23'000 Fahrzeuge bis 2035

11. Februar 2019 18:51; Akt: 11.02.2019 18:51 Print

Grosse Pläne für fliegende Autos

von R. Knecht - In nur 15 Jahren dürften fliegende Autos in den Städten ein grosses Thema werden. Bereits jetzt kann man erste solche Gefährte kaufen.

Das erste fliegende Auto der Welt kostet zwischen 300'000 und 500'000 Euro. (Video: PAL-V/20M)
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Es ist Zeit, den Strassenverkehr in die Luft zu verlagern – zu diesem Ergebnis kommen die Analysten der Beratungsfirma Horváth & Partners in einer am Dienstag erschienenen Studie. Darin heisst es, dass bereits 2035 rund 23'000 Fahrzeuge gebaut werden müssen, um der Nachfrage für Kurzstreckenflüge in den grössten Städten der Welt nachkommen zu können. 2050 sind es 3 Millionen Flugzeuge, 2070 dann 7 Millionen.

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Aber warum überhaupt fliegende Autos? Und wann kommen solche Fahrzeuge auf den Markt? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was ist der Sinn von fliegenden Autos?

Die Fahrzeuge werden laut der Studie insbesondere dem Personen- und Gütertransport dienen. Besonders viel Potenzial sehen die Autoren in drohnenähnlichen Gefährten ohne Piloten – etwa Lufttaxis, die Passagiere über vordefinierte Strecken transportieren. Die meisten aktuellen Konzepte sind in erster Linie fürs Fliegen gedacht und haben teils nur kleine Rangierräder oder gar keine.

Wann kommen solche Gefährte auf den Markt?

«Aus rein technischer Sicht sehe ich grosse Chancen, dass wir schon bald erste Flugtaxis im kommerziellen Betrieb sehen könnten», sagt Thomas Sauter-Servaes, Experte für Verkehrssysteme an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), zu 20 Minuten. Bereits jetzt können Interessierte den PAL-V (siehe Video oben) bestellen. Dabei handelt es sich laut Hersteller um das erste fliegende Auto der Welt. Das Boden- und Luftfahrzeug soll ab 2020 geliefert werden. Um damit fahren und fliegen zu können, brauchen Besitzer einen Führer- und Pilotenschein.

Viele grosse Autohersteller wie Audi, Daimler und Porsche, mischen ebenfalls im Markt mit – die einen entwickeln ihre eigenen Fahrzeuge, die anderen investieren in Start-ups, die an Lufttaxis tüfteln.

Sind fliegende Autos teuer?

Zumindest bislang. Die Standardversion des PAL-V etwa kostet 340'000 Franken. Für die Pionier-Edition mit zusätzlichen Features und früher Lieferung zahlen Kunden noch einmal 230'000 Franken drauf. Zum Vergleich: Ein neuer Ferrari 488 Spider kostet um die 300'000 Franken.

Laut der Studie von Horváth & Partners ist das Geschäftsmodell der Zukunft aber nicht der Verkauf von solchen Fahrzeugen, sondern ein Beförderungs- beziehungsweise Transportservice. Martin Winder, Projektleiter Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Schweiz (VCS), vermutet, dass fliegende Autos wegen des Preises ein Nischenprodukt bleiben dürften. «Leute, die in Megacitys mit dem Helikopter unterwegs sind, würden dies vielleicht nutzen», so Winder.

Was steht den Lufttaxis im Weg?

Selbst wenn nur eine kleine Gruppe von Menschen fliegende Autos besässe, bräuchte es dafür Lande- und Startplätze – je nach Antriebsart von einer kleinen Landefläche bis zu einer regelrechten Startbahn. Ein weiteres Hindernis sind rechtliche Fragen: «Sobald man sich in einem dicht besiedelten Raum bewegt, braucht es Regulierung», so Winder. Man müsse festlegen, welche Sicherheitsstandards gelten, wo genau die Fahrzeuge fliegen dürfen, und wie viel Lärm sie machen dürfen.

Die grosse Frage sei auch, ob die Bevölkerung es akzeptieren werde, wenn es etwa über einem Wohngebiet plötzlich eine Flugtaxilinie gebe.

Wie sieht es in der Schweiz aus?

Als Massenverkehrsmittel sieht Sauter-Servaes von der ZHAW für Lufttaxis in der Schweiz keine Zukunft. Der Grund sei, dass das ÖV-System in der Schweiz sehr stark sei. Einen Markt für den Einsatz in Nischen gebe es aber, insbesondere wegen des hohen Wohlstands in der Schweiz.

