Bankenbeben in Portugal

11. Juli 2014 15:37; Akt: 11.07.2014 15:37 Print

Vier Zeichen, dass die Krise nicht vorbei ist

von Yves Hollenstein - Lange war es ruhig um die Euro-Krise. Ein Trugschluss: Denn bereits eine einzige portugiesische Bank bringt die Märkte erneut zum Zittern.

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Über vier Jahre ist es her, dass Hiobsbotschaften aus Griechenland die Finanzmärkte erschütterten. Was folgte, glich einem Flächenbrand: Immer mehr Staaten gerieten in arge Schwierigkeiten. Die Griechenland-Krise eskalierte zur Euro-Krise: Aktienkurse rauschen in den Keller, die Gemeinschaftswährung Euro verliert massiv an Wert und die Zinsen für Staatsanleihen explodieren förmlich.

Das Horrorszenario, ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone, schien inzwischen aber endlich abgewendet zu sein, wie auch verschiedene Ökonomen bekräftigten.

Doch bereits ein kleiner Windstoss kann die Flammen wieder zum lodern bringen, wie das jüngste Beispiel der Banco Espirito Santo (siehe Bildstrecke) beweist. Die portugiesische Bank ist nur etwa ein Zehntel so gross wie die UBS, doch Spekulationen um Zahlungsprobleme des Instituts reichten, um die Märkte ins Zittern zu bringen. Rund um den Globus begaben sich die Kurse auf Talfahrt.

Doch ist die Angst berechtigt? Wir zeigen vier Brandherde, welche die Krise neu befeuern könnten.

1. Staatsverschuldung

Dank massiver Anstrengung und Finanzhilfen haben die meisten Staaten den Rank wieder einigermassen gefunden. «Strukturell hat sich in einzelnen Ländern, insbesondere Spanien und Portugal, einiges zum Besseren gewandelt, doch das ist noch zu wenig», sagt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank zu 20 Minuten. Die grundsätzlichen Probleme bestünden weiter fort und bald dürften die Sparprogramme an ihre Grenzen stossen. Vor allem Frankreich bereite hierbei Sorgen, sagt Gitzel. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Eurozone setze keine wesentlichen Reformen um.

2. Konjunktur

Auch hier gab es zuletzt einen Silberstreifen am Horizont in Form einer wirtschaftlichen Erholung. Seit Mai 2013 zeigen die Konjunkturumfragen in den einzelnen Mitgliedsländern eine langsame, aber stetige Verbesserung der Wirtschaftslage. Für Felix Brill ist das zwar positiv, dem Chefökonomen von Wellershoff & Partner fehlt aber die Dynamik: «Die Wirtschaft in der Eurozone hat es noch nicht geschafft, den nächsten Gang einzulegen.» Doch genau das wäre nötig, um die Krise definitiv hinter sich zu lassen.

3. Banken

Wegen ihrer exzessiven Kreditvergabe hatten die Finanzinstitute wesentlichen Anteil am Ausbruch der Krise. Und: «Die Unsicherheit gegenüber den Banken ist immer noch sehr gross», sagt Brill. Damit lässt sich auch erklären, warum die Märkte so heftig auf den Fall der vergleichsweise kleinen portugiesischen Bank Espirito Santo reagierten. Entspannung soll Ende Oktober ein Stresstest der Europäischen Zentralbank EZB bringen, die 120 Institute auf Herz und Nieren prüft. Doch bringt auch dieser Test keine positive Resutate, wäre das ein denkbar schlechtes Signal, so Brill.

4. Ungleichgewicht

«Was die Eurozone (noch) zusammenhält ist der Treueschwur Mario Draghis», sagt VP-Bank-Ökonom Gitzel. Der Chef der Europäischen Zentralbank hatte versprochen, er werde alles tun, um den Euro zu retten. Diese Rückendeckung verhindert vorerst ein nochmaliges Aufflammen der Euro-Krise. «Doch wenn sich die Länder strukturell nicht aufeinander zubewegen, besteht langfristig keine Grundlage für einen gemeinsamen Währungsraum», so Gitzel. Vor allem die stark unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland und dem Rest der Eurozone sei immer noch das Kernproblem.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jacky am 11.07.2014 16:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Am besten werden wir sofort Mitglied der EU oder nähern uns ihr "strukturell" an. AUFWACHEN!! Die Schweiz kann in der EU nur verlieren!

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  • Patrick am 11.07.2014 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts dazugelernt!

