Ärger bei der Swiss

20. Dezember 2011 11:59; Akt: 20.12.2011 12:27 Print

Warum sich keiner über das «Brettli» freut

von Lukas Hässig - Die Swiss streicht den Weihnachtsbonus, stattdessen gibt es Käse-Brettli. Ein Flugbegleiter erklärt, weshalb ihn das so sauer macht: Ohne Nebenjob kommt er nur knapp über die Runden.

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Käsebrett statt Gratifikation: Unter den Swiss-Mitarbeitern gärt es. (Bild: Keystone)

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Er ist italienischstämmig, spricht perfekt Schweizerdeutsch, und er ist ein junger Flight-Attendant bei der Swiss. Dieser Beruf ist kein Zuckerschlecken, wie der Mann erklärt: Er sei oft vier bis sechs Tage am Stück in der Luft, es gehe nach Miami, Los Angeles, wohin auch immer - lange Strecken mit viel Zeitverschiebung und kurzer Erholungsphase.

Seinen Beruf liebt der junge Mann trotzdem. «Wir machen das, weil wir unseren Lifestyle lieben», sagt er. Ein solcher Mitarbeiter ist Gold wert für eine Firma, die von der Dienstleistungs-Bereitschaft lebt. Damit kann sich die Swiss von der weltweiten Konkurrenz abheben. Umso mehr ist der Mann enttäuscht, dass die Swiss ihm dieses Jahr die Gratifikation von rund 2000 Franken streicht, wie er gegenüber 20 Minuten Online erklärt.

16 Millionen gespart, Riesen-Schaden angerichtet

Ausgerechnet die Loyalität und Verbundenheit mit der Arbeitgeberin gerät wegen einer kleinen Sparmassnahme unter Druck. Das Swiss-Management hat trotz guter Zahlen und ausgebuchter Flieger entschieden, die Weihnachts-Gratifikation zu streichen. Diese betrug in den letzten vier Jahren bis zu 2000 Franken pro Mitarbeiter, macht hochgerechnet knapp 16 Millionen im Jahr. Statt eines Zustupfs fürs Christfest gibt es diesmal ein Brett zum Käse- oder Schokolade-Schneiden.

Die Nachricht vom «Brettli» bewegt die Gemüter. Nachdem 20 Minuten Online einen entsprechenden Artikel veröffentlicht hatte, hagelte es Kommentare. Die meisten stammten von aufgebrachten Swiss-Mitarbeitern. Bis am Montagabend kamen gegen 300 Meinungsäusserungen zusammen.

Klagen auf hohem Niveau oder ein Affront?

Das sei Klagen auf hohem Niveau, finden einige Kommentatoren; andere finden, durch die Brett-statt-Geld-Aktion werde die teure Swiss-Image-Kampagne von diesem Jahr hinfällig. Und eine Ex-Mitarbeiterin schreibt auf 20 Minuten Online: «Die Swiss-Teppichetage interessiert sich nur für eines: Geld! Das ganze Blabla, ‹wir danken für eure Mitarbeit und haben unseren Erfolg nur euch zu verdanken›, inklusive dem Käsebrett könnten sie sich sparen. Was wirklich interessiert, sind faire Arbeitsbedingungen und Entlöhnung.»

Das Swiss-Management wird sich kaum vorgestellt haben, dass wegen der ausbleibenden Weihnachts-Gratifikation die Diskussion um die teilweise tiefen Löhne bei der Airline in der Öffentlichkeit stattfindet. Nun aber sehen sich die Swiss-Chefs dem Vorwurf ausgesetzt, dass sie ihr Personal wie eine Zitrone ausquetschen.

45 000 Franken Jahreslohn

Er verdiene rund 3700 Franken im Monat, erklärt der Flugbegleiter. Das ergibt einen Jahreslohn von knapp 45 000 Franken. Hinzu kommen zwei «Gratis»-Flüge im Jahr, bei denen nur die Abgaben und Steuern zu bezahlen sind. Weil dabei Stand-by (sozusagen Fliegen auf Abruf) geflogen werden muss, ist dieses Geschenk von beschränktem Wert.

Den 45 000 Franken stünden zudem hohe Anforderungen gegenüber, die ein Flight-Attendant erfüllen müsse, um nicht auf der untersten Hierarchie-Stufe stehenzubleiben, erklärt der Flight-Attendant. Neben drei Sprachen seien dies ein regelmässiger Belastungs-Check, Schwimmkenntnisse, eine jährliche Eignungsprüfung, adrettes Äusseres. Schafft jemand den Sprung zum Maître de Cabine, könne das Jahressalär zwar bis auf 96 000 Franken steigen – dies aber erst nach 20 Dienstjahren. Ohne Karrieresprung liege das Maximum bei rund 70 000 Franken.

In der unteren Einkommenshälfte

Mit diesen Löhnen liegen die Swiss-Flugbegleiter in der Schweiz tatsächlich in der unteren Einkommenshälfte. «Die Swiss holt einen Preis nach dem anderen, und das nicht zuletzt dank dem guten Service in der Kabine», meint der Mitarbeiter. Dass der Dank von oben lediglich ein Käsebrettli sei, enttäuscht ihn. Wertschätzung sehe anders aus. Sein Lohn reiche nicht zum Leben. «Würde ich nicht ab und zu im Gastgewerbe jobben, käme ich nicht über die Runden», sagt der Flight-Attendant.

