Negativzinsen

03. Dezember 2015 16:16; Akt: 03.12.2015 16:31 Print

Was Draghis Entscheid für die Schweiz bedeutet

von K. Wolfensberger - Die Europäische Zentralbank flutet die Märkte mit noch mehr neuem Geld und verschärft den Negativzins. Was bedeutet das für die Schweiz? Die wichtigsten Antworten.

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EZB-Chef Mario Draghi lockert die Geldpolitik der Eurozone weiter. Nebst einer Ausweitung des laufenden Programms zum Kauf von Staatsanleihen bis mindestens März 2017 hat der Italiener eine weitere Senkung der Einlagezinsen beschlossen. Mit diesen Massnahmen möchte Draghi die Konjunktur ankurbeln, die Inflation anheizen sowie den Euro gegenüber dem Dollar vergünstigen. Der Entscheid könnte auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) unter Zugzwang setzen. Was wird sie tun? Die wichtigsten Antworten.

Wie wirkt der Entscheid auf den Euro-Franken-Kurs?
Unmittelbar nach der Ankündigung der Zinssenkung um 13.45 Uhr kletterte der Euro auf 1,0876 Franken. Nach Bekanntgabe der Ausweitung der Anleihenkäufe stieg er kurzzeitig sogar auf bis zu 1,0934 Franken. Vor dem Entscheid war er zu 1.0803 Franken gehandelt worden. Dass der Euro an Wert gewann und nicht verlor, impliziert, dass die Anleger mit weitergehenden Massnahmen gerechnet hatten.

Muss die SNB am Devisenmarkt intervenieren?
Ein SNB-Sprecher wollte sich laut der Agentur SDA nicht zu den Beschlüssen der EZB und möglichen Interventionen der SNB am Devisenmarkt äussern. Es gilt grundsätzlich: Falls sich der Franken doch noch aufwerten sollte, sind Devisenkäufe durch die SNB wahrscheinlich.

Muss die SNB den Negativzins nun ebenfalls erhöhen?
Eine weitere Senkung der Negativzinsen ist wie die Devisenkäufe eine Massnahme zur Schwächung des Frankens. Im Vorfeld des EZB-Entscheids sprachen Analysten von einer möglichen Zinssenkung durch die SNB auf minus 1,0 Prozent, um mit der EZB quasi gleichzuziehen. Einen Entscheid dürfte die SNB an ihrer nächsten geldpolitischen Lagebeurteilung am kommenden Donnerstag fällen.

Werden die Geschäftsbanken den Negativzins auf die Kleinsparer überwälzen?
Bisher gab keine Bank ausser der kleinen Alternativen Bank Schweiz (ABS) Negativzinsen an die Kleinsparer weiter. Und die meisten Finanzinstitute schliessen einen solchen Schritt nach wie vor aus. Aber: Der Zins bei Sparkonten liegt jetzt schon bei nahezu null.

Was bedeuten Negativzinsen für die Pensionskassen?
Für die Pensionskassen sind die Negativzinsen eine Belastung. Sie erschweren es ihnen, ertragreiche Anlagemöglichkeiten zu finden. Bei einem Negativzins von minus 0,75 Prozent erwartete SNB-Direktoriumsmitglied Dewet Moser eine Gesamtbelastung von maximal 400 Millionen Franken pro Jahr für die Rentenversicherungen. Bei einer Erhöhung des Negativzinses durch die SNB würde diese Belastung weiter ansteigen.

Was passiert mit dem Geld, das die SNB mit den Negativzinsen einnimmt?
Rund 160 Milliarden Franken Einlagen bei der SNB werden zurzeit negativ verzinst. Bei einem Negativzins von 0,75 Prozent ging die Nationalbank daher von zusätzlichen Einnahmen von 1,2 Milliarden Franken dieses Jahr aus. Dieser Ertrag dürfte sich nun allenfalls noch erhöhen. Die SNB wird ihn schliesslich mit allfälligen Verlusten bei Devisen, Aktien oder Goldvorräten aufrechnen. Je nach Höhe des Gewinns liefert sie Geld an Bund und Kantone ab oder bildet Reserven.

Wann kann die SNB den Negativzins aufgeben?
Erst wenn sich die Eurozone wirtschaftlich erholt und der Euro sich stabilisiert hat. Eine blühende Konjunktur in der Eurozone würde den Euro im Vergleich zum Franken stärken. Dieser würde Investoren dann nicht mehr als sichere Fluchtwährung dienen. Damit ist aber kurzfristig nicht zu rechnen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vernunft am 03.12.2015 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    100% schädliche Folgen für die Zukunft

    Dieser ganze Geldfluss, das billige Geld und die auf Teufel komm raus Ankurbelungsversuche des Wachstums wird noch zurückschlagen. Sicher keine gute Entwicklung, denn das ganze wird sich rächen.

