Benzin und Diesel

03. Dezember 2018 20:43; Akt: 03.12.2018 20:43 Print

Was das Puff am Ölmarkt für die Schweizer heisst

von Dominic Benz - Der Preiszerfall beim Öl ist gestoppt und Katar verlässt die Opec. Wird Tanken jetzt wieder teurer? Die wichtigsten Antworten.

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Der Wüstenstaat Katar tritt Anfang 2019 aus der Öl-Organisation Opec aus. Zum Wochenstart erholten sich die Ölpreise. Der Austritt dürfte wenige Auswirkungen haben. Laut ZKB-Rohstoffexperte Simon Lustenberger ist der Staat nicht so ein Schwergewicht wie Saudiarabien. «Auf den Ölpreis hat der Austritt aber momentan keinen Einfluss.» Der Ölpreiszerfall der letzten Wochen kam an der Zapfsäule nicht volsltändig an. Trotz Talfahrt ist das Tanken verhältnismässig teuer. Konkret bezahlte man laut TCS zurzeit für Benzin im Schnitt 1.59 Franken, für Diesel 1.77 Franken. Das sind ein paar Rappen weniger als noch Mitte November. Dass der Spritpreis nicht mehr gefallen ist, erstaunt. Denn seit Anfang Oktober ist der Ölpreis um rund 30 Prozent eingebrochen. Laut David Suchet, Sprecher der Erdölvereinigung, ist der tiefe Wasserstand des Rheins der Grund. «Weil der Pegel sinkt, können die Schiffe immer weniger Treibstoffe transportieren», sagt er auf Anfrage. Das verteuere den Import. BP-Sprecher Peter Kretzschmar sagt: «Normalerweise geben wir solche Preissenkungen schnell an die Konsumenten weiter, da der Wettbewerb uns dazu zwingt.» Der Ölpreis hat vorletzte Woche noch Jahrestief bei unter 60 Dollar pro Fass erreicht. Der Preis der Sorte WTI liegt derzeit bei rund 54 Dollar pro Fass. Seit Anfang Oktober ist der Ölpreis stark gefallen. Der Grund: Händler erwarten ein Überangebot bei gleichzeitig nachlassender Nachfrage – wegen der sich abschwächenden Konjunktur. Laut Analyst Lukman Otunuga von FXTM wetten die Investoren auf einen weiteren Preisverfall, «selbst wenn die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) Anfang Dezember die Produktion drosseln sollten». Die Mitglieder der Opec und Vertreter anderer Ölförderländer treffen sich diese Woche in Wien.

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Auf dem Ölmarkt geht es drunter und drüber. Nach der wochenlangen Talfahrt der Ölpreise sind sie zum Wochenstart plötzlich wieder klar gestiegen (siehe Box). Zudem hat Katar angekündigt, zu Jahresbeginn 2019 aus dem Ölkartell Opec auszutreten. Was heisst das jetzt für den Ölpreis? Und müssen die Schweizer Autofahrer schon bald noch mehr für den Sprit bezahlen? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

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• Warum ist der Ölpreis wieder gestiegen?
Die beiden Öl-Schwergewichte Russland und Saudiarabien haben am Wochenende ihren Pakt zur stärkeren Kontrolle des Ölmarkts verlängert. Die Staaten wollen gemeinsam mit Produktionskürzungen die Ölpreise wieder nach oben hieven. Zudem gab es am Wochenende beim G-20-Gipfel eine Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China. US-Präsident Trump gab China eine Frist von 90 Tagen, um seinen Forderungen nach einem Abbau der Handelsbarrieren nachzukommen. «Das ist eine positive Meldung für die Weltwirtschaft und die Ölpreise», sagt ZKB-Rohstoffexperte Simon Lustenberger auf Anfrage.

• Warum verlässt Katar die Opec?
Der Wüstenstaat ist seit 1961 beim Ölkartell dabei, das aus 15 Mitgliedstaaten besteht. Seit letztem Jahr haben die Saudis sowie Bahrein und die Vereinigen Arabischen Emirate eine Blockade über Katar verhängt. Die Staaten werfen Katar unter anderem die Unterstützung von Terrorismus vor. Mit dem Austritt aus dem Ölkartell will Katar nun seine Wirtschaft unabhängig gestalten und auf höhere Fördermengen setzen.

• Welche Folgen hat der Austritt?
Laut Experte Lustenberger sei der Staat kein so grosses Schwergewicht wie Saudiarabien. «Auf den Ölpreis hat der Austritt momentan keinen Einfluss», sagt er. Tatsächlich ist Katar nur der elftgrösste Erdölproduzent in der Opec und fördert rund 610'000 Barrel pro Tag (1 Barrel entspricht 159 Litern). Zum Vergleich: Russland, Saudiarabien und die USA liefern pro Tag jeweils rund zehn Millionen Barrel. Auch wenn Katar nun seine Fördermenge erhöhen würde, könne das die Opec mit einer geringeren Produktion leicht abfedern, so Lustenberger.

