Kauflaune

14. Juli 2014 20:00; Akt: 14.07.2014 20:00 Print

WM-Titel bringt deutscher Wirtschaft Schub

von Valeska Blank - Deutschland ist nach dem WM-Sieg im Freudentaumel. Das Stimmungshoch in der Bevölkerung wird auch auf die Wirtschaft überschwappen.

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Für unseren nördlichen Nachbarn läuft es derzeit bestens. Der Wirtschaftsmotor brummt, die Arbeitslosenquote sinkt, die Neuverschuldung schrumpft, und die Konsumenten sind in Kauflaune.

Jetzt hat Deutschland auch noch den Fussball-Weltmeistertitel im Sack. Das ist ein Faktor, der in der Wirtschaft zusätzlich für Schwung sorgen könnte. «Gute Stimmung in der Bevölkerung ist auch gut für die Wirtschaft», sagt Jörn Spillmann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Das gestiegene nationale Selbstvertrauen nach einem sportlichen Erfolg sei ein guter Frühindikator für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung. «Erfahrungsgemäss deutet eine gut gelaunte Bevölkerung darauf hin, dass auch die Konjunkturdaten nach oben weisen.» Sichtbar würde dies aber erst in zwei bis drei Monaten.

Mehr Investitionen

Dieser Stimmungs-Effekt kann dazu führen, dass die Inlandnachfrage steigt – sprich, dass die Konsumenten mehr Geld ausgeben. Davon profitiert beispielsweise der Detailhandel und seine Zulieferbetriebe.

Auch auf die deutschen Unternehmen könnte sich die Freude über den WM-Pokal positiv auswirken, sagt ZKB-Analyst Spillmann: «Es ist gut möglich, dass sie nach dem Sieg und der daraus resultierenden Zuversicht in der Gesamtwirtschaft mehr investieren.»

Harte Fakten zählen

In harten Zahlen wie etwa einem zusätzlichen Wachstum des deutschen Bruttoinlandprodukts wird sich der WM-Sieg dennoch nur bedingt niederschlagen. «Obwohl der Sieg sicher positive Effekte auf die Wirtschaft haben kann, sind sie einfach zu klein, um beispielsweise einen nachhaltigen Konsum- oder Wachstumsschub auszulösen», sagt Martin Eichler, Chefökonom beim Forschungsinstitut BAK Basel. Letztlich würden neben der Stimmung in der Bevölkerung vor allem die harten Fakten wie die Absatzaussichten der Unternehmen, die Trends auf dem Finanzmarkt oder die Entwicklung in den Ländern der Eurozone zählen.

Auch für ZKB-Analyst Spillmann werden die ökonomischen Auswirkungen des WM-Siegs längerfristig nur «marginal» sein. Darum sei allzu grosse Euphorie fehl am Platz: «Einen Konsumrausch oder einen Boom wie nach dem ‹Wunder von Bern› im Jahr 1954 wird es diesmal sicher nicht geben.» Der Gewinn des Weltmeistertitels der deutschen National-Elf hat damals den emotionalen Beginn des deutschen Wirtschaftswunders markiert.

Niveau bereits hoch

Dass der «Weltmeister-Faktor», wie es der «Spiegel» nennt, also langfristig nur für einen kleinen Schub in der deutschen Wirtschaft sorgt, liegt auch am bereits hohen Konjunkturniveau. In einem krisengeplagten Staat wäre der Effekt grösser. «In Ländern wie Griechenland oder Portugal hätte der WM-Pokal sicher für mehr Impulse in der heimischen Wirtschaft sorgen können», so Analyst Spillmann.


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zett am 14.07.2014 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Hört doch endlich auf!

    Was bezweckt 20min mit diesem Artikel? Noch mehr Wortgefechte und Antipathiebekundungen? Es reicht eigentlich. Es dürfte der letzte Hinterwäldler begriffen haben, dass es Schweizer gibt, die Deutsche nicht mögen. Muss das Duell täglich neu eröffnet werden? Seid doch einfach nett miteinander. Macht viiiel bessere Laune.

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  • Ivan R. am 15.07.2014 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Spekulation

    Man Spekuliert wo man nur kann. Vielleicht kurbelt das die Börse an.. :-)

  • Berner Bär am 15.07.2014 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Kurzfristig, mehr nicht!

    Dieser Effekt ist sehr kurz. Das "deutsche Sommermärchen" 2006 hatte auch nicht den errechneten Effekt. Ist ein Anlass vorbei, hat der Mensch noch ein paar schöne Erinnerungen, dann wird er schon wieder von neuen Nachrichten eingedeckt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 15.07.2014 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn das wirklich funktioniert

    Wieso hat sich Griechenland dann nach dem EM-Titel 2004 so verschuldet. Ich glaube eher, dass dies einen kurzfristigen Wirtschaftsschub gibt, der allerdings auf Schulden aufbaut. Mein Vergleich mit den letzten Titelgewinnern an einer EM und WM führt eher zu einer Antithese. ;)

  • Ivan R. am 15.07.2014 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Spekulation

    Man Spekuliert wo man nur kann. Vielleicht kurbelt das die Börse an.. :-)

  • Berner Bär am 15.07.2014 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Kurzfristig, mehr nicht!

    Dieser Effekt ist sehr kurz. Das "deutsche Sommermärchen" 2006 hatte auch nicht den errechneten Effekt. Ist ein Anlass vorbei, hat der Mensch noch ein paar schöne Erinnerungen, dann wird er schon wieder von neuen Nachrichten eingedeckt.

  • Christian am 15.07.2014 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    Warum muss ich jetzt lachen?

    Ich dachte, Deutschland hätte Staatschulden von über 7 Billionen Euro? Und dann lese ich etwas von Neuverschuldung schrumpft dank der WM? Ich wüsste nicht, dass jemals ein Fussballpokal etwas zur langfristigen Wirtschaftsentwicklung beigetragen hätte! Aber wenns denn dem Motörchen einen Schub gibt, warum nicht....

  • max am 14.07.2014 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herbeigeredet

    Was wird denn da jetzt herbeigeredet?