Superschnelle Modefirmen

25. Oktober 2019 12:25; Akt: 25.10.2019 14:03 Print

Das ist der Trick hinter Ultrafast-Fashion

von B. Scherer - Modefirmen wie Asos und Boohoo bieten neue Trends innerhalb von zwei Wochen an. Wie geht das und wieso ist Fast-Fashion trotz Klimastreik so beliebt?

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Firmen wie Asos, Boohoo, Missguided und Na-kd zählen zu den Ultrafast-Fashion-Firmen. Sie bringen ein neues Design innerhalb von zwei Wochen auf den Markt. Moderiesen wie Zara und H&M sehen dagegen alt aus: Sie brauchen für neue Designs rund fünf Wochen. Der Trick von Super-Fast-Fashion wie Asos ist: Sie verkaufen ihre Produkte vorwiegend online. In den sozialen Medien werden teilweise sogar Kleider angeboten, die gar noch nicht produziert sind. Je nachdem wie vielen Social-Media-Nutzern ein Kleidungsstück gefällt, können die Händler sofort abschätzen, wie viele Teile produziert werden müssen und geben diese umgehend in Auftrag. Möglich mache dies die Digitalisierung und kontinuierliche Datenanalyse, wie Trendforscherin Mirjam Hauser vom Marktforschungsinstitut GIM Suisse sagt. Laut Hauser können Bedürfnisse auf Social-Media-Plattformen wie Instagram in Echtzeit erkannt werden, Aufträge sofort übermittelt werden und die Produktionsstätten stellen die Ware rasch her. Weil die Produkte schnell beim Kunden sein müssen, setzen manche Firmen auf kurze Lieferwege: So produziert das britische Unternehmen Boohoo seine Waren in England. Obwohl die Lohnkosten dadurch höher sind, ist die Ware nur wenige Franken teurer als diejenigen beispielsweise von H&M. Weil die Kleider auf Nachfrage hergestellt werden gibt es kaum Restposten. Sale-Angebote gibt es bei den Ultrafast-Fashion-Firmen deshalb so gut wie nie. Die Fast-Fashion lebt von schnellen Trends. Gut für die Umwelt ist das aber nicht. Denn stetig neue Modetrends verleiten dazu, immer neue Kleidung zu kaufen. Alte Teile landen dann oft im Abfall.

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Basketballschuhe im Retrolook oder flauschige Winterjacke – auf Instagram sammeln die Produkte jede Menge Likes. Für die Fans bedeutet das: Schon in zwei Wochen kann das Teil online bestellt werden. So schnell können Ultrafast-Fashion-Firmen neue Trends nachproduzieren.

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Zur superschnellen Modeindustrie zählen Firmen wie Asos, Boohoo, Missguided oder Na-kd. Mit ihrer High-Speed-Produktion lassen die jungen Fashionfirmen Moderiesen wie H&M und Zara alt aussehen: Diese benötigen etwa drei Wochen länger, um ein neues Design auf den Markt zu bringen, wie der «Spiegel Online» aus dem Coresight Report zitiert. Traditionelle Retailer brauchen sogar bis zu sechs Monate dafür.

Trends früh erkennen und sofort herstellen

Der Trick der Super-Fast-Fashion: Sie verkaufen ihre Produkte vorwiegend online. Auf Social Media werden sogar Kleider angeboten, die gar noch nicht produziert sind. «Dadurch finden die Firmen schnell heraus, was in der Zielgruppe ankommt, und können sofort reagieren», erklärt Konsumforscherin Marta Kwiatkowski vom Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) gegenüber 20 Minuten.

Je nachdem wie vielen Social-Media-Nutzern ein Kleidungsstück gefällt, können die Händler sofort abschätzen, wie viele Teile produziert werden müssen und geben diese umgehend in Auftrag. Möglich mache dies die Digitalisierung und kontinuierliche Datenanalyse, wie Trendforscherin Mirjam Hauser vom Marktforschungsinstitut GIM Suisse sagt: «Bedürfnisse können in Echtzeit erkannt werden, Aufträge werden sofort übermittelt und die Produktionsstätten stellen die Ware rasch her.»

Fast-Fashion ist schlecht für das Klima

Die Ultrafast-Fashion lebt von schnellen Trends. Gut für die Umwelt ist das nicht. Denn stetig neue Modetrends verleiten dazu, immer neue Kleidung zu kaufen. Alte Teile landen dann oft im Abfall. Wie geht das in Zeiten von Klimastreiks? «Das liegt daran, dass wir Menschen viele unterschiedliche Werthaltungen haben. Die stehen jedoch nicht immer im Einklang miteinander», sagt Hauser.

Mode sei gerade bei jungen Menschen eine Möglichkeit, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen: «Man kauft das, was anderen auch gefällt», so Hauser. Da können kurzfristige Konsumentscheidungen und langfristige Klimaschutz-Engagements schon einmal in Widerspruch geraten.

