Umstrittener Fahrzeugtyp

20. August 2019 09:36; Akt: 20.08.2019 15:26 Print

Vier von zehn Schweizer Neuwagen sind SUV

von S. Spaeth - Sie haben den Ruf von Dreckschleudern und PS-Monstern: die Geländewagen. Nun zeigt eine Analyse erstmals, wie verbreitet SUV in der Schweiz sind.

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SUV boomen: Rund 42 Prozent oder vier von zehn neuen Autos waren 2019 hierzulande SUV. Das zeigt eine Auswertung von 20 Minuten. Der SUV-Anteil von 42 Prozent entspricht rund 66000 neuen Fahrzeugen mit grösseren Rädern, bulliger Bauweise und mehr PS. Den steigenden SUV-Anteil als Problem sieht der Verkehrsclub der Schweiz (VCS): «In der Regel sind SUV grösser und schwerer als andere Fahrzeugkategorien, weshalb sie tendenziell einen höheren Treibstoffverbrauch haben», sagt ein Sprecher. Die SUV generell als Dreckschleudern zu pauschalisieren, findet der Autogewerbeverband (AGVS) nicht richtig. «Auch in dieser Fahrzeugkategorie finden sich Modelle mit vernünftigen Schadstoffwerten», sagt ein Sprecher. Der Grossteil der SUV sind nicht viel breiter als normale Fahrzeuge: Ein VW Golf ist heute 1,799 Meter breit, ... ... ein VW Tiguan misst mit 1,839 Metern nicht viel mehr. Mit 42 Prozent ist der SUV-Anteil in der Schweiz viel höher als in Deutschland, wo die Quote laut Definition der Universität Duisburg-Essen bei rund 31 Prozent liegt. 20 Minuten hat für seine Auswertung für die Schweiz dieselbe SUV-Definition angewendet. Zwar sind die SUV-Riesen die Ausnahme, doch das Angebot wächst. Im Jahr 2010 gab es in Europa sieben Modelle mit einer Breite von mehr als 1,99 Metern, zehn Jahre später sind es schon mehr als doppelt so viele. Für die grossen SUV sind viele Schweizer Parkplätze unkomfortabel. Schweizer Mindestvorschriften für die Parkplatzbreite gibt es aber nicht, es gibt aber eine unverbindliche Norm. In einem öffentlichen Parkhaus sollte ein Parkfeld mindestens 2,5 Meter breit sein. Damals waren die Autos noch schmaler: Der VW Golf GTI aus dem Jahr 1976 hatte erst eine Breite von rund 1,6 Metern. Heute misst der Golf rund 20 Zentimeter mehr.

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Man braucht ihn für die Fahrt zum Ferienhaus in den Bergen oder wegen der besseren Übersicht im Verkehr: SUV boomen wie keine zweite Autokategorie. 157'136 Neuwagen wurden in der Schweiz im ersten Halbjahr 2019 laut Auto-Schweiz zugelassen. Wie viele davon SUV (Sport Utility Vehicle) sind, kann der Branchenverband offiziell nicht sagen. Der Grund: Es gebe keine einheitliche Definition für ein SUV-Fahrzeug.

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20 Minuten hat die Schweizer Neuwagenstatistik unter die Lupe genommen. Das Resultat: Rund 42 Prozent oder vier von zehn neuen Autos waren 2019 hierzulande SUV. Das bedeutet über 66'000 neue Fahrzeuge mit grösseren Rädern, bulliger Bauweise, mehr PS. Damit ist der SUV-Anteil in der Schweiz viel höher als in Deutschland, wo die Quote laut Definition der Universität Duisburg-Essen bei rund 31 Prozent liegt. 20 Minuten hat für seine Auswertung für die Schweiz dieselbe SUV-Definition wie die deutsche Universität angewendet, die auf über 120 Modelle zutrifft.

«SUV sind nicht generell Dreckschleudern»

Den steigenden SUV-Anteil als Problem sieht der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS): «In der Regel sind SUV grösser und schwerer als andere Fahrzeugkategorien, weshalb sie tendenziell einen höheren Treibstoffverbrauch haben», sagt Sprecher Oliver Kempa. Leider trage der Boom dazu bei, dass der CO2-Ausstoss der in der Schweiz verkauften Neuwagen wieder steige. Um Gegensteuer zu geben, fordert der VCS eine CO2-Abgabe auf Treibstoffe: Damit würden vermehrt energieeffiziente und leichtere Autos verkauft.

Die SUV generell als Dreckschleudern zu pauschalisieren, findet hingegen der Autogewerbeverband (AGVS) nicht richtig. «Auch in dieser Fahrzeugkategorie finden sich Modelle mit vernünftigen Schadstoffwerten», sagt Geschäftsleitungsmitglied Markus Aegerter. Und die Amag verweist auf das Klischee des «grossen SUV»: Ein VW Golf ist heute 1,799 Meter breit, ein VW Tiguan misst mit 1,839 Metern nicht viel mehr. «Alle Volumenfahrzeuge, egal ob SUV oder herkömmlich, sind etwa gleich breit», heisst es beim grössten Schweizer SUV-Verkäufer Amag. Allein vom VW-Modell Tiguan wurden im laufenden Jahr 3650 Stück verkauft, vom grössten VW-Geländewagen, dem Touareg, 368.

