Piraterie

10. Februar 2011 19:00; Akt: 14.02.2011 09:55 Print

Waffen für die Schweizer Hochseeflotte?

von Markus Kick - Somalische Piraten kapern immer mehr Schiffe im Indischen Ozean. Die Reedereien denken über die Bewaffnung der Schiffe nach.

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Australische Spezialeinheiten stürmen am 4. Januar 2011 im Arabischen Meer ein Schiff, das von Piraten gekapert wurde.

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Die somalischen Piraten werden immer dreister. Eben kaperten sie wieder zwei Öltanker. Diesmal konnten die italienische «Savina Caylyn» mit 22 Matrosen und der unter griechischer Flagge fahrende 150-Millionen-Dollar-Tanker «Irene SL» mit 25 Seeleuten an Bord ihre Verfolger nicht mehr abschütteln.

Beunruhigend ist der Umstand, dass die Piraten längst nicht mehr nur vor der Küste vor Somalia tätig sind, sondern ihren Aktionsradius um mehrere Hundert Kilometer ausgedehnt haben. Die beiden Schiffe befanden sich auf einer Route im Indischen Ozean. Geändert hätten die Piraten auch ihre Taktik, erläuterte Peter Irminger, Senior Expert bei ZASS International in Hamburg im Schweizer Radio: «Es werden immer mehr gekaperte Frachtschiffe als Mutterschiffe eingesetzt», so der Seerechtsexperte. Momentan würden die Piraten rund 20 Schiffe als schwimmende Basen missbrauchen, von wo sie mit ihren wendigen Schnellbooten die Frachter angriffen.

Schifffahrtsfirmen verlieren die Geduld

Betroffene Reeder und Schiffsbesitzer verlieren allmählich die Geduld. Denn die Lösegeldforderungen werden immer höher. Es sind bereits Summen von bis zu zehn Millionen Euro bezahlt worden. Zudem sind immer mehr tote Matrosen zu beklagen. Entwicklungen, welche auch die rund 2700 Mitglieder der dänischen Schifffahrtsvereinigung Bimco beunruhigen. Sie erwägen, künftig kein Schiff mehr am Horn von Afrika vorbei und durch den Indischen Ozean fahren zu lassen.

Käme es so weit, wären erhebliche weltwirtschaftliche Probleme die Folge. «Die Frachtraten werden deutlich steigen», warnt Experte Irminger. «Sind gesicherte Öltransporte aus dem persischen Golf durch die Strasse von Hormuz nicht mehr möglich, würde sich das negativ auf den Ölpreis auswirken.»

Bewachung nützt zu wenig

Zur Abwehr der Piratenangriffe startete die Europäische Union die «Operation Atalanta». Seit Dezember 2008 kreuzt der multinationale Marineverband vor den Küsten und sichert Schiffskonvois ab. Die teure Bewachung ist aber nicht sehr erfolgreich, denn die Anzahl der Überfälle steigt weiter. Die Kosten allein für die Marineaktivitäten werden von Experten auf jährlich zwei Milliarden Dollar geschätzt.

Höchst unerfreulich sei diese Piratenbedrohung, sagt auch Michael Eichmann, Stabschef im Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL gegenüber von 20 Minuten Online. «Das Risiko für die Schiffe wird immer höher, entsprechend steigen die Kosten für Umwege, Versicherung und Ausrüstung.» Auch die Schweizer Hochseeflotte mit 37 Schiffen ist von der schwierigen Situation betroffen, sagt Eichmann, der für die Flottenentwicklung verantwortlich ist. «Direkt in einen Überfall verwickelt wurden unsere Schiffe aber glücklicherweise noch nie.»

«Wichtig ist, dass die Direktiven der Schifffahrtsorganisationen genau beachtet werden», meint auch Tim Schnoor von Enzian Ship Management in Schlieren ZH. Schiffe sollten nur geschlossen in Konvoiverbänden fahren, doppelte Beobachtungswachposten aufstellen und Abwehrmassnahmen wie Stacheldrahtverhaue, Feuerwehrschläuche und anderes aufrecht halten. Zum Abwehrrepertoire gehört auch, dass Türen zugeschweisst werden oder Schiffe im Angriffsfall einen Zickzackkurs fahren, damit Wellenschlag erzeugt wird.

Bewaffnung der Schiffe wird immer mehr zum Thema

Zu Schaden kämen vorab langsam fahrende Schiffe, welche sich nicht im Flottenverband halten könnten, beobachtet Michael Eichmann vom BWL. «Zudem zeigen Analysen, dass bei erfolgten Schiffskaperungen von den Mannschaften häufig die definierten Sicherheitsregeln nicht eingehalten wurden.» Damit würden Enterungen der Piraten erheblich einfacher möglich.

Warum setzen sich die Besatzungen der angegriffenen Schiffe nicht zur Wehr? «Über die allgemeine Bewaffnung der Schiffe wird wieder diskutiert», sagt Eichmann. Früher als nicht opportun befunden, werde die Selbstverteidigung heute eher akzeptiert. Rechtlich sei dies auf jeden Fall möglich. Waffen also bald auch auf Schweizer Schiffen? «Es gibt seitens einzelner Reeder gewisse Überlegungen, Schweizer Hochseeschiffe zu bewaffnen», sagt dazu Eichmann diplomatisch, jedoch ohne genauer auf die Details einzugehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • soso am 14.02.2011 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    synergien

    waffen auf schweizer schiffen - und das am tag nach der waffeninitiative. ich habe schon eine idee, wen man auf diese schiffe schicken könnte.

