Süchtigmacher

21. Dezember 2018 20:49; Akt: 21.12.2018 20:49 Print

Warum die Boom-Zigi Juul so viel wert ist

Juul ist nach drei Jahren bereits eines der teuersten Start-ups in den USA. Investoren haben etwas gefunden, das noch süchtiger macht als Social Media.

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Juul will Schweizer Rauchern eine Alternative zum Tabak bieten. Die Werbung soll auf erwachsene Raucher gerichtet sein: Die Models sind mindestens 28 Jahre alt, so Juul. Auf dem Päckchen gibt es Nikotinwarnungen. Der Doppelpunkt sei ein Übersetzungsfehler, der demnächst korrigiert werde, sagt Schweiz-Chef Jonathan Green zu 20 Minuten. Einfach wird der Markteintritt für Juul in der Schweiz wahrscheinlich nicht. Die E-Zigarette steht wegen ihrer erhöhten Suchtgefahr bei Jugendlichen in der Kritik. In den USA spricht die Gesundheitsbehörde FDA bereits von einer «Epidemie», wie das Magazin «Der Spiegel» berichtet. Um die Regelung von E-Zigaretten in der Schweiz sorgt sich auch der Gesetzgeber. Ein neues Tabakproduktegesetz ist in der Vernehmlassung. Mitte 2022 soll es in Kraft treten. Juul teilt mit, man wolle mit den Regulierungsbehörden kooperieren. Eine Studie zeigt, dass die Mehrheit der Jugendlichen, die Juul einmal ausprobiert hat, das Produkt anschliessend weiternutzt. Befragt wurden 437 kalifornische Highschool-Schüler. 68 gaben an, Juul schon einmal ausprobiert zu haben. Fast 60 Prozent von ihnen haben das Produkt in den 30 Tagen vor der Befragung weitergenutzt. Dagegen haben von 133 Schülern, die andere E-Zigaretten versucht hatten, nur 30 Prozent weitergedampft. Der Psychologe Thomas Eissenberg, Co-Autor eines Kommentars zur Studie, erklärt, dass die Resultate bedeuten könnten, dass «kapselbasierte E-Zigaretten bei dieser anfälligen Gruppe ein noch grösseres Risiko für eine Nikotinabhängigkeit darstellen als andere Nikotin- oder Tabakprodukte». 106 hatten bereits herkömmliche Zigaretten ausprobiert. Von ihnen hatten 28 Prozent in den letzten 30 Tagen geraucht. Für Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz, liegt das hohe Abhängigkeitspotenzial von Juul darin begründet, dass eine Kapsel in den USA so viel Nikotin enthält wie ein ganzes Päckchen Zigaretten. Zudem werde das Nikotin in Form von Nikotinsalzen beigefügt, die deutlich stärker und schneller wirken als die Nikotinextrakte in herkömmlichen E-Zigaretten. Der Beteuerung des Herstellers, wonach Juul für Erwachsene und bestehende Raucher gedacht sei, kann Meury nichts abgewinnen. «Der Hersteller kann behaupten, was er will. Fakt ist, dass Juul gerade unter den Jugendlichen in den USA die grösste Verbreitung hat.» Für ihn liegt das daran, dass die Aromen klar auf Jugendliche ausgerichtet sind und sich die E-Zigarette dank der Form eines USB-Sticks gut vor Lehrern und Eltern verstecken lässt.

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Der Marlboro-Hersteller Altria steigt bei Juul ein und bezahlt 12,8 Milliarden Dollar für eine Beteiligung von 35 Prozent. Der Tabakkonzern bewertet den neuen Partner mit umgerechnet rund 38 Milliarden Franken. Damit ist Juul eines der teuersten Start-ups der USA – nach lediglich drei Jahren auf dem Markt.

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Der E-Zigaretten-Hersteller legte bereits einen fulminanten Start hin: Schon im ersten Jahr knackte das Start-up die 10-Milliarden-Dollar-Grenze. Zum Vergleich: Facebook brauchte laut dem Digital-Newsportal Quartz mehr als drei Jahre, um 10 Milliarden Dollar zu beschaffen, und Twitter sogar mehr als fünf Jahre.

Produkt mischt den Markt auf

Weshalb schafft es ein Start-up für E-Zigaretten, so schnell so viel Geld zu beschaffen? Und weshalb steigt nun sogar einer der grössten Konkurrenten ins Boot ein? «Juul verändert mit seinen E-Zigaretten einen Markt, der seit Jahrzehnten stillsteht», sagt Michele Blasucci, CEO und Gründer von Startups.ch, zu 20 Minuten. Und es gebe etwas Entscheidendes, das Juul mit Tech-Start-ups wie Facebook und Twitter gemeinsam hat: Das Produkt steht im täglichen Gebrauch. «Die Investoren haben etwas gefunden, das noch süchtiger macht als Social Media», bringt es Blasucci auf den Punkt.

