Start-up Knip

06. Januar 2016 15:18; Akt: 06.01.2016 19:46 Print

Vertrags-App verärgert Versicherte

von F. Lindegger - Einen Überblick über die Versicherungen – das verspricht die App von Knip. Viele Kunden realisieren aber nicht, dass sie dabei auch ein Brokermandat übertragen.

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Für die meisten bedeuten Versicherungen ein notwendiges Übel, das meist viel Papierkram mit sich bringt. Da tönt die Werbung des Start-up Knip, die zurzeit auf allen Kanälen läuft, verlockend: «Viel zu viel Papier und kein Überblick. Knip digitalisiert deine Policen und gibt einen vollständigen Überblick – völlig unverbindlich und kostenlos», heisst es etwa in einem TV-Spot. Was aber nicht erwähnt wird: Mit einer Registrierung in der Knip-App wird der Firma auch ein sogenanntes Brokermandat übertragen. Damit ermächtigt der Nutzer Knip, in seinem Namen gegenüber den Versicherungen aufzutreten und etwa neue Offerten einzuholen.

Das realisieren viele Nutzer scheinbar erst nach der Registrierung bei Knip. Aus Versicherungskreisen heisst es, dass sich viele Kunden melden würden, die Knip aus Unwissen ein Brokermandat übertragen haben und sich nun erkundigen, wie dieses wieder gekündigt werden kann. Eine grosse Schweizer Versicherung spricht davon, dass gut jeder zweite ihrer Kunden, die bei Knip einen Vertrag abschliessen, diesen innerhalb kurzer Zeit wieder auflösen, was zu grossem Aufwand führe. Versicherer kritisieren, dass Knip zu wenig transparent kommuniziere, welche Kompetenzen das Unternehmen bei einer Registrierung erhält und was dies für die Kunden bedeute.

«Kommunikation wurde angepasst»

Mit der App von Knip lassen sich Versicherungspolicen digital verwalten. Kommt es zu einem Versicherungsfall, lässt sich die Versicherung über die App kontaktieren. Zudem verspricht Knip seinen Kunden einen persönlichen Service per Telefon, E-Mail oder SMS. Auf Wunsch und kostenlos optimiert Knip auch die Policen und führt anschliessend den Wechsel oder die Kündigung von Versicherungen aus.

Dazu übertragen Kunden Knip allerdings ein Brokermandat. Der bisherige Versicherungsberater ist dann nicht mehr die Ansprechperson bei allfälligen Fragen zu Policen oder Schäden. Dazu müssen sich die Nutzer der App an Knip wenden. Geld verdient Knip, indem das Start-up für das Verwalten der Policen teilweise von den Versicherungen bezahlt wird. Zudem erhält Knip eine Provision, falls ein Kunde eine neue Versicherung abschliesst.

«Es kommt hin und wieder vor, dass Nutzer denken, dass es sich um einen digitalen Ordner für ihre Versicherungspolicen handelt», sagt Knip-Sprecherin Corina Ullmann zu 20 Minuten. In der Regel würden die Kunden aber wissen, dass mit einer Registrierung auch ein Brokermandat übertragen werde. Trotzdem habe man die Kommunikation bereits etwas angepasst: «Wir versuchen, so deutlich und transparent wie möglich zu sein.» Dass viele Kunden bereits nach kurzer Zeit ihr Brokermandat mit Knip wieder künden, bestreitet Ullmann: «Die Kündigungsquote liegt im einstelligen Bereich.»

Idee kommt bei Investoren an

Auch bei der Stiftung für Konsumentenschutz gingen schon Meldungen zu Knip ein, erklärt Geschäftsleiterin Sara Stalder. Sie kritisiert ebenfalls, dass die App nicht genügend transparent sei. Stalder setzt aber grundsätzlich ein Fragezeichen hinter solche Brokerverträge: «Bei normalen Policen für Privatpersonen ist es sehr fraglich, ob man einen Broker braucht.»

Während einige Kunden scheinbar von Knip enttäuscht werden, sorgt das Start-up bei Investoren für umso mehr Freude. Im Oktober 2015 sicherte sich Knip, das neben Zürich auch in Berlin und Belgrad Büros hat, 15 Millionen Franken von verschiedenen inländischen und internationalen Investoren – eine der bisher grössten Finanzierungsrunden für ein Schweizer Fintech-Unternehmen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Melissa am 06.01.2016 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    habe mich schon gewundert

    als ich die TV-Werbung zum ersten Mal gesehen habe. Vor allem der Zusatz "kostenlos". Wenn jemand kostenlos deine Daten verwaltet, zieht er einen anderen Nutzen daraus, das sollte wohl jedem klar sein.

