Branche unter Druck

03. Juli 2014 10:16; Akt: 03.07.2014 12:24 Print

Viele Industrie-Lehrstellen bleiben unbesetzt

Die Berufslehre wird immer unbeliebter. Das beklagt vor allem die Industrie. Schuld am Dilemma sind auch die Eltern von Jugendlichen, heisst es beim Branchenverband Swissmem.

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Jugendliche interessieren sich immer seltener für eine Lehre in der Industrie. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Innert weniger Jahre hat sich die Lage bei der Berufslehre immens verschärft. Vor allem die Maschinenbau-, Elektro- und Metallindustrie leidet: In dieser Branche bleiben 5 bis 7 Prozent der Lehrstellen unbesetzt. Einen solchen Mangel an Lehrlingen habe es noch vor fünf Jahren nicht gegeben, sagt Hans Hess, Präsident des Branchenverbands Swissmem.

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Ein Grund für die vielen leeren Ausbildungsplätze ist das Bild der Lehre in den Köpfen der Eltern von Jugendlichen. «Sie denken, dass ihre Kinder nur dann einen erfolgreichen Berufsweg gehen können, wenn sie eine akademische Ausbildung antreten», so Hess. Darum müssten Eltern überzeugt werden, dass auch eine Berufslehre für ihre Kinder von Vorteil sein könne.

Firmenchef mit Berufslehre

Der Ball liegt nun bei den Unternehmern. Geht es nach dem Swissmem-Präsident, müssen sie in die Offensive gehen und die Öffentlichkeit davon überzeugen, dass nicht nur Matura und Studium Türöffner für eine erfolgreiche Karriere sind.

Die Industrie brauche etwa 10 Prozent Akademiker und 15 bis 20 Prozent Abgänger von Fachhochschulen, sagte Hess. Die übrigen Mitarbeiter kämen mit einer Fachausbildung aus den Berufslehren in die Unternehmen. Ein Firmenchef mit Berufslehre sei keine Seltenheit.

Nicht nur für Männer

Ein weiters falsches Bild in der Öffentlichkeit ist laut Hess, dass Industrietätigkeiten schmutzig und nur etwas für Männer sind. Der Swissmem-Präsident entgegnet: «99 Prozent der Berufe können genauso von Frauen ausgeübt werden wie von Männern.»

Zudem sei sich die Gesellschaft zu wenig bewusst, wie durchlässig das Ausbildungssystem sei und dass Anschlussausbildungen auch in Hochschulen möglich seien. Auf dem Land sei die Berufslehre noch mehr verankert als in den Städten. Zuwanderer würden zudem das duale Bildungssystem der Schweiz zu wenig kennen und ihre Kinder automatisch auf Mittelschulen schicken. Auch da sei Aufklärung durch die Industrie nötig.

(vb/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Besorgter Vater am 03.07.2014 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu hohe Erwartungen

    Unsere 2 Söhne sind immer noch auf der Suche nach einer Lehrstelle im August, erhielten bislang aber nur Absagen. Mehrmals schaffte es der eine oder andere bis unter die letzten zwei, drei zu kommen, wurden dann aber doch nicht genommen. Meist scheitert es weil die Firmen einfach zu hohe Erwartungen haben. Auch bei einer Detailhandelslehre (Verkäufer) wird ein super Multicheck und ein Zeugnis mit lauter fünfern und höher erwartet. Unsere Jungs sind durchschnittlich begabt (4.7) sind aber integer, stets pünktlich, robust (kräftig), freundlich etc. Offenbar alles Tugenden die nichts zählen...

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  • Marc Kaufmann am 03.07.2014 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder...

    In der heutigen Zeit wo man nur noch ausgequetscht wird wie eine Zitrone will keiner mehr im Maschinenbau arbeiten! Nach meiner Lehre 2009 hat man uns regelrecht rausgeworfen, dafür Temporär-Billigarbeiter aus Ost- Deutschland eingestellt, eine Frechheit sowas! Hatte jedoch sofort einen Job gefunden, bin aber trotz Firmenwechsel bis heute nie über 4000 netto gekommen und das mit 45h und Schichtarbeit! Man wird von den Arbeitgebern nur noch angelogen. Der Arbeitsdruck steigt, die Löhne sinken tendenziell. Bestes Beispiel SRT Airport Zürich...