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  • Saamy48 am 03.12.2015 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Draghi spinnt

    Er erfindet via ungedeckte Schuldscheine 'Geld' im Billionenmaßstab, legt dazu noch deren Verzinsung fest und behauptet, seine Aktionen seien alternativlos. Dabei ist es nichts weniger als die organisierte Enteignung aller -Sparguthaben und die Vernichtung der Produktivität der kommender Generationen, die für diese Schulden nichts können und eigentlich das naturgegebene Recht haben, die 'Verpflichtungen' in Gänze abzulehnen. Was sie irgendwann auch tun werden, ich hoffe die Gläubiger akzeptieren es dann friedlich.

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  • Kirby am 03.12.2015 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    das Motto der Zentralbanken

    wenn man Etwas macht und es funktioniert nicht, macht man noch mehr vom Gleichen und erwartet andere Resultate. Der Einstein hat es als Wahnsinn definiert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.G. am 06.12.2015 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Eine neue Form von Imperialismus

    Regierungen, Wirtschaft und Notenbanken welche ca. 10% der Menschheit repräsentieren sind gerade dabei die wirtschaftliche Basis der großen Mehrheit von 90% der Menschheit zu ruinieren oder zumindest zu verschlechtern. Denn außer den Wirtschaften und den Arbeitskräften im Dollar- und EURO-Raum hat niemand einen Vorteil davon. Das erstaunlichste dabei ist das die Mehrheit der negativ betroffenen Staaten nichts dagegen macht. Obwohl alleine Russland fast 50% seiner Exporterträge verloren hat, genauso sieht es in Südamerika aus. Das kann auf Dauer keine Volkswirtschaft überstehen.

  • Pebo am 04.12.2015 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goldmann Familie untergraben EU

    Wenn die goldmann familie die Supbrime kredits in der EU weiterführen,(Damit wurde ein bis dahin rein US-amerikanisches Risiko internationalisiert.) Sind die folgen und ziele absehbar.

  • Samuel Schmidt am 04.12.2015 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Mors tua vita mea

    Leider ist die EZB nicht die Fed! Es gibt bei uns keine Eurobonds, Frau Merkel und Co. haben das immer verhindert. Dadurch steckt die EU-Zone immernoch in der Krise, was aber für Deutschland ausgezeichnet ist.

    • Kirby am 04.12.2015 13:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Schmidt

      Quatsch die USA sind genaso in der Krise wie die EU, die Fed hat die Schulden nur verschoben von den Banken auf die Steuerzahler, dadurch haben sie nichts gerettet. Der Staat ist Pleite und die Banken sitzen weiterhin an Billionen $ notleidender Kredite, beide sind nur Dank der Bilanzfälschung noch nicht kollabiert.

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  • Rapinsel am 04.12.2015 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Neolibatäres Theater

    Das Problem ist, dass Fehlinvestitionen in Staatsanleihen weiter geschützt werden und das verzerrt den Markt. Mich stört diese ganze Verlogenheit der neolibatären Typen, die immer wieder von Selbstverantwortung sprechen und dabei soziale Einrichtungen stetig abbauen und einschränken. Den Armen darf nicht geholfen werden, aber Fehlinvestitiotionen werden über Jahre hinweg in unbegreiflichem Masse gestützt und geschützt. Wie kann man nur so widersprüchlich handeln?! Ich kann das alles einfach nicht mehr ernt nehmen.

  • Tom,Roth am 04.12.2015 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird weiter so gehen

    Die EZB hat kein Intersse daran, verlieren werden nur die Sparer die erstens gespart haben und zweitens eine Kaufkraftentwertung entgegen stehen. Auch wird der Raum mit noch mehr Euros geflutet was wiederum eine tiefere kaufkraft bewirkt. Schauen Sie mal zurück und überlegen Sie wie oft die EZB Zinsen gesenkt und Euros gedruck hat. Zudem ist das meiste Buchgeld, das nur in den Bilanzen steht und nicht verdient als mit Arbeitsleistung umgesetzt wurde. Es werden jedoch keine Fabriken mit praktisch Zinslosem Geld gebaut wenn nichts umgesetzt werden kann