Vergleichsfaule Schweizer

28. September 2018 16:30; Akt: 28.09.2018 16:30 Print

Warum wechseln so wenig Leute die Krankenkasse?

Faulheit ist nicht der einzige Grund, warum Menschen keine Hypotheken vergleichen oder ihre Krankenkasse nicht wechseln.

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Woran liegt es, dass die Wechselbereitschaft vieler Konsumenten bei Krankenkassen und Hypotheken trotz Sparpotenzial so tief ist? Sind die Schweizer einfach zu faul? Nein, meint Dominique Roten, Sprecher des Konsumentenforums: «Es herrscht Überforderung», erklärt er auf Anfrage von 20 Minuten. «Die Konsumenten haben einen Tarifdschungel vor sich und wollen oder können Preisvergleichsportale im Internet nicht nutzen.» Rafael Huber, Dozent für Wirtschaftspsychologie an der ZHAW, weist auf die Status-quo-Verzerrung hin, die viele Kunden haben: «Gewisse Kosten spürt man erst, wenn sie wegfallen. Erst wenn sie weniger für eine Versicherung ausgeben, merken die Konsumenten, dass sie nun mehr Geld für andere Dinge haben.» Bei der Eigenheimfinanzierung geht es um Hunderttausende bis Millionen von Franken. Schon eine kleine Zinsdifferenz führt deshalb zu erheblichen Preisunterschieden bei der Hypothek. Laut einer Comparis-Studie wählen trotz des offensichtlichen Sparpotenzials 70 Prozent der Hypothekarnehmer die Hausbank zur Finanzierung ihres Eigenheims. Ein Viertel der Hypothekarnehmer verzichtet komplett auf einen Zinsvergleich der verschiedenen Anbieter. Nur gerade jeder Zehnte schliesst nicht bei einer Bank ab – obwohl alternative Anbieter wie Versicherungen und Pensionskassen oft günstigere Konditionen bieten. Gerade die Nachfrage nach Eigentumswohnungen in der Schweiz ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die aktuelle Studie umfasst die Zeit zwischen Juli 2017 und Juni 2018. Die Zahl der im Internet zum Verkauf angebotenen Wohnungen hat zugenommen. Trotzdem gingen sie schneller weg - sie waren deutlich kürzer inseriert. In der Region Zürich vergrösserte sich die Zahl der ausgeschriebenen Wohnungen um 8 Prozent: Insgesamt wurden 4787 Eigentumswohnungen auf Internetportalen zum Verkauf angeboten. Trotz dieser Zunahme des Angebotes hat sich die durchschnittliche Zeit, in der die Wohnungen ausgeschrieben waren (Insertionszeit), stark verkürzt. Die mit Abstand meisten Eigentumswohnungen wurden in suburbanen Gemeinden angeboten (dem Agglomerationsgürtel). In der Region Nordwestschweiz wurden 5434 Wohnungen zum Verkauf angeboten. Dies entspricht einer Zunahme der im Internet zum Kauf angebotenen Wohnungen um 5%. Die Insertionszeit hat sich in der Berichtsperiode um 23 Tage auf 73 Insertionstage verkürzt. Mit insgesamt 1925 Wohnungen (35%) bilden suburbane Gemeinden den grössten Markt, gefolgt von den periurbanen Gemeinden mit 995 Objekten (22%). Mit 5870 auf Internetportalen ausgeschriebenen Eigentumswohnungen zählte die Region Espace Mittelland ein um 1% kleineres Angebot als noch in der Vorperiode. Die Region stellte damit nach der Region Waadt/Wallis und der Region Tessin den drittgrössten Schweizer Eigentumswohnungsmarkt. Mit 61 Insertionstagen mussten sich Verkäufer 29 Tage weniger lang gedulden, um einen Abnehmer zu finden, als noch in der Vorperiode. Im aktuellen Berichtsjahr konnte in der Region Ostschweiz ein starker Anstieg der Nachfrage ausgemacht werden: Obwohl im Vergleich zur Vorperiode mit 3436 Eigentumswohnungen 4% mehr Objekte auf Onlineportalen angeboten wurden als noch in der Vorperiode, hat sich die Insertionsdauer sehr stark verkürzt. In der Region Ostschweiz stellten die Zentren und die suburbanen Gemeinden den Grossteil des untersuchten Marktes dar. Im Tessin wurden mit 6925 Eigentumswohnungen 10% mehr Objekte auf Internetportalen angeboten als noch in der Vorperiode. Die durchschnittliche Insertionszeit verkürzte sich unter dieser Angebotszunahme um 15 Tage auf 99 Insertionstage. Vor allem in den Zentren wurden mehr Wohnungen angeboten. Die Innerschweiz bildet mit 2698 im Internet ausgeschriebenen Eigentumswohnungen den kleinsten Markt der untersuchten Regionen. Gegenüber dem Vorjahr hat das Angebotsvolumen von 2663 Objekten um 1 Prozent zugelegt. Die mittlere Insertionszeit verkürzte sich in der Berichtsperiode von 106 Tagen auf 75 Insertionstage. Die Region Waadt/Wallis erlebte einen leichten Rückgang des Angebotsvolumens um 3 Prozent von 10'359 auf 10'098 im Internet ausgeschriebene Wohnungen. Die durchschnittliche Insertionszeit sank gleichzeitig deutlich um 27 Tage auf 65 Insertionstage. In allen Gemeindetypen ist ein klarer Rückgang der durchschnittlichen Ausschreibungszeit zu verzeichnen. In der Region Genf verkürzte sich die Insertionsdauer von Eigentumswohnungen in den untersuchten Gemeinden deutlich von 86 auf 69 Insertionstage. Der Rückgang der durchschnittlichen Insertionszeit ist mit dem Rückgang der Anzahl der im Internet inserierten Wohnun- gen um 11 Prozent auf 4711 Objekte einhergegangen.

