Trotz Börsentaumel

26. August 2015 05:52; Akt: 26.08.2015 15:24 Print

Warum China für die Schweiz so wichtig ist

von C. Landolt - China ist mit der Schweiz wirtschaftlich stark verbunden. Die jüngsten Börsenturbulenzen dürften daran nur wenig ändern.

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China ist der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz. Weil die Produktionskosten tief und die Zollabgaben dank des Freihandelsabkommens gering sind, befindet sich die Schweiz in einer beneidenswerten Position - trotz Börsenturbulenzen und Frankenstärke. (Bild: Keystone/Rolex Dela Pena)

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In den ersten sechs Monaten von 2015 wurden Schweizer Waren im Wert von 7,2 Milliarden Schweizer Franken nach China und Hongkong exportiert. «Damit ist China der drittwichtigste Markt für die Schweiz, hinter Deutschland und den USA», wie Nicolas Musy, Managing Director des Swiss Center Shanghai (SCS), einer Nonprofit-Organisation, die Schweizer Firmen beim Markteintritt in Fernost unterstützt, sagt. 20 Minuten erklärt, warum China für die Schweiz so wichtig ist – und ob der jüngste Crash die bisherige China-Euphorie zu bremsen vermag.

Warum ist China für Schweizer Unternehmen so interessant?
Ein grosser Vorteil sind die sinkenden Kosten in China: Produkte können dort sehr günstig produziert werden. «Obwohl die Lohnkosten um fünf bis zehn Prozent pro Jahr steigen, ging der Erzeugerpreisindex seit Mitte 2011 kontinuierlich zurück», erklärt Nicolas Musy. Laut SCS stehen die Erzeugerpreise inzwischen auf dem Level von vor sieben Jahren. Und durch das im Freihandelsabkommen fixierte stufenweise Aufheben von Schweizer Zöllen und eine schwache Währung werden chinesische Produkte für Schweizer Unternehmen zusätzlich günstiger, auch ohne einen starken Franken. Deshalb wollen fast drei von vier Firmen 2015 ihre Investitionen auch in China erhöhen, wie eine Umfrage unter ausländischen und chinesischen Unternehmen des SCS zeigt.

Welche Firmen exportieren nach China?
Traditionsgemäss exportieren vor allem die Uhren-und Schmuckindustrie, die Maschinen-, Elektro und Metallindustrie sowie die Pharmafirmen ihre Produkte nach China. Swatch beispielsweise macht mehr als 3o Prozent seines Umsatzes in China. Der Luxusgüterkonzern Richemont erwirtschaftet 32 Prozent seines Umsatzes dort, Transalpina oder Schindler 20 Prozent. Und die chemisch-pharmazeutische Industrie exportiert gemäss Wirtschaftsverband Chemie Pharma Biotech Waren im Wert von drei Mrd. Franken ins Reich der Mitte. Aber auch für die Automobilbranche ist China interessant, ist es doch mit jährlich rund 20 Millionen produzierten Motorfahrzeugen der weltweit grösste Automobilmarkt. So hat der Schweizer Autozulieferer Autoneum 2014 seinen Nettoumsatz in Asien im ersten Halbjahr 2014 um 10,8 Prozent auf 66,6 Mio. Fr. steigern können. Insgesamt sind gemäss Exportförderer Switzerland Global Enterprise 600 Schweizer Unternehmen in China präsent.

Hat der Börsen-Crash auch etwas Gutes?
Ja, zum Beispiel wenn man Gold hält. Seit Jahren schwächelnd, hat der Goldpreis nun wieder zugelegt. «Die Abwertungswettläufe in den Schwellenländern werden eine erhöhte Nachfrage nach Gold als Absicherung auslösen», sagt Ole Hansen von der Saxo-Bank. Auch der abgewertete Ölpreis wirkt in den exportorientierten Nationen als Konjunkturprogramm und dürfte die Konsumenten freuen. Benzin und Heizöl könnten noch billiger werden.

Wie reagierten die Aktien der in China tätigen Schweizer Unternehmen?
Mit moderaten Verlusten. So sank die Aktie des Luxusgüterkonzerns Richemont um -5,17 Prozent, jene der Swatch-Group um -2,76 Prozent.

Bleibt der Aktienmarkt in China weiter nervös?
In Börsenkreisen gilt die Lage nach wie vor als instabil. Um die Konjunktur zu beleben und die Aktienmärkte zu stabilisieren, senkte die Notenbank aber am Dienstag die wichtigsten Leitzinsen. Die Anleger in Europa reagierten umgehend auf die Zinssenkung in China. Der SMI weitet seine Gewinne am Dienstag bis 12.45 Uhr auf rund 4 Prozent aus. Davor hatte der Leitindex der Schweizer Börse 3 Prozent zugelegt. Auch die anderen europäischen Börsenplätze reagieren mit weiteren Kursavancen. Der Dax stand bei Plus 4,8 Prozent, der Euro Stoxx 50 bei Plus 4,5 Prozent und auch der FTSE 100 und der CAC 40 legten mehr als 4 Prozent zu. Ökonomen sehen im jüngsten Crash «eine gesunde Korrektur», wie dies etwa die Bantleon Bank schreibt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brumm am 26.08.2015 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Psycho-Paranoia

    Seit es die Börse gibt ist der Mensch am durchdrehen, dabei haben nur die wenigstens etwas davon.