Denn auch E-Zigaretten enthalten Nikotin (in der Schweiz 20 Milligramm pro Milliliter) – auch wenn Juul stets betont, dass beim sogenannten Vaping viel weniger Schadstoffe entstehen als bei der Tabakverbrennung. Laut Michael Siegel von der Boston University ist das Suchtpotenzial von Juul-Zigaretten jedoch grösser als das der herkömmlichen E-Zigaretten, wie die «New York Times» schreibt.

Im Büro rauchen

Ob die E-Zigarette nun gesünder ist oder nicht: Rauchern bringt sie laut Blasucci so oder so gleich mehrere Vorteile: «Vermutlich fast der wichtigste Pluspunkt: Man stinkt nicht, nachdem man sie geraucht hat.» Er wisse sogar von Büros, in denen Juul-Zigaretten bereits erlaubt seien – die Raucher müssen also nicht mehr nach draussen gehen, um zu paffen. Schliesslich riecht der Rauch fein – die Geschmacksrichtungen reichen von Mango und Mint bis zu Crème brulée.

Die Hersteller der herkömmlichen Zigarette haben deshalb laut Blasucci eigentlich nur zwei Optionen: Entweder sie beteiligen sich am Erfolg der neuen Erfindung oder sie investieren selbst Millionen in die Forschung, um eine ähnliche Alternative auf den Markt zu bringen. «Philip Morris beispielsweise hat in Lausanne derzeit über 400 Wissenschaftler darauf angesetzt, ein Produkt zu erfinden, das noch gesünder als die bisherigen E-Zigaretten sein soll.»

Schrumpfender Mark

Eines ist schliesslich sicher: Die Zigaretten-Hersteller stehen vor einem schrumpfenden Markt: Die Anzahl Raucher nimmt seit Jahren ab. In den Vereinigten Staaten lag der Anteil der Raucher unter der erwachsenen Bevölkerung laut Angaben der Regierung letztes Jahr bei 14 Prozent. Im Jahr 1965 waren es noch 42 Prozent. In der Schweiz ist die aktuelle Raucherquote laut einer WHO-Studie noch deutlich höher: Jeder Vierte aller über 15-Jährigen raucht hierzulande. Damit liegt die Schweiz leicht über dem weltweiten Schnitt. Trotzdem ist Blasucci überzeugt: «Zigaretten-Hersteller brauchen neue Geschäftsideen, um künftig überleben zu können.»

(dv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf am 21.12.2018 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    noch gesünder

    "ein Produkt zu erfinden, das noch gesünder als die bisherigen E-Zigaretten sein soll.» Noch gesünder ... Ich glaub mich tritt ein Pferd

    einklappen einklappen
  • HolyWood12 am 22.12.2018 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Wieviel Geld hat Juul euch eigentlich bezahlt, dass fast jeden 2.-3. Tag ein Werbetext von euch dazu erscheint? Macht Ihr noch News fürs Volk, oder dem der am meisten bezahlt?

  • Moni am 22.12.2018 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Werbung

    Kann mich nicht erinnern wieviele Artikel es hier schon über diese E-Zigi gab. Nichts als Werbung. Schade lasst ihr euch als Zeitung dermassen missbrauchen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Krebs am 29.12.2018 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Pfui!

    Wenn dann die Hälfte der Leute süchtig ist, wird man dann rausfinden , dass das Produkt extrem schädlich ist. Die Leute die das erfunden haben sind einfach widerwärtig. Ich hoffe, sie werden eines Tages bezahlen für das Unheil das sie angerichtet haben.

  • Zum Würgen am 25.12.2018 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Super, dass Ihr Gratis-Werbung macht

    für ein Produkt, dass Minderjährige verführt und den Nichtraucherschutz aushebelt.

    • marko 33 am 29.12.2018 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zum Würgen

      Super

    einklappen einklappen
  • Kopf Schüttel am 25.12.2018 01:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorgenbarometer CH 2018

    Polizei-Tesla, Plastickmüll und Juul. Ist doch wunderschön hier in der Schweiz!

  • Alfred Tetzlaff am 24.12.2018 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gaht's no?

    Moment mal: im Werbetext hier heisst es: noch gesünder als eine E-Zigarette? Noch gesünder? Gaht's no?

  • D.B. am 24.12.2018 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    WIEVIEL...

    ...streicht ihr dabei ein ? Werbung für Tabakprodukt ,gehts noch ?