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Geht es um Krankenkassen, Hypotheken oder Telecom-Angebote, sind wenig Schweizer bereit, ihren Anbieter zu wechseln oder auch nur Preise zu vergleichen. Dies zeigt auch eine neue Studie des Vergleichsdiensts Comparis zum Thema Eigenheim-Hypothek: 70 Prozent der befragten Hypothekarnehmer wählen zur Finanzierung einer Immobilie ihre Hausbank, obwohl sich ein Wechsel finanziell lohnen könnte (siehe Tabellen unten). Ein Viertel der Befragten verzichtet komplett auf einen Zinsvergleich der verschiedenen Anbieter.

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Würden Sie eine Eigenheim-Hypothek bei einer Versicherung oder Pensionskasse abschliessen?

Woran liegt es, dass die Wechselbereitschaft vieler Konsumenten trotz Sparpotenzial so tief ist? Sind die Schweizer einfach zu faul? Nein, meint Dominique Roten, Sprecher des Konsumentenforums: «Es herrscht Überforderung», erklärt er auf Anfrage von 20 Minuten. «Die Konsumenten haben einen Tarifdschungel vor sich und wollen oder können Preisvergleichsportale im Internet nicht nutzen.» Eine weitere Schwierigkeit sei, dass Krankenkassen, Versicherungen und Banken «Produkte anbieten, die sich teilweise im Aufbau markant unterscheiden und sich nur schwer vergleichen lassen», so Roten.

Kunden machen Denkfehler

Rafael Huber, Dozent für Wirtschaftspsychologie an der ZHAW, weist auf die Status-quo-Verzerrung hin, die viele Kunden haben: «Gewisse Kosten spürt man erst, wenn sie wegfallen. Erst wenn sie weniger für eine Versicherung ausgeben, merken die Konsumenten, dass sie nun mehr Geld für andere Dinge haben.»

Ein weiterer Grund seien sogenannte Wechselkosten. Will heissen: Man hat sich an den alten Anbieter gewöhnt, und es bedeutet Aufwand, diesen zu wechseln. «Bestehende Kunden kennen die Prozesse und Ansprechpersonen. Bei einem Wechsel müssen sie sich umgewöhnen und darauf vertrauen, dass beispielsweise ein neuer Versicherer zahlen wird und die Versprechen in der Broschüre auch wirklich einhält», erklärt Wirtschaftspsychologe Huber.

Unternehmen sollen Wechsel vereinfachen

Die Unternehmen sind dementsprechend gefordert. Um Kunden einen Wechsel schmackhafter zu machen, empfiehlt
Patrick Samson, Geschäftsführer der Beratungsagentur Digital Business Transformation, Kunden nicht wie üblich aufzuzeigen, was man durch den Wechsel gewinnen könnte. «Fokussieren Sie die Kommunikation stattdessen auf den zu erwartenden Verlust, wenn der Status quo beibehalten wird. Machen Sie dabei klar, dass der Verlust unabwendbar und sofort eintreten wird.» Wichtig ist laut Samson aber auch, dass den Kunden die Entscheidung so einfach wie möglich gemacht wird.



(vay)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DC am 28.09.2018 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einheitskasse

    Was hat das mit Faulheit zu tun? Dir ganze ewige Wechslerei kostet doch nur Unmengen, bringt aber wenig.. Egal welche KK, man wird doch überall abgezockt. Die Einheitskasse ist die einzige Lösung.

