchte er hingegen die "Gelegenheit" nutzen um sich mit Beratung neuere Modelle anzuschaffen muss er einen Aufpreis bezahlen, ich finde das nur fair.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter Spahni am 07.01.2016 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Allianz-Versicherung!

    Ich bin schon seit Jahren bei der Mobiliar versichert! Die sind freundlich, schnell, zuvorkommend, kulant und grosszügig! Versucht es doch mal!

  • Oliver am 07.01.2016 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    nächste Etape

    "wir zahlen den Deutschen Preis, da billiger als Schweizer Preis" ... die Versicherungen als indirekter Einkaufstourismus-förderer

  • Trülli am 07.01.2016 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wichtig ist...

    ...ob das Gerät dann wirklich zu dem Preis beschafft werden kann oder ob es sich wie schon oft erlebt nur um ein Lockangebot handelt und gar keine Geräte zu dem Preis verfügbar sind.

  • Unwichtig am 07.01.2016 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, aber dann auch bei Prämienberechnung

    Macht Sinn, aber dann sollte diese Logik auch für die Prämienberechnung bei Autos gelten, die derzeit noch auf überhöhten Listenpreisen basiert.

    • Klaus am 07.01.2016 15:30 Report Diesen Beitrag melden

      Prämienberechnung

      Die Fahrzeuge sind alle im System hinterlegt. Hast du eine Teil oder Vollkasko auf deinem Fahrzeug, hast du einen Zeitwertrzusatz. Der ist massgebend bei der Entwertung, bei einem Schaden. Du bist dann sicherlich froh darüber. Bei nur einer Haftpflichdeckung ist der preis nicht relevant.

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  • Simon am 07.01.2016 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    ich bin Allianz Kunde

    und hatte auch schon schäden und die Bezahlung war nie das Problem. Wenn wer beim Fachhändler um die Ecke einkauft damit auch der Service geregelt ist und meistens sofort ein ersatzgerät erhält ist nie ein Problem. Beim Fachhändler sind die Kundendaten und Einkäufe vorhanden. Das versteht auch die Versicherung. Leider leben viele Menschen nach der Einstellung: Geiz ist Geil, und verwundern sich, dass sie dann so abgespiesen werden. Ich habe schon von vielen Personen erfahren was für tolle teure Fahrzeuge sie fahren aber jammern wegen der Versicherungsprämie, passt nicht zusammen.