    Die Banken und Politiker, sowie die Bevölkerung haben seit der Krise nichts dazugelernt! Es wurden nur die Symptome behandelt und nicht die Ursache. Die Ursache, die man hätte angehen müssen ist, dass das weltweite Geldsystem langsam aber sicher vor dem Kollaps steht und mit einem faireren ersetzt werden müsste! Das Problem ist einfach: Da im bestehenden System immer mehr Schulden als Geld produziert werden, kommt es durch die Zinseszins-Problematik unweigerlich zum Knall, da die Arbeitsleistung um die Zinsen abzuzahlen nicht mit dem exponentiellen Wachstum der Schulden Schritt halten kann!

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  • Samuel Goldmann-Sachs sen. am 11.07.2014 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    So sicher wie das Amen in der Kirche

    Es wird zum grossen Knall kommen; die Frage ist nur: Wann? Und das Gefährlichste daran ist, dass ein solcher europäischer Kollaps zu einem dritten Weltkrieg führen kann. Niemand will das wahrhaben, niemand will darüber sprechen. Der Gedanke ist unangenehm. Man belügt sich lieber selber und geht den Weg ins Verderben Tag für Tag weiter, bis zum Abgrund. Der Mensch ist leider nicht fähig, aus der Geschichte zu lernen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Carol Jo am 13.07.2014 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die Krise vorbei?

    ..sie hat noch gar nicht angefangen meine Lieben:) Solange die Globalisierung gefördert wird, Wachstum das erklärte Ziel ist, und sowas wie ne Börse existiert, läuft alles auf ein ganz tragisches Ende zu. Die einzigen die profitieren sind die mächtigen Konzerne. Auf Kosten von Umwelt und ehrlich & nachhaltig funktionierenden Regionalmärkten.

  • Christophe am 13.07.2014 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschütteln

    Mir graust es, wenn ich diese Kommentare lese. So konzentriert auf einem Haufen, habe ich noch nie Unsinn gelesen. Meine Güte...

    • wenger roland am 14.07.2014 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      Kopfschütteln

      Und du machst den Mist weiter in dem du gar keinen Ansatz lieferst.

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  • Bossert Jan am 12.07.2014 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    CH - Ehrfurcht vor EU- Pleitekonglomerat

    Die ganze Eu ist nicht nur pleite- die ist stockpleite! Deutschland kann nicht mal mehr die Export- UST- Rückvergütungen von 19% zurückerstatten. Anstelle der Zahlung ordnet die deutschen Pleitebeamten oder Pleiteregierung umfangreiche Kontrollen bei Kleinfirmen an. Somit können sie fällige Millionenzahlungen verhindern. Die Kontrollen dauern bis zu 5 Monate! Warum die Schweiz derart Ehrfurcht von diesem EU- Pleitekonglomerat hat begreift niemand!

    • Peter am 12.07.2014 23:13 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Ehrfurcht!

      Nicht die Schweiz. Die Regierung. Und die ist ja wie wir wissen, schon längst nicht mehr die Schweiz

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  • Markus am 12.07.2014 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weitere Zeichen ! 

    Dass wir über PK-Gelder, in Zukunft, nicht mehr selbst zu sagen haben sollten. Die Idee von Avenier Suisse, alles schleichende Enteignung, aus meiner Sicht. Dem Normalo soll ein schlechtes Gewissen gemacht werden, dass er das Gefühl hat er könne nicht mit GELD umgehen ( ich behaupte nicht, dass es das nicht gibt).

    • Insider am 12.07.2014 20:53 Report Diesen Beitrag melden

      PK in Haus oder Wohnung

      investieren. So habe Ichs gemacht. Niemand spekuliert mit meinem Geld!

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  • Beckmann Joe am 12.07.2014 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz überheblich Schlaue Gesellschaft

    Ganz schlaue Gesellschaft ! Mein Vater hat in Deutschland den Krieg erlebt .... wisst ihr was einzig Wert hat? .... Das Fressen !!! Die einstmals Reichen konnten sich mit all ihrem Gold kein Brot mehr leisten! Nun es kommt wie s kommen muss, auch Rattenplagen dezimieren sich von selbst.

    • Peter am 12.07.2014 13:58 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz richtig

      Hm... ja und nein. Richtig ist, dass Essen war das wertvollste. Mit Gold und anderen Wert- und Tauschgegenständen konnte man sich allerdings mit allem Möglichen eindecken. Nicht nur Brot sondern auch Kohle, Süss- und sogar Wurstwaren. Geschichten eines Familienmitglieds welches ebenfalls den Krieg erlebt und die Kriegsgefangenschaft überlebt hat.

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