Job-Plattform

23. Januar 2018 17:55; Akt: 23.01.2018 17:55 Print

Hier bewerben Sie sich nur noch per Video

von Dominic Benz - Stellenanzeigen durchforsten und sich bewerben ist out. Ein Start-up kehrt den gängigen Prozess um – und setzt auf bewegte Bilder.

Die 25-jährige Maria Fritz sucht in einem Testimonial auf Skillster.net einen Job einem internationalen Grosskonzern mit Sinn für nachhaltige Produktion (Video: Skillster.net)
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Motivationsschreiben, Lebenslauf, Arbeitzeugnisse: Wer einen Job sucht, muss das perfekte Berwerbungsdossier haben. Das ist mühsam und kostet Zeit. Der ganze Ärger soll jetzt der Vergangenheit angehören. Auf Jobplattformen wie Skillster steht das Bewerbungsvideo im Zentrum. Das zugrunde liegende Konzept gleicht denjenigen von Datingplattformen.

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Statt Singles bringt Skillster Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen. Auf der Homepage des deutschen Start-ups heisst es: «zusammenbringen, was zusammenpasst». Der klassische Bewerbungsprozess ist hier umgekehrt: «Bewerber müssen nicht finden, sondern werden gefunden», sagt Skillster-Chefin Lisa Groiss zu 20 Minuten.

Videoauftritt soll möglichst authentisch sein

Jobsuchende bewerben sich in einem ersten Schritt mit einem selbstgemachten Video, das 99 Sekunden lang ist. «Die Botschaft in den Videos sollen kurz und knackig sein», sagt Groiss. Darin sollen die Kandidaten die vier klassischen Bewerbungsfragen «Wer bin ich?», «Was kann ich?», «Was will ich?» und «Was interessiert mich?» beantworten.«Das Video soll ein persönliches Gespräch nachbilden», so Groiss.

In einem zweiten Schritt füllt der Bewerber online einen Persönlichkeitstest aus, den man laut Groiss nicht beeinflussen kann. «Der Kandidat wählt dabei unter grafischen Formen, optischen Täuschung und Bildern seine Favoriten aus und erfährt so, was für eine Persönlichkeit er ist.» In einem dritten Schritt beschreibt man die Unternehmenskultur, die zu einem passt. Kostenpunkt für ein Profil auf Skillster: 25 Euro.

«Stellenanzeigen sind nicht mehr zeitgemäss»

Die Unternehmen auf der anderen Seite suchen ihren Wunschkandidaten nach fachlichen und persönlichen Kriterien. Wenn ein Kandidat passt, spuckt ein Algorithmus wie bei der Datingplattform Tinder einen oder mehrere Matches aus, also Übereinstimmungen. Interessiert sich die Firma für den vorgeschlagenen Kandidaten, kann sie für 275 Euro Mailadresse und Telefonnummer kaufen. Zehn Kontaktdaten gibt es für 2500 Euro.

«Mit unserem Konzept kommen Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale der Bewerber zum Vorschein, die bei einer traditionellen Bewerbung verborgen bleiben», sagt Groiss. Es sei so wahrscheinlicher, dass sich zwei Parteien finden, die auch wirklich zusammenpassten. Vom klassischen Bewerbungsprozedere hält sie nicht viel: «Stellenanzeigen durchforsten und sich dann bewerben ist einfach nicht mehr zeitgemäss», sagt Groiss.

Internationale Plattform

Sie betont, dass die Plattform nicht nur für den deutschen Markt bestimmt ist: «Es gibt keine geografischen Grenzen.» So seien auch Schweizer Bewerber und Firmen auf Skillster vertreten. Mit dabei sei auch der US-Onlinehändler Amazon. «Mittlerweile sind rund 400 Jobsuchende und 60 Unternehmen angemeldet», so Groiss. Gemäss der «Süddeutschen Zeitung» sucht Groiss nach Investoren. Die Gebühr für Bewerber soll dann verschwinden. Das soll Kunden anziehen: «In fünf Jahren könnten es bereits 100'000 sein», zitiert die Zeitung die Chefin.

Markus Grutsch, Arbeitspsychologe an der Fachhochschule St. Gallen, findet die Video-Bewerbung eine gute Idee. «Firmen erhalten einen persönlichen Eindruck, den man mit einer klassischen Bewerbung nicht vermitteln kann.» So könne man sich etwa vom Auftritt, der Sprechweise oder der Seriosität ein Bild machen.