Allgemein sei die Modeindustrie nicht nachhaltig, wie Marta Kwiatkowski vom GDI anmerkt: In Sachen Kleidung herrsche eine Überversorgung. «Wir alle besitzen zu viele Kleider. Das einzig wirklich nachhaltige wäre, nur neue Teile kaufen, um alte, kaputte zu ersetzen.» Doch Verzicht falle vielen Menschen schwer, denn das brauche Disziplin und Energie.

Schneller dank kurzen Lieferwegen

Alle Schuld den Konsumenten zu geben, sei auch falsch. «Es braucht auch ein Umdenken in der Industrie», sagt Kwiatkowski. So kann auch die Ultrafast-Fashion nicht ganz verdammt werden. Weil die Produkte schnell beim Kunden sein müssen, setzten manche Firmen auf kurze Lieferwege: So produziert das britische Unternehmen Boohoo seine Waren in England. Auch Asos stellt einen Grossteil der Kleider in Grossbritannien her.

Obwohl die Lohnkosten dadurch höher sind, ist die Ware nur wenige Franken teurer als diejenige beispielsweise von H&M. «Die Kleider werden auf Nachfrage hergestellt, somit bleiben nur wenige Teile unverkauft», sagt Kwiatkowski. Restposten gebe es dann kaum. «Sale-Angebote gibt es bei diesen Firmen deshalb so gut wie nie.» Damit können die Onlinehändler Geld sparen und die Ware weiterhin günstig anbieten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 25.10.2019 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hand auf's Herz, niemand will verzichten!

    Der Mensch liebt den Konsum, manche mehr andere weniger. Das Klima beschäftigt viele aber wer ist wirklich bereit zu auf Konsum verzichten oder deutlich mehr zu bezahlen? Die wenigsten, werden wir nun öfters sehen wenn dann einiges mit Referendum vors Volk kommt. Klimastreik ist oft auch der Neid gegenüber anderen. Ich bin fürs Klima aber nicht bereit auf Strom, Fliegen, Auto, ferien etc zu verzichten wie die meisten eben auch;)

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  • Glorian am 25.10.2019 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Fashion und Klima

    Klimajugend ist eine Erfindung der Politik, um die kleinen Leute zu besteuern. Die Jugend will gar nicht das Klima schützen, sondern Spass haben, modisch sein, Party und Karriere machen. Es ist nur eine Minderheit die demonstriert, weil es denen stinkt, am Freitag zur Schule zu gehen.

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  • De.Dorftrottel. am 25.10.2019 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Heitere-Fahne.

    Brauch ich nicht. Kaufe nur im Vilan oder ABM, ein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R. Print am 26.10.2019 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schnell und flexibel

    Fast Fashion ist, wie der Artikel sagt, auf die Digitalisierung zurück zu führen. Das bedeutet, dass die Stoffe mit Tintenstrahldrucker bis über 5 Meter Breite mit bis zu 120 Druckköpfen in beliebiger Menge im Single Pass Verfahren bedruckt werden können, und somit der Standort egal ist, weil kaum Lohnkosten anfallen. Teure Druckvorlagen und Logistik entfallen weitgehend und man ist schnell und flexibel.

  • Erklärbär am 26.10.2019 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nur?

    Weil Ökofaschismus der Schwachsinn einer kleinen, aber radikalen Minderheit ist.

  • Josef am 26.10.2019 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Mode?

    So wirklich neu ist nichts. Die Trends wiederholen sich alle paar Jahre wieder. Wer heute alte Kleider trägt ist nicht out, sondern der Mode einfach ein paar Jahre voraus.

  • Fisch am 26.10.2019 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Kleiderfirma CH

    egal wo ich meine Kleidung kaufe, egal von welcher Marke, alles kommt aus Asien und ist schlecht fürs Klima. Ich frage mich, wieviel ein Kleidungsstück kosten würde, wenn es rein theoretisch, aus einheimischen Rohstoffen hier hergestellt werden würde. Hatten wir nicht früher auch Textil-Fabriken?

  • Caroline am 26.10.2019 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Geld?

    Alle sind der Meinung, dass man auf Qualität statt Quantität achten müsste. Das verstehe ich, aber es wird ignoriert, dass es Menschen wie mich gibt, die sich zwar nicht viele Kleider kaufen, aber dennoch keine teuren Kleider leisten können. Wenn ich 40 Franken für einen Pulli ausgeben muss, dann kann ich mir dafür den restlichen Monat nichts mehr leisten. Das Meiste gebe ich für Essen (regional und Bio) und normale Rechnugen aus. Ich gehe wenn überhaupt 1 mal in den Ferien weg und sehr selten ins Kino. (Bin meistens zu Hause.) Es ist also nötig, dass es solche Angebote gibt, weil ich sonst die ganze Woche in den gleichen Kleidern zur Arbeit gehen müsste. (Was interessanterweise sehr negativ im Geschäft gewertet wird. Hier wäre ein Umdenken auch nötig)

    • MMeier am 26.10.2019 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      Sie sorry

      Wenn die Firma so sehr darauf achtet, warum werden Sie denn so schlecht bezahlt, dass Sie sich keine Kleider leisten können? Warum ändern Sie selbst nichts an Ihrer Situation?

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