• Wie geht es weiter mit dem Ölpreis?
Entscheidend für den Preis ist das Opec-Treffen am Donnerstag in Wien. Zusammen mit auch Nicht-Opec-Staaten unter der Führung Russlands werden mögliche Kürzungen bei der Förderung diskutiert. Während Russland einen Ölpreis auf jetzigem Niveau zwar verdauen kann, brauchen einige Opec-Länder wie etwa Venezuela für ihre wirtschaftliche Stabilität dringend höhere Preise. «Es ist daher davon auszugehen, dass Kürzungen beschlossen werden», sagt Lustenberger. Je nach Ausmass der Kürzungen sieht er den Preis in Richtung 70 Dollar steigen. Preise über 80 Dollar erwartet er aber im kommenden Jahr nicht.

• Wird das Tanken jetzt teurer?
Der Preiszerfall beim Öl kam bisher nur geringfügig an der Zapfsäule an. Der Sprit blieb bislang verhältnismässig teuer. Grund sind die Schiffe, die wegen des tiefen Wasserpegels des Rheins derzeit weniger Treibstoffe mitführen können. Das verteuert die Transportkosten. «Eine Normalisierung auf dem Rhein ist vor Januar nicht zu erwarten», sagt David Suchet, Sprecher der Erdölvereinigung. Dennoch sind die Spritpreise nun leicht gesunken. Ein Liter Benzin kostet zurzeit im Schnitt 1.59 Franken, Mitte November waren es noch 1.66 Franken. Auch Diesel ist seither um gut 7 Rappen auf 1.77 Franken gefallen. «Offenbar spielen sich alternative Logistikketten und Transportwege per Schiene und Strasse langsam ein», teilt der TCS mit. Grosse Sprünge bei den Tankpreisen sind aber nicht zu erwarten. «Falls die Ölpreise wieder steigen, kann dies die sinkenden Transportkosten ausgleichen», so David Suchet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Blyatman am 03.12.2018 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    für uns gar nichts

    Der Ölpreis fiel wochenlang, aber die Benzinpreise in der CH bleiben wie sie sind, Abzockerei!

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  • Fippu am 03.12.2018 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann gehen wir auf die Strasse

    Ich warte auf den Tag bis sich in der Schweiz eine Protestaktion analog jener in Frankreich bildet. Ich wäre an vorderster Front mit dabei.

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  • Hinter Bänkler am 03.12.2018 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch nur die andern sind Schuld.

    Tja Russland und Saudiarabien werden im Bericht genannt warum die Schweiz nicht auch? Immerhin erhebt unsere Regierung schamlos Steuern auf Treibstoffe. Aber immer sind die andern Schuld.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lömu am 04.12.2018 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stabiler Preis

    Mein Gott....bezahlt was es kostet oder lasst eure Kisten stehen. Mich würde es freuen. Das Päckli Zigis kostet ja auch das doppelte wie vor 15 Jahren. Und wie ist das mit dem Sprit? Easy stabil eigentlich oder?

  • Wir profitieren am 04.12.2018 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte kauft die sauberen Teslas

    Elektroautos müssen umweltfreundlich sein, da Greenpeace die E-Mobilität befürwortet. Der Mitbegründer des Tesla Owners Club unterstützt Greenpeace nicht nur finanziell; 10 000.- Fränkli waren zu wenig, so unterstützt er sie auch in vielen anderen Bereichen. Wohl weil Greenpeace sich so selbstlos und toll für den Umweltschutz einsetzt, wurde der Teslaner auch Stiftungsrat bei Greenpeace. Greenpeace hat beträchtliche finanzielle Mittel und ein Heer von Medienbeauftragten und Campaignern für Lobbyarbeit. Sieht man auch hier in den Kommentaren.

  • H.B. am 04.12.2018 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Benzienpreis

    Da haben wir es noch gut in Spanien.wir zahlen für Diesel um die 1.17

  • Phil am 04.12.2018 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die CO2-Steuern....

    werden ein Absinken des Ölpreises auf unbestimmte Zeit verhindern, selbst wenn die Lieferanten die Ölförderung erhöhen und der Rhein wieder ordentlich Wasser führt wird der Preis in Zukunft kaum mehr sinken, Klimaabkommen sei dank.

  • Tomi am 04.12.2018 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Können wir auch

    Warum machen wir es nicht wie die Franzosen?

    • Nussgipfel am 04.12.2018 17:05 Report Diesen Beitrag melden

      Haben wir auch

      Unser Triumpfbogen ist der Gotthardtunnel, oder das Matterhörnli.

    • Jean Jacques Rousseau am 04.12.2018 17:13 Report Diesen Beitrag melden

      @Rainer Maria Rilke

      Am Todestag von Kardinal Richelieu spricht man nicht so über das Kollektiv der 'Franzosen'.

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