Videos mit Vorsicht geniessen

Dennoch birgt ein Video auch Risiken. Denn der vermittelte Eindruck kann vorgetäuscht sein. «Wie die Person wirklich ist, sieht man mit einem Video nicht», sagt er. Schliesslich kämen im Arbeitsalltag andere Verhaltensweisen zum Vorschein. «Daher sollte man auch Videos mit Vorsicht geniessen.»

So funktioniert das Tinder für Jobsuchende.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 23.01.2018 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    zeitgemäss?

    Während manche Firmen in Bewerbungen nicht einmal das Geschlecht wissen wollen, um möglichst unvoreingenommen urteilen zu können, setzen andere anscheinend auf das Aussehen. Zeitgemäss ist das eher nicht. Spricht der Arbeitspsychologe dann auch noch von "geniessen", wird aus dem Bedenken Entsetzen.

  • Swissman73 am 23.01.2018 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja....

    So neu ist das jetzt auch nicht. Z. Bsp. bei Unilever folgt nach der schriftlichen Bewerbung, falls man noch im Rennen ist, ein erstes Gespräch über die Cam des PC's. Da muss man sich mit einem virtuellen Gesprächpartner unterhalten und Antworten auf Fragen geben. Und Stellenanzeigen sind sehr wohl noch populär, sonst gäbe es den Markt, der laufend am wachsen ist, nicht mehr. Aber logisch, das genannte Startup muss ja Werbung machen, wenn man schon gratis eine Plattform bekommt.

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  • Linda am 23.01.2018 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habe das so gemacht

    Bin jetzt RAV Beraterin, vorher arbeitete ich als Putzfrau.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michele Giaffreda am 24.01.2018 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Video u. Digitalisierung ist Quatsch

    Da es sich um Personen, Charakterien, Emotionen und Perönlichkeiten handelt und keine Gegenstände oder Waren sind, kann eine Videoaufnahme ein persönliches Gespräch nicht annähernd ersetzen. Allgemein bin ich der Meinung, dass die Digitalisierung rund um die Rektrutierung von Personal, Personen, Mitarbeitern welches immer noch Menschen mit GEFÜHLEN sind, nicht allzu gewichten sind.

  • Nikola Banden am 24.01.2018 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Noch mehr Theater

    Es ist schon deftig was für Theater der Mensch macht. Das Ausmass, das es annimmt, ist schon des Wahnsinns, eigentlich gibt es wichtigere Probleme auf der Welt zu lösen, als solch ein Kindergarten.

  • J.k am 24.01.2018 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Gefällt mir nicht und Zeit spart man auch nicht da hoffentlich nicht nur diauch die Bewerber die neue Stelle und Arbeitsgeber kennen lernen wollen.. kann ja auch sein das es dem Bewerber nicht gefällt

  • Gregor Lauterbach am 24.01.2018 05:47 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Das Resultat: Ein fachlich sehr guter Mitarbeiter hat keine Chance wenn er sich vor der Kamera unwohl fühlt - das strahlt er nämlich auch aus und wird daher kaum brillieren. Die Begründer von Videobewerbungen sind ein Produkt gewisser HR - Narzissten, um einen Menschen in ein Klick zu verwandeln. Ein Bild von Arbeitskräften, macht man sich persönlich - oder haben sie einmal gesehen, dass ein Handschlag auch online erfolgt? Nein!

  • Unentschlossene am 23.01.2018 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewöhnungssache

    Schlecht es ist nicht,es spart Zeit für die Bewerbern und wahrscheinlich Personal für Arbeitgeber naja je nach dem aber man muss vorstellen, man muss bsp. 10 Bewerber Videos anschauen jeden Tag das kann auch Zeit beanspruchen.Empfinde es irgendwie nicht so seriös aber eben man muss sich halt an Sachen/Situationen gewöhnen was man noch nie gemacht hat und naja das Resultat sieht für mich wie mit Papierbewerbung gleich aus.Bei schriftlichen Bewerbungen kann man ja noch nach Faktoren gehen welche man zuerst durchschauen sollte aber bei Videos gibts auch dieser Filtermöglichkeit?Naja hab mehr Fragen über Fragen als Begeisterung....