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  • Rentner am 28.09.2018 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkasse? Mit 65 wechseln?

    Sonst irgendwelche Witze an Lager?

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  • S.G. am 28.09.2018 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Krankenkasse

    Vergleichsfaul? Nein. Ich bin einfach zufrieden mit meiner Krankenkasse, deshalb will ich auch nicht wechseln. Geht vermutlich anderen auch so.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Juka73 am 12.10.2018 01:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht auch günstig

    Ich habe eine Super Kasse. Dieses Jahr Überschuss in den Prämieneinnahmen - Rückerstattung von 150.- für dieses Jahr. Im Kantonalen Vergleich auf dem Podest. Aber nur ein Modell und 4 Angestellte die ich persönlich kenne. Merkt ihr wass?

  • Andy am 02.10.2018 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    1. Eine Krankenkasse oder Vermittler, bzw. deren Auftraggeber mich mit Roboter anrufen und auf meinen Rückruf warten, sind für mich gestorben. Jetzt bleiben schon mal nicht mehr so viel übrig. 2. Warum soll ich wechseln, wenn ich zufrieden bin? Mir ist die Zeit es nicht wert, mich für 50 Fr. im Jahr mit dem Wechsel zu beschäftigen. 3. Der jährliche Wechsel verursacht letztendlich mehr Kosten. Mit einem max. 2 jährlichen Wechsel könnten satte 50% der Aufwände eingespart werden. Ein Bonussystem für Längjährige auf Kosten Vielwechsler würde ich begrüssen

  • Peter am 01.10.2018 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwann ist fertig mit wechseln

    Ich wechslete früher jedes Jahr, Nun bin ich bei der günstigsten... da bringt wechseln einfach nichts mehr.

  • Walt1 am 01.10.2018 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Preis-Leistung

    Ist doch alles nur Schein. Die eine ist günstiger, dafür hat man einen miserablen Kundendienst, oder sonst Mängel. Ein Jahr ist die eine KK günstiger, um neue Kunden zu gewinnen, danach wieder etwa gleich teuer wie andere. Ebenfalls gibt es erkrankte Menschen, die zu garkeiner neue KK wechseln können, da sie nicht mehr angenommen werden. - Für mich ist Preis-Leistung wichtiger als günstig und Sparpotenzial. Ständiges Vergleichen und wechseln raubt auch einen Teil der Lebensqualität und braucht auch Zeit.

    • Pralinchen am 01.10.2018 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Walt1

      jeder wird oder musd angenommen werden..von jeder Krankenkasse.. das gilt natürlich nur für die Grundversicherung

    • DeNiro am 01.10.2018 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Walt1

      Die KK müssten Graties sein für so ein Reiches Land wie die Schweiz andere Länder funktionier es auch . komisch Gäll

    • L. Eider am 01.10.2018 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @DeNiro

      Ist sie für unsere ungebetenen Gäste

    • Cynthia am 01.10.2018 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @DeNiro

      Genau die liebe reiche Schweiz. Die Schweiz ist schon lange nicht mehr reich. Und gratis ist die KK für die unerwünschten Gäste. Die auch wegen jedem Wehwehchen und Husten in den Notfall gehen. Und in den Nachbarländern ist die KK durchaus nicht gratis. Die Beiträge werden lediglich vom Gehalt abgezogen.

    • Caro am 04.10.2018 13:50 Report Diesen Beitrag melden

      Grundversicherung

      Auch kranke Menschen können die Grundversicherung jährlich wechseln!

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  • Büezer am 01.10.2018 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    wer wechselt?

    Würde mich mal Wunder nehmen wer wechselt? Die die von Jahr zu Jahr zu den Günstigen wechseln, und im folgenden Jahr wieder zu wechseln weil eine andere günstiger ist?

    • Privat Renter am 01.10.2018 10:10 Report Diesen Beitrag melden

      Lohn sich nicht

      Ein Wechsel lohnt sich nicht, denn die Kassen versuchen nur mit günstigeren Prämien die Kunden zu locken und ein Jahr später kommen sie wieder mit höheren Prämien. Ausserdem wie wollen sie denn als Privat Versicherter im Alter von 67 noch wechseln? Es wäre besser wenn diese lästigen Telefonberatungen verboten würden.

    • Roger am 01.10.2018 13:55 Report Diesen Beitrag melden

      Ein Wechsel lohnt sich schon

      @Privat Rentner Ist doch kein Problem. Die Grundversicherung kannst du jährlich wechseln. Die Leistungen in der Grundversicherung sind bei jeder KK dieselben, nur die Prämien nicht.

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