«Zurück zum Absender», sagen sich deshalb viele Swiss-Angestellten und schicken das Brett ans Swiss-Top-Management. Dort reibt man sich dieser Tage die Augen ob des angerichteten Image-Debakels.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David Kamber am 19.12.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Käse

    Die Manager geben sich natürlich auch mit dem Käsebrett zufrieden?

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  • Annabelle am 22.12.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Neues aus Absurdistan

    Das berühmte Brettli bei der Post abzuholen kostet darüber hinaus 7 sFr.

  • Jamie Kitten am 22.12.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit!

    Finde es einfach nur schrecklich und hönisch wie diese Leute meinen, mit einem Käsebrättli ist alles beim alten und man sollte sich wahrscheinlich auchnoch bedanken! Für diese Geld geben hier z.B Flight Attandend Ihr 'Leben' auf, starke, berufliche Belastung ein und das für diesen Hungerlohn! Selber arbeite als Informatikerin, verdiene fast das doppelte und habe nichteinmal einen Lehrabschluss. Man sieht also, bei der Swiss wird einfach am falschen Ort gesparrt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Meier am 23.12.2011 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ach der arme Mann

    ist 4 bis 6 Tage ohne unterbruc in der Luft. Na die Maschine will ich sehen welche das schafft. Also der durchschnittliche Schweizer arbeitet von Montag - Freitag also 5 Tage am Stück...oder eben nicht weil man Pausen dazwischen hat wie jeder FA auch. Im Service arbeiten sehr viele Angestellte Teilzeit und somit auch 6 Tage am Stück. Korrekt müsste es heissen - 6 Tage hinereinander, denn am Stück wäre ohne Unterbruch.

    • Annabelle am 23.12.2011 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Herr Meier

      nun denn, diese Tage enden allerdings nicht nach 8 std, sondern im Schnitt nach 11-12 std -und beginnen entwder um 4 Uhr früh oder enden um 12 Uhr nachts - das nur auf Europa-Flügen. Zu den Pausen: dadurch dass man keine Rückzugsmöglichkeiten hat, kommt, kaum hat man sich im Galley hingesetzt, ein Passagier -man kennt dieses Phänomen auch von Büros... Und während der Bodenzeit ist dank Schnellst-Abfertigung nicht von Pause zu sprechen (Kontrolle des Cleaning, etc). 4-6 Tage ohne Unterbruch meint 4-6 Tage à 3-4 Flügen, lieber Herr Meier, da haben sie recht, noch gibt es kein Zauber-Kerosin.

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  • Vielflieger am 23.12.2011 05:47 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte bedenken!

    Ein Cabine Pensum 100% bedeutet 80 Flugstunden, korrekt? Ein Arbeiter hat 170-200Std, ohne Schlafpause, ohne Auslandspesen, ohne Verpflegung während der Arbeit, ohne Gratis-Tickets, ohne Gratis Bekannte Mitfliegen lassen. Bedenkt das mal bitte! In der Kabine seid ihr von Swiss trotzdem die Besten!!!

    • Swiss Mitarbeiterin am 24.12.2011 00:56 Report Diesen Beitrag melden

      12-Stunden Tage, 6 Tage am Stück!

      Lieber Vielflieger, bitte informieren Sie sich richtig. Flugstunden sind nicht gleich Arbeitszeit. Es sind im Uebrigen bis zu 100 Blockhours im Monat. Auf Europarotationen haben wir normalerweise 4, es sind auch 5(!!!) Flüge pro Tag möglich, dazwischen rasen wir durch die Kabine, machen den Security Search, und bereiten die Kabine für den Weiterflug vor und kommen auf Arbeitstage à 12 Stunden bei einer 6 Tage Woche!!! Dafür gibts gerade mal 3 Tage frei. Auf der Langstrecke sind wir bis 13 Stunden am Stück in der Luft. Trotzdem danke für das Kompliment.

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  • Tiger am 23.12.2011 05:30 Report Diesen Beitrag melden

    Just the best

    Swiss Kabinen-Personal ist das beste was es gibt in der Luft. Ein angemesser Lohn ist wohl das mindeste!

  • Max Heinke am 22.12.2011 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbereitung..

    Ich hätte es als Lehrling auch schön gefunden einen Bonus zu kriegen, nur wird jetzt leider nix daraus, dass ist schade aber kein Weltuntergang. Schlimmer finde ich das ich es aus zweiter Hand erfahren musste und mir kein Mail oder sonst was (ausser das Brettli)zugeschickt wurde in dem die Umstände beschrieben waren. Dies hätte meines ersicht für Verständnis gesorgt und alles würde nicht so ausarten.

    • J. S. am 23.12.2011 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      Lehrlinge bei Swiss

      @ Max Heinke Ich war vor jahren Lehrling bei der Swiss. Uns wurden die 2000 Fr. auch nicht ausbezahlt. Daraufhin habe ich dem Swisschef eine E-Mail geschrieben. Wenige Tage später war bei allen Lehrlingen (BSL), die 2000 Fr. Bonus auf dem Bankkonto :-) Dies ist wirklich so passiert und kein Witz.

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  • steve am 22.12.2011 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    ein brett bewegt die schweiz

    hui, über 1000 kommentare!!! habe ich selten gesehen. das brett bewegt die schweiz. ich weiss zwar nicht viel übers fliegen aber was ich weiss ist, dass die arbeit als flugbegleiter sehr ungesund ist, die luft im flieger ist sehr trocken und wenn das triebwerk nur etwas öl verliert sogar giftig. dazu kommt noch die zeitverschiebungen, die erhöhte strahlung und die latente gefahr eines absturzes. ich habe allerhöchsten respekt vor den menschen, die diesen beruf ausüben!