Anfang Jahr wurde bekannt, dass die SBB in Gesprächen mit dem deutschen Flugtaxi-Unternehmen Lilium ist. Das Bahnunternehmen plant den Einsatz von Lufttaxis, in die die Passagiere an Bahnhöfen für einen Flug nach Hause umsteigen können. Seitens des Bundesamts für Zivilluftfahrt heisst es, die Behörde habe die organisatorischen Weichen für die Bearbeitung von solchen Innovationen bereits gestellt.


Die deutsche Firma Lilium tüftelt am Lufttaxi – und hat damit das Interesse der SBB geweckt. (Video: Youtube/World.Minds)

Ist Fliegen nicht schlecht für die Umwelt?

«Fliegen braucht immer mehr Energie als die Fortbewegung auf dem Boden», sagt Winder vom VCS. Es könne aber trotzdem sein, dass solche neuartigen Fortbewegungsmittel ökologisches Potenzial haben – etwa, weil sie keine fossilen Brennstoffe benötigen oder weil man in der Luft eine direkte Linie zurücklegen und so Wege verkürzen kann. Sofern fliegende Autos aber ein Nischenprodukt bleiben, sei deren ökologischer Einfluss sowieso eher klein.

Trotzdem könnte der Ökoaspekt die Akzeptanz von solchen Flugzeugen gefährden: «Wir sind gerade dabei, unsere Strassen und Städte durch den Einsatz von Elektromotoren und Tempolimits leiser zu machen. Gleichzeitig denken wir nun über den verstärkten Einsatz von Luftverkehrsmitteln in Städten nach. Das ergibt für mich keinen Sinn», sagt Sauter-Servaes.

Was, wenn es einen Absturz gibt?

Andreas Herrmann, Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen, gibt zu bedenken, dass ein Auto in der Luft völlig andere Bewegungseigenschaften habe als auf dem Boden: «Im Grunde reden wir über Helikopter.» Was Herrmann besonders skeptisch macht, ist, dass jeder Unfall tödlich wäre. Darum glaubt er nicht, dass bemannte fliegende Autos sich bald etablieren werden.

Wahrscheinlicher sei, dass es in den nächsten 15 Jahren Luftkorridore für Drohnen geben werde, die Fracht in die Innenstädte transportieren, wodurch es dort weniger Lastwagen geben werde. Die Post testet das bereits mit ihren Spitaldrohnen für Blutproben, die etwa über dem Zürichsee unterwegs sind.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schneidewind am 11.02.2019 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Puff in der Luft ?!

    Jeder grosse Versandhandel, die Post und weitere grosse Firmen wollen mit Drohnen in die Luft. Jetzt auch noch Lufttaxis. Ich bin gespannt wem das erste dieser Dinger auf die Birne fällt.

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  • Flifatüt am 11.02.2019 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dann mal gute Nacht!

    Es hat heute schon zuviel überforderte Automobilisten auf unseren Straßen, wie wird das Enden mit einer weiteren Dimension?

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  • trero am 11.02.2019 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunftsträchtig!

    OK ... kauft euch alle ein solches Vehikel, dann habe ich wieder Platz auf der Strasse.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • El Diablo am 12.02.2019 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beamen

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass bevor es flächendeckende Flugautos gibt das Beamen schon längst verbreitet ist.

  • V8er am 12.02.2019 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ähm...

    Ähm, ich frage mich, wie dann die Blitzer in der Luft platziert werden.........

  • TheKaniggel am 12.02.2019 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gespannt auf die Zukunft!

    Jetzt seit ihr alle dagegen und könnt es euch einfach noch nicht vorstellen! Das war das gleiche wie mit dem Natel! vor 30 Jahren hätte niemand an ein kleines Gerät gedacht wo man ins Internet gehen kann und alles nachschlagen was mann will!! Wartet nur! Und später kanns sichs niemand mer weg denken!

  • Blauer Politiker am 12.02.2019 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Da brauchts eine Himmelverkehrsinitiative

    Wenn schon die Zersiedelungsinitiative nichts gebracht hat.

  • Zario am 12.02.2019 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Den Rest der Welt kaputt machen

    Mit dem Verkehr von Flugautos und Drohnen. Da sind Tauben und Spatzen nicht mehr sicher.