  • Roland Roccaro am 14.02.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinloesung ?

    Wie wärs auf jedem Schiff so eine anzubringen.... Nach der ersten begegnung würden die noch ganzen es sich doppelt überlegen... ob sie nicht lieber doch den Hungertod sterben anstelle der Piraterie nach zu gehen

  • Simon B. am 14.02.2011 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverteidigung

    natürlich sollten die matrosen bewaffnet werden, jeder ein persönliches gewehr, und auf jeder seite des schiffes eine oder mehrere stationäre browning m2 maschinengewehre (MG64). sehr effektiv gegen motorschlauchboote^^ günstiger als eine armee-flotte, und die piraten werden auf hoher see auch noch sauber und fachgerecht entsorgt. keine verschwenderische nebenkosten um die piraten zu verhaften, vor gericht zu bringen und sie entweder inhaftieren oder frei zu lassen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani L. am 27.07.2012 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Effektiver gehts nicht mehr...

    Die USA haben eine Mikrowellen-Kanone erfunden, die schon erfolgreich eingesetzt wurde. Sie verursacht bei einem "Treffer" Schmerzen, ohne zu verletzen. Die Schmerzen sind so stark, dass die Piraten nur an Flucht denken und über Bord springen. Ein elektronisch gesteuerter kurzer Treffer ist also sehr effektiv und führt zu keinen Verletzungen. (siehe doku auf youtube) Jedes Schiff sollte mit einer microwave gun ausgerüstet werden, die auch vom Panic Room gesteuert werden kann. Klar sind manche Schiffe alt und "Schrott" aber es geht ja um die Ladung und vor allem um das Leben der Matrosen, oder?

  • Dani L. am 27.07.2012 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Plaudern ist nicht verhältnismässig!

    Kommunikator? Was für ein Quatsch! Willst du mit den Piraten plaudern, oder dich verteidigen? Die wollen auch nicht bloss plaudern, sondern Kohle oder dich in die Luft pusten. Toll, was? Reden? Die RailGun in "Transformers" wäre verhältnismässig! Was bitte haben denn die Piraten davon, wenn sie reden? Sie müssen das Schiff ja kapern, sonst gibts nur Lebensgefahr ohne Kohle! Nein, ernsthaft jetzt: Solche Angriffe auf die Wirtschaft müssen mit aller Gewalt verhindert werden. Den Somaliern muss anders geholfen werden. Z.B. mit Häuserbau und Getreideanbau. Schulen ect...

  • Paulo am 17.02.2011 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Die Verhältnismässigkeit

    Mein Vorschlag: Pro Schiff ein Kommunikator mitbringen, der selbstverständlich die jeweiligen Landessprachen der Piraten spricht. Sobald das Schiff geentert wird, greift der Kommunikator ein. Er bespricht das Problem mit der Kapermannschaft und versucht einen Konsens herbeizuführen. Oder wir hören mit der Verhältnismässigkeit, ROE etc. auf, geben kurz ordentlich zurück und das Problem löst sich. (Sorry das ist hart aber fair)

    • Sämi am 27.07.2012 14:07 Report Diesen Beitrag melden

      Reaktion vor Aktion

      Bevor dein Kommunikator irgendwas bespricht, liegt er in einer Kiste und spielt ganz alleine "six feet under". Also hör auf, mit militärischen Begriffen wie "ROE" und "Verhältnismässigkeit" um dich zu werfen! Hart aber fair ist nur noch die "Reaktion vor Aktion"! Aber fair wäre auch, wenn wir, die wir Afrika jahrzehntelang ausgebeutet haben, helfen würden, die Länder wieder aufzubauen und für Arbeit und Sicherheit, Unabhängigkeit und Verbesserung der Hygiene sorgen würden. Irgendwann müssen wir zurückgeben, was wir gestohlen haben, sonst ist es niemals fair! Wir sind keine "Herrenmenschen"!

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  • D.L. am 16.02.2011 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Problem an den Wurzeln beseitigen!

    Mann sollte sich mal fragen warum die Piraterie dermassen zugenommen hat. Schnell würde sich zeigen, dass die "Piraten" dies nicht zum Spass machen sondern um das überleben ihrer Familie zu sichern. Ein grossteil dieser Leute sind Fischer welche aufgrund des industriellen Fischfangs schlichtweg um ihr essen gebracht werden....

    • meier heiri am 09.05.2011 10:18 Report Diesen Beitrag melden

      fischen

      warum kappern denn die praten nicht die fischerboote,dann hätten sie anständige boote zum selber fischen ,aber das ist mit arbeit verbunden und bringt viel weniger ein das ist doch die tatsache.

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  • stp am 15.02.2011 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Waffen an Bord nein Danke......bis jetzt.

    Wir Seemänner haben verschiedene Taktiken und Techniken entwickelt gegen Piraten vorzugehen und natürlich gibt es nun auch eine vielzahlt von Firmen die damit ihr Geld verdienen wollen. Bis vor kurzem war die Taktik des Reduits sehr effizient. Sobald die Piraten an Bord sind ziehen sich die Crew in einen Schutzraum zurück in dem es Kommunikationsmittel und Lebensmittel gibt, zuvor wird noch der Maschinen und Brücke tot geschalten. Dadurch haben die Schutzschiffe und Sturmtruppen der Atalanta Mission freie Bahn um das Schiff zu entern.