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  • Adrian Riesen am 26.08.2015 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist nicht geil!

    Ich mag die Produkte aus china auch nicht und versuche wo möglich diesem Müll aus dem Weg zu gehen und alternativ Produkte zu suchen! Wenn möglich berücksichtige ich Schweizer Firmen egal was es kostet...

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  • charly1464 am 26.08.2015 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chinesische..

    ..Produkte mit ein paar wenigen Ausnahmen sind nur für den einmal gebrauch bestimmt, danach sind sie in der Regel kaput und müssen entsorgt werden (Umweltverschmutzung)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vreni Hauser am 27.08.2015 01:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht wäre angebracht

    Mir passt das politische System in China nicht und die Haltung zu Tieren. Ich meide Produkte aus diesem Riesenreich. Man weiss nie, woran man ist, die Mentalität ist sehr anders.

    • Matthias am 27.08.2015 19:03 Report Diesen Beitrag melden

      Auf keinen Fall!

      Ich habe noch nie gemieden. Heute noch weniger, denn die Qualität der Produkte aus China ist im Vergleich zu anderen deutlich besser. Preis-Leistung sowieso! Ob günstig oder High-End, alles kommt aus China.

    • Susi am 28.08.2015 11:03 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist ein Rückschritt!

      Früher war der Westen noch stark genug, um andere für uns produzieren zu lassen. Jetzt sind wir bestrebt, diese Arbeiten wieder selber in die Hand zu nehmen?

    • Marco am 28.08.2015 18:00 Report Diesen Beitrag melden

      Ade, ade

      Europa und Armerika sind jetzt sogar stolz, im eigenen Land / Kontinent billig zu produzieren, wenn das kein Rückschritt ist! "WIR waren einmal stark gewesen" - diese Einseitigkeit und Unausgeglichenheit bzw. diese schöne und tolle Tage wird bei uns im Westen schon sehr bald ein für alle Male vorbei sein, vorallem wenn Indien & Co. auch noch aufgestiegen sind.

    • Steve M. am 28.08.2015 20:08 Report Diesen Beitrag melden

      Informieren wäre angebracht!!!

      Es gibt sehr wenig Spielraum, um China aus dem Weg zu gehen. China kann es mit oder ohne andere sein Ziel erreichen. Mit ist besser, ohne geht's ebenso gut. Es gibt immer der eine oder der andere dabei mitmachen zu wollen. Wer es meiden will, kann es tun. Wer mehr zahlen will und dabei auch noch im Vergleich weniger gute Qualität kriegt, ebenso. Eines ist dennoch klar, China ist definitive aufgestiegen und mit dem Aufstieg und Erfahrungen auch dessen Qualität. Wer es nicht wahrhaben will, ist selber schuld. Also selber wissen!!!

    • Adrian W. am 28.08.2015 20:29 Report Diesen Beitrag melden

      Na dann, bitte schön!

      Auch meine Feststellung! China Produkte kann heutzutage wirklich TOP HIGH-END sein, Preis-Leistung höchst interessant! Man muss nicht gleich das schlechteste auswählen und so wenig wie möglich zahlen wollen, dann jammern. Es gibt schon viele chinesischen TOP Marken. Viele davon bleiben bei uns, zu unseren Ungunsten, leider unbekannt. In Asien sind sie jedoch schon bereits ON THE TOP! Vergleichen lohnt sich. Wir zahlen schon für weniger gute Qualität etliches mehr. Wer sein Geld aber so ausgeben will, bitte schön!

    • Peter S. am 28.08.2015 20:36 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist echt peinlich!

      Leider sprechen einige heutzutage noch so über China wie vor 20 Jahren. Das ist echt peinlich!

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  • Matthias am 26.08.2015 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    UNBESTRITTEN !!!

    Es ist UNBETRITTEN, dass China schon bereits von Erfolg gekrönt ist. Und dass China nach Jahrzehnten langen Erfolge jetzt etwas langsamer fährt, ist mehr als natürlich. Die nächste Abfahrt liegt in naher Zukunft und das ist ebenso UNBESTRITTEN!

  • Henry am 26.08.2015 21:59 Report Diesen Beitrag melden

    Die Antwort:

    Warum China für die Schweiz so wichtig ist; Die Antwort: weil es Schweizer gibt, die den Hals nie voll kriegen.

  • Jack Hunter am 26.08.2015 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualipreis

    Mach das! Und wenns deren Wirtschaft nicht gut geht, heisst es wieder, sie würden aus wirtschaftlichen Gründen auswandern! Man muss nicht eine bestimmte Nation wirtschaftlich unterstützen, jedoch sollte man immer auf das Preis-/Leistungsverhältnis achten. Das heisst, gute Qualität zu einem guten Preis.

  • M.G. am 26.08.2015 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ist da alles super

    China kauft Rohstoffe in der III. Welt, Europa liefert Produktionsanlagen nach China. Damit produzieren sie in China Konsumgüter, z.B. Smartphones und Laptops. Die kaufen wir und wenn die hinüber sind kommen sie ins Recycling. Aber nicht hier sondern nach Westafrika wo die Geräte billig zerlegt, die Metalle ungeschützt herausgeholt und als Rohstoff wieder von China billig eingekauft werden. Alle haben etwas davon bloß die Afrikaner nicht, die bekommen bloß eine versaute Umwelt. Aber das ist ja weit weg....