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  • Daniel H. am 03.07.2014 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Firmen und Industrie selbst SCHULD

    Nun die Schuld auf die Eltern und Jugendlichen schieben, ist zu Einfach! Die Firmen sollten mal Ihre Ausbildungsbedingungen grundlegend überarbeiten! In der Schweiz fällt besonders auf, das nicht der Mensch zählt, sondern die Papiere, Beurteilungen über den Menschen. Nur wer Perfekte Zeugnisse, Bewertungen vorlegen kann, erhält eine Chance. Kein Mensch ist Perfekt, wenn Firmen weiter die perfekten Mitarbeiter suchen, sollten diese Roboter einstellen! Es gibt KEINEN perfekten Menschen, jeder hat schwächen, der eine in Mathe, der andere in Rechtschreibung usw. deswegen = Ungeeignet ??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Hosennen am 03.07.2014 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Am Scheideweg

    Es ist eine Tatsache, die Anforderungen in der Industrie sind gestiegen. Auf der anderen Seite sind die Interessen für Technik bei den Jungen gesunken. Zur Verdeutlichung ein Bsp: Jugendliche welche sich mit Gamen auskennen und diese auch sehr oft spielen, haben keine Ahnung von Technik und sind für einen anspruchsvollen Beruf wie Elektroniker, Informatiker, Polymech oder Mediamatiker kaum geeignet. Dies zeigt sich mir aus über 25 Jahren Erfahrung als Ausbildner. Dann die Eltern; ja, diese haben keine Ahnung was tech. Berufe für super gute Berufskar- rieren bieten. Fazit: CH wird zum Loser.

  • jb am 03.07.2014 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehre

    Ich mache eine Lehre als Automobilmechatroniker - 4 Jahre Lehrzeit, es gibt auch Fachmann das nur 3 Jahre geht. Ich rate jedem Schule zu machen, denn was bringt es dir für einen so kleinen Lohn eine so anspruchsvolle Lehre abzuschliessen und hinzukommt es tropft dir jeden Tag Öl auf den Kopf und man ist immer schmutzig.

  • mike am 03.07.2014 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Bei mir auch so

    Ich zum Beispiel bin sehr scheuch und kann mit fremden nicht einfach so spontan reden ohne nervös zu sein bin aber auf meinem Gebiet sehr begabt, ich erhielt auch nur abweisungen weil meine Noten angeblich nicht so gut waren. Und ich nicht das "Auftreten" hatte. Ich habe aber bei einer Firma eine Chance bekommen und bin der beste Lehrling dort.

  • Paustllarbiter am 03.07.2014 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohn? Hol ihn dir!

    Ich bin gelernter automatikmonteur und mir macht dieser jon spass. Ein kollege von mir verdient ca 2000-3000 mehr als ich ist gleich alt nur arbeitet er auf der bank, ich habe rückenschmerzen und bin von kopf bis fuss dreckig bin aber glücklich, er ist es nicht und klagt über unfreundliche mitarbeiter und kunden. Mir pers. Geht es bei einer lehre um spass und gutem umgang mit mitarbeiter und kunden, sicher nicht ums geld. Wenn ich zufrieden bin mir dem was ich mache was ich dafür bekomme ist es auch gut so.

  • mech/macher am 03.07.2014 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    berufslehre

    hab meinen abschluss als werkzeugmacher mit 5,0 bestanden, war realschüler (AG) und bin nun seit 2001 ausgelernt! natürlich konnte ich mich in einem fachgebiet spezialisieren! was hat sich in den letzten 15 jahren geändert? nun, hab die verantwortung für eine maschine die 500000 kostet und darf samstags sonntags in die bude gurken um stillstandszeiten zu reduzieren, mein lohn ist 75000(ZH) im jahr! hätte ich das kv gemacht würde ich jetzt sicher um die 10000 bis 30000 im jahr mehr verdienen und könnte mich am wochenende um meine familie kümmern! ein rat, WEG von der Industrie!

    • Lara am 03.07.2014 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      KV ist auch nicht so lukurativ

      Nur mit einem KV kommst du sicher nicht auf ein solches Gehalt. Da musst du danach noch eine FH machen.... Und auch da hat nicht jeder 100000 bis 300000..... Hab ein KV mit FH!

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