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  • Hellfire am 06.01.2016 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    2.5 Versicherungen App

    Die Werbung fand ich schon nichtssagend. Na ja, wer seine 2.5 Versicherungen nicht im Griff hat (ist klar, an Versicherungen denkt man auch jeden Tag), der braucht sicher das "allmächtige Zusatzhirn" Smartphone dazu und eine Applikation. Jeder, wie er es mag. Aus meiner Sicht viel Wind um nichts.

  • Treuer Glauber am 06.01.2016 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsumentenschutz

    Wo bleibt Konsumentenschutz? Solche Mandate per App zu erhalten sollte verboten werden. Ich finde solche Machenschaften unseriös. Finger weg!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ESchu am 07.01.2016 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Broker braucht Mandat!

    Nutze die App selbst und habe mir ganz bewusst Knip als Broker ausgesucht. Das Bild zeigt doch, dass man unterschreiben muss, da steht doch auch "Brokermandat". Wer einen Broker möchte, muss ihn auch mandatieren, ganz egal ob der Service dann am Ende über App oder Briefe läuft. Verstehe die Aufregung nicht!

  • Lesezeichen am 07.01.2016 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben?

    "Mit einer Registrierung in der Knip-App wird der Firma auch ein sogenanntes Brokermandat übertragen. (...) Das realisieren viele Nutzer scheinbar erst nach der Registrierung bei Knip." Realisieren? Ich unterschreib' doch nicht irgendwas und "realisiere" nachher, was das war. Find Versicherungen seit der App besser.

  • Jamain, Linda am 07.01.2016 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Alles halb so schlimm!

    Wenn ich als Kunde schon nichts zahlen muss, können sie gerne Provision kassieren. Kein Dienstleister oder Unternehmen arbeiten umsonst. Sind ja kein Wohltätigkeitsverein. Und es ist auch klar, dass nur über ein Mandat meine Daten von der Versicherung rausgegeben werden sonst könnte ja jeder an meine Verträge.

  • Jessica am 07.01.2016 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist falsch daran?

    Ist doch toll, wenn man gelegentlich über bessere Angebote informiert wird. Keiner ist verpflichtet das Angebot anzunehmen und die Angebote kommen auch nicht Spammässig. Ich habe all meine Versicherungspolicen bei Knip hochgeladen. Verwende die App jedoch ausschliesslich zur Übersicht all meiner Versicherungen und um mir Papierkram zu ersparen. Gerade heute Morgen hatte ich ein Fahrzeugschaden und da kam mir die App gerade recht. Den Schaden melde ich jedoch nicht über die App, sondern direkt über meinen Versicherungsberater.

    • NichtVersteher am 07.01.2016 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      Na wie jetz..?

      "da kam mir die App gerade recht. Den Schaden melde ich jedoch nicht über die App, sondern direkt über meinen Versicherungsberater." Hää?

    • Online sei Danke am 07.01.2016 15:04 Report Diesen Beitrag melden

      falsch daran ist...:

      Hallo Jessica Falsch daran ist, dass eine Organisation für null bis wenig Aufwand von den Versicherungen Geld bekommt. Das Geld bezahlt nicht die Versicherung sondern wir alle (über die Prämie). Immerhin gibt es vermutlich kaum Doppelzahlungen. So ist anzunehmen, dass dein Berater "nichts" mehr für deine Policen bekommt. Es erscheint mir sehr selbstlos, wenn dich dein Berater dennoch bei der Schadenmeldung unterstütz... So ist für mich falsch, dass derjenige, der die wirkliche Arbeit hat, nichts verdient und derjenige der Geld verdient nicht einmal etwas dafür tun muss... Mobile sei Dank!

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  • N.D. am 07.01.2016 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Unnütze Start-ups

    Mal im Ernst: brauchts denn wirklich so eine App? Ich frage mich manchmal echt, was aus der Menschheit geworden ist. Wird immer unselbständiger und lässt sich sich regelmässig über den Tisch ziehen!