Steuerwettbewerb

22. Mai 2012 19:27; Akt: 23.05.2012 13:00 Print

Vier Monate Arbeit – nur für die Steuern

von S. Spaeth - Arbeiten für den Staat: In Neuenburg arbeitet ein Doppelverdienerpaar von Januar bis Anfang Mai nur für Steuern und Abgaben. In Zug sind es zwei Monate weniger.

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Tax Independance Day für Doppelverdiener mit einem Jahreseinkommen von 200 000 Franken, Vermögen 300 000 Franken (Quelle: Credit Suisse)

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«Endlich sind die Steuern abbezahlt!» Mit dem sogenannten Tax Freedom Day gedenken die Amerikaner jenes Tages, an dem der durchschnittliche Steuerzahler das erste Mal in die eigene Tasche wirtschaftet. Anders gesagt: All die Tage vorher hat der Erwerbstätige nur zum Bezahlen der Steuerrechnung gearbeitet – oder das Geld dafür ins Sparschwein gelegt.

In Anlehnung an den Tax Freedom Day haben die Ökonomen der Credit Suisse für die Schweizer Kantone den sogenannten Tax Independence Day berechnet. Damit bezeichnen sie jenen Tag, an dem die gesamten Steuern für Bund, Kantone und Gemeinden sowie die obligatorischen Sozialversicherungen bezahlt waren (AHV, IV, EO, ALV). Fazit: Ein Doppelverdienerehepaar mit einem gemeinsamen Jahreseinkommen von 200 000 Franken (Vermögen von 300 000 Franken) arbeitet im Kanton Neuenburg vom 1. Januar bis am 3. Mai nur für die Staatskasse.

Romandie muss länger warten

Viel früher in die eigene Tasche wirtschaften lässt sich im Kanton Zug. Dort darf das Ehepaar bereits am 9. März – also fast zwei Monate vorher – das vollständige Abbezahlen der Steuern feiern. Etwa im Mittelfeld liegen die Kantone Zürich und Aargau, wo der Tax Independence Day am 30. März bzw. am 2. April erreicht ist. Auf den hintersten Rängen liegen nach dem abgeschlagenen Neuenburg die Kantone Jura und Genf.

Ähnlich wie beim Doppelverdienerpaar verhält es sich bei der Familie mit einem Jahreseinkommen von 150 000 Franken (Vermögen 200 000 Franken). Hier arbeiten Vater oder Mutter einer im Kanton Zug wohnhaften Familie bis am 11. Februar für die Steuerrechnung. Fast zwei Monate mehr – exakt bis am 2. April – arbeitet die Familie im Kanton Neuenburg für den Staat.

Das gleiche Bild zeigt sich beim Studienabgänger mit 75 000 Franken Jahreseinkommen. Generell gilt: Zug, Schwyz und Nidwalden belegen in gleichbleibender Reihenfolge für alle Haushaltstypen die Spitzenränge, während Jura und Neuenburg die Schlusslichter bilden. Für die Westschweizer Kantone erfolgt der Tax Independence Day mehrheitlich später als für die Deutschschweiz. Im Mittelfeld liegt der Kanton Tessin.

Steuersenkungen in der Westschweiz

Um sich als Wohn- und Wirtschaftsstandort attraktiv zu positionieren, haben die Kantone in den letzten Jahren unzählige Entlastungsmassnahmen vorgenommen. Am attraktivsten positioniert haben sich die Zentralschweizer Kantone. So hat Obwalden 2008 die sogenannte Flat Rate Tax eingeführt, sprich einen einheitlichen Steuersatz für alle Einkommen. 2009 hat der Kanton Uri nachgezogen. Neuerdings kommen Steuersenkungen jedoch auch in der Westschweiz in Mode: «Ausgehend von den namhaften Massnahmen der Kantone Neuenburg und Jura steigt der Druck auf die Nachbarkantone», schreibt die CS.

In der Schweiz hat der Steuerwettbewerb der Kantone laut der CS bisher nicht an Intensität eingebüsst. Die Rezession im Jahr 2009 sowie ein aktuell verhaltener Wirtschaftsgang hätten daran nichts geändert. Ganz anders im näheren Ausland. «Das von Präsidentschaftswahlen und der Schuldenkrise geprägte Umfeld lässt Steuererhöhungen immer realistischer erscheinen», vermuten die Bankökonomen. Und auch in den USA werden mittlerweile ehemals undenkbare Massnahmen für mehr Steuereinnahmen – etwa die vom Milliardär Warren Buffet angeregte «Millionärssteuer» - realistischer. Der Grossinvestor mit einem geschätzten Privatvermögen von 44 Milliarden Dollar hatte wiederholt erklärt, dass reiche Leute wie er oft weniger Steuern zahlten als ihre Angestellten.


Tax Independence Day für eine Familie mit Einkommen 150 000 Franken, Vermögen 200 000 Franken (Quelle: Credit Suisse)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Will H. Elmtell am 22.05.2012 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unrealistische Einkommen

    150k als Alleinverdiener, wohl nur bei der CS möglich. Bitte verwendet doch den Medianwert um eine Durchschnittliche Familie darzustellen und nicht den Mittelwert. Dann würden die Zahlen realistischer ausfallen. Was soll den der Büetzer dazu sagen der mit Brutto 60-80k durch kommen muss? Gruss Will H. Elmtell

  • Martin am 22.05.2012 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durchschnittliches Einkommen?

    Alleine die Zahlen zur Durchschnittsfamilie zeigt, dass die bei der CS anscheinend zu viel verdienen....

  • Michael Eiche am 22.05.2012 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soviel?!

    200000 Franken Jahreseinkommen? Ich muss den Job wechseln :-(

Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner am 23.05.2012 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Glückliche Schweiz

    Glückliche Schweiz. Wir Arbeitnehmer in Italien arbeiten bis Anfang Juli für den Staat. Aber dafür verdienen unsere Arbeitgeber meistens nicht mehr als ihr Reinigungspersonal.....

  • Paul Schmied am 23.05.2012 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Schwyz

    Das lässt bei mir als Schwyzer schon etwas Lokalpatriotismus aufkommen. Weiter so! Eher wenig Steuern und relativ hohe Lebensqualität, was will man mehr! Das ist nicht zuletzt auch ein Resultat eines eher bürgerlich geprägten Politbiotops, was zwar von Aussen oft belächelt und als provinzialität abgetan wird, in der Realtiät aber auch einige Vorteile mit sich bringt.

  • Kana am 23.05.2012 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Deswegen

    lohnt es sich nicht zu heiraten. Der Verdienst wird einfach addiert und somit muss man automatisch mehr Steuern zahlen als wenn man gewöhnlich zusammen lebt.

  • Linsen koch am 23.05.2012 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist die Zukunft ?

    Das Problem sind nicht die Steuern sondern der Lohn. Der Steuerwettbewerb führt zu einer extremen Benachteiligung der annhin schon schlecht Verdienenden. Wäre der Lohn grundsätzlich höher, könnte man auch die Steuern wieder leicht erhöhen, und so die Bildungseinsparung stoppen. Ich bin 17 und habe extreme Angst dass meine Kinder noch eine Anständige Bildung erhalten, ohne dass ich sie an eine Privatschule schicken muss.

  • Ein Zuger am 23.05.2012 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    was ist das wieder für eine statistik, bevor alle wieder auf zug bashen, kommt her und mietet ne wohnung, sucht mal im internet ne wohnung oder ein haus in zug... und nicht alle hier haben ein einkommen von 150kFr.