Schwacher Juni

09. Juli 2014 13:13; Akt: 09.07.2014 13:31 Print

WM bringt Onlinehandel schlechte Zahlen

von S. Spaeth - Der Fussball als Umsatz-Killer? Lieber die deutsche Elf gegen die Seleção am Fernseher als Schnäppchenjagd im Internet? Die Onlinehändler fürchten Umsatzeinbussen wegen der WM.

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Während die Fussball-WM den Herstellern von Bier, Chips und TV-Geräten gewöhnlich gute Umsätze beschert, befürchten viele Internet-Händler schleppende Geschäfte. Laut einer Erhebung des E-Commerce-Centers Köln bei 530 Online-Händlern rechnen 28 Prozent aufgrund der WM mit sinkenden Umsätzen. Anders gesagt: Läuft im TV Fussball, wird nicht mehr online geshoppt. Rund 66 Prozent der Pessimisten glauben, dass sich die Rückgänge quer durch ihr gesamtes Sortiment ziehen werden. Bessere Geschäfte erwarten lediglich die Anbieter von Fanartikeln.

«Die hohen Einschaltquoten zeigen, dass die Leute sehr viel Fussball geschaut haben. Es ist sehr wohl denkbar, dass sich das negativ auf Spontan- und Impulskäufe auswirkt», sagt E-Commerce-Experte Malte Polzin von der Beratungsfirma Carpathia zu 20 Minuten. Wichtig sei darum beispielsweise, dass die Online-Händler den Versandzeitpunkt ihrer Sonderangebote genau prüften, damit sie nicht mit einem wichtigen Spieltag zusammenfielen. Die geplanten Käufe werden laut Polzin aber trotz WM durchgeführt.

Einbussen bei Filmen und Musik

Eine Umfrage von 20 Minuten bei verschiedenen Schweizer Akteuren zeigt: Die Befürchtungen sind berechtigt. Bei CeDe, einem grossen Schweizer Anbieter von digitalen Medien, heisst es, man verzeichne während der WM einen Umsatzrückgang von 10 Prozent. Am empfindlichsten seien die Einbussen bei Filmen und Musik, während Bücher und Games sich konstant entwickelten.

Von einem leichten Knick Mitte Juni spricht auch der Elektronikhändler Brack.ch. Ob dieser allerdings auf die WM oder auf den Fronleichnam – der Feiertag hat in Teilen der Schweiz zu verlängerten Wochenenden geführt – zurückzuführen ist, kann Sprecher Daniel Rei nicht sagen. Kurz vor der WM hätten sich die Kunden jedenfalls mit grossen Fernsehern eingedeckt.

Keinen Rückgang der Bestellungen vermelden coop@home und LeShop.ch. Der Onlinehändler der Migros verzeichnet sogar einen besseren Juni als im Jahr zuvor. «Aufs Online-Lebensmittelgeschäft wirkt sich die WM positiv aus», sagt COO Sacha Herrmann zu 20 Minuten. Überproportional entwickelt hätten sich die Umsätze in den Kategorien Snacks, Fleisch und Bier. Bei Letzterem liegt das Wachstum im zweistelligen Bereich.

Über 200 WM-Artikel

Nicht in die Karten schauen lassen will man sich beim Giganten Zalando, der in der Schweiz einen geschätzten Umsatz von über 250 Millionen Franken erzielt. Klar ist: Bei Zalando steht alles im Zeichen des Fussballs. Unter dem Slogan «Wir sind Fans» finden sich über 220 Artikel, darunter Trikots und Trainerjacken, aber auch Fussballschuhe und Uhren.

Wie Zalando hat ein Grossteil der Online-Händler die Fussball-WM mit Spezialsortimenten und Promotionen für sich zu nutzen versucht. E-Commerce-Experte Polzin ist wegen des WM-Hypes skeptisch: «Für einen Teil der Konsumenten ist es zu viel WM. Sie können all die Fussball-Angebote nicht mehr sehen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maria Frey am 09.07.2014 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Geschäft ohne Einnahmen

    das ist nicht nur die WM- es sind auch noch die kommenden Sommerferien und andere Vorkommnisse welche eine Rolle spielen. Viele Verkäufer und Geschäfte leben von Einnahmen das ist vielen nicht bewusst. Wenn es so weitergeht müssen viele Konkurs anmelden- schon mal daran gedacht ????

  • Bruder Motzi am 10.07.2014 01:18 Report Diesen Beitrag melden

    Online-Handel ein no go

    Ich gehe meine Ware noch gerne selber einkaufen, da ich niemals eine Kreditkarten-Nr am PC oder dergl. eintippen werde. "Alte" Schule, ich weiss, ist mir aber völlig egal.

  • konsument am 09.07.2014 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    kein mitleid

    die machen auch so genug kohle durchs jahr.....

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael am 10.07.2014 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ferien

    wenn man in den Ferien ist bestellt man halt nicht so viel - simple as it

  • Bruder Motzi am 10.07.2014 01:18 Report Diesen Beitrag melden

    Online-Handel ein no go

    Ich gehe meine Ware noch gerne selber einkaufen, da ich niemals eine Kreditkarten-Nr am PC oder dergl. eintippen werde. "Alte" Schule, ich weiss, ist mir aber völlig egal.

  • Maria Frey am 09.07.2014 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Geschäft ohne Einnahmen

    das ist nicht nur die WM- es sind auch noch die kommenden Sommerferien und andere Vorkommnisse welche eine Rolle spielen. Viele Verkäufer und Geschäfte leben von Einnahmen das ist vielen nicht bewusst. Wenn es so weitergeht müssen viele Konkurs anmelden- schon mal daran gedacht ????

  • konsument am 09.07.2014 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    kein mitleid

    die machen auch so genug kohle durchs jahr.....

    • Christine Binder am 10.07.2014 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kein Grund zu jammern!

      Genau! Ich bin im Detailhandel tätig und wir haben seit 3 Jahren!! Umsatzrückgang ( danke an alle die ennet der Grenze,oder online bestellen).Die haben gar nichts zu jammern,denn spätestens nach der WM und Ferien werden die Leute wieder bestellen. Wir jedoch müssen für jeden Kunden kämpfen!!

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  • R.K. am 09.07.2014 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegen den Strom

    Wie es aussieht, schwimme ich mit meinem Bestellverhalten beim Onlineshop meines Vertrauens mal wieder völlig gegen den Strom. Auf Ende Juni/Anfang Juli sind eine Fülle toller Mediabooks veröffentlicht worden, die jedes Sammlerherz höher schlagen lassen. So hohe Ausgaben hatte ich das ganze bisherige Jahr nicht wie eben gerade in diesen Tagen. Es gibt auch kleine Onlineshops mit einem super Sortiment, welches die Mainstream-Anbieter nicht haben. Vielleicht weil die Nachfrage nach den wesentlich teureren Mediabooks zu gering ist. Für einen Sammler sind sie aber das Objekt der Begierde.