Monster-SUV als Risiko

Zwar sind die SUV-Riesen die Ausnahme, doch das Angebot wächst. Im Jahr 2010 gab es in Europa sieben Modelle mit einer Breite von mehr als 1,99 Metern, zehn Jahre später sind es schon mehr als doppelt so viele. Für die Autobauer seien Fahrzeuge wie ein BMW X7, ein Audi Q8 oder ein Mercedes GLS mit einem Risiko verbunden. «In Zeiten der Klimadebatte sollte man in Europa nicht mit Provokationen als Umweltfrevler auf sich aufmerksam machen. Das schadet dem Image», sagt Automobilprofessor Ferdinand Dudenhöffer. Übergrosse SUV könnten mehr Marktwert zerstören, als in Europa auf der Einnahmeseite in die Klasse fliesst.

Grund für den hohen Schweizer Anteil ist die Kaufkraft: «Die Schweizer geben gern mehr für ein Auto aus. Zudem sind SUV hochwertiger und dank des breiten Angebots sehr angesagt», sagt Dudenhöffer. AGVS-Mann Aegerter ergänzt: «Viele Schweizer Autokäufer haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis und schätzen die höhere Sitzposition im SUV.»

Bald 45 Prozent SUV?

Darum sehen Experten auch kein Abflachen des SUV-Trends. «Der SUV-Anteil wird weiter steigen, die Schweizer werden amerikanischer», erklärt Dudenhöffer. Dort machen SUV, grosse Vans und Pick-ups fast 60 Prozent der Neuwagen aus. «Ein SUV-Anteil in der Schweiz von 45 Prozent bis 2025 wäre keine Überraschung.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bündner am 20.08.2019 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unersetzlich...

    ...für die stadtzürcher. wie sollen die denn bloss den hirzel hochkommen?

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  • Simon am 20.08.2019 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kompakt-SUV

    Heute werden vor allem Kompakt-SUVs verkauft. Die zählen zwar zu den SUVs, haben aber mit dem ursprünglichen SUV nicht mehr viel zu tun. Oftmals kein Allrad, dadurch auch nicht wirklich geländegängig und wie der Name schon sagt relativ kompakt. Um die 150 PS ist nicht unüblich in der Klasse und somit weit entfernt von "PS-Monstern". Und mit Euro-Norm 6d-temp oder 6d sind es auch keine Drecksschleudern mehr.

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  • Fred am 20.08.2019 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SUV ist nicht gleich SUV

    Jeder Hersteller musste auf den SUV Zug aufspringen. Was heute alles als SUV gilt war mal früher einfach ein Kombi oder grosses Auto...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • feinstaubbomber am 21.08.2019 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    chörnlipicker

    was sagte mein opa immer? lieber ein ort im grünen, als einen grünen im ort:)

  • SwissSail am 21.08.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    minimales technisches Grundwissen

    SUV ist nicht gleich SUV. Mein Auto ist ein echter kleiner SUV: 1,5 l Motor, Verbrauch 5,8 Liter, mit zuschaltbaren Vierrad- und DSperrdifferential. Zu meiner "Alphütte" hoch hat es 20% Steigung, oft Schnee - und Schneeverwehungen im Winter. Ob da ein Tesla hochkommt? Unsinnige PS-Zahlen gibt es bei allen Fahrzeugtypen, hat mit SUV nichts zu tun!

    • gärtchen am 21.08.2019 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @SwissSail

      und wie sieht die Realität aus, je näher an der Stadt, desto grösser die SUVs.

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  • Vorname/Name am 21.08.2019 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ahaa jetzt verstehe ich

    Ihr SUV protzer würdet gerne beneidet werden, jetzt verstehe ich. Nun, wir nicht SUV Fahrer beineiden euch sicherlich nicht für ein Massenteil das man überall bekommt. Dank eurem extrem leasing und 4 Jahren zurückgeben sind diese sogar noch günstiger geworden. Nein, Neid bekommt ihr nicht, aber Mitleid soviel ihr wollt. Denn so ehrlich sind wir dann schon.

  • Deine Oma am 21.08.2019 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Singles im SUV

    Weil jeder Single glaubt, dass er sicher ist, wenn er mit einem Panzer zur Arbeit fährt. Danke für den Stau und den Platzengpass.

  • Thomas am 21.08.2019 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Vernünftige Entscheidung

    Eigentlich wollte ich mir den neuen Suzuki Jimny mit 1.5l & 100PS gönnen, doch dann überkam mich die Öko-Vernunft und ich dachte: "SUV-NEIN" und kaufte dann doch lieber eine zeitgemässere Limousine, den Mercedes-AMG S 65 mit souveräner V12-Performance (6.0l & 630PS). Leute die keine Ahnung von Autos und Technik haben sollen aufhören darüber zu schreiben/sprechen.

    • ChriguBE am 21.08.2019 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas

      Ah, und das wissen Sie so einfach von jedem hier? Achnee, ich vergass: Sie sind ja der Einzige, der sich auskennt. Dann darf ich ja auch sagen: Leute, die nur blöffen, brauchen hier nicht zu schreiben...

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