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21. Juni 2018 18:54; Akt: 21.06.2018 18:54 Print

10 Chef-Sätze – und was sie wirklich bedeuten

von R. Knecht - Manchmal verbergen sich hinter den Floskeln des Chefs ganz andere Aussagen. Zehn Beispiele – und die Übersetzung dazu.

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Am Arbeitsplatz wird nicht immer Klartext gesprochen: Oft verstecken Chefs zusätzliche Aufträge hinter Komplimenten oder Kritik hinter Schönrederei. Diese zehn Sätze, die Chefs sagen, können versteckte Bedeutungen haben. Wolfgang Jenewein, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen und Experte für Personalführung, kommentiert die Floskeln.

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Chef: «Könntest du das übernehmen?»
Kann heissen: «Du musst das machen.»
«Es gibt viele Chefs, bei denen diese Frage rhetorisch ist», so Jenewein. Es sei heute auch eine regelrechte Unart, dass Chefs per E-Mail ihre Mitarbeiter fragen, ob sie eine Aufgabe übernehmen und sich am Ende der Nachricht bereits dafür bedanken, ohne eine Antwort abzuwarten.


Chef: «Das ist unglücklich gelaufen.»
Kann heissen: «Jemand hat einen Fehler gemacht.»
Dieser Satz taugt laut Jenewein höchstens als Einleitung für eine Diskussion über den Fehler. «Man muss den Mitarbeitern zeigen, wo das Problem ist und was verbessert werden kann, nur so können sie daraus lernen.» Wenn man niemanden blossstellen wolle, sei die Floskel allerdings okay, zumindest solange nicht sowieso jeder im Raum wisse, wer gemeint sei.


Chef: «Das muss bis dann klappen.»
Kann heissen: «Es ist fast unmöglich, das bis dann zu schaffen, also mach schneller.»
«Das Verb ‹müssen› sollte nur im Ausnahmefall verwendet werden», so Jenewein. Wenn immer alles befohlen werde, fühle man sich in einer Zwangslage, was schlecht für das Arbeitsklima sei.


Chef: «Kannst du mir das aufs Mail tun?»
Kann heissen: «Ich bin zu faul, mir das aufzuschreiben.»
«Wir sind aus dem Zeitalter raus, wo der Mitarbeiter der Diener des Chefs ist», so Jenewein. Dazu gehöre auch, dass die Angestellten nicht für den Chef Notizen oder Kaffee machen müssten. Sonst zeuge das von Respektlosigkeit. Es könne aber auch sein, dass der Chef etwas schriftlich verlange, um sich abzusichern.


Chef: «Ich weiss, dass du das schaffen kannst.»
Kann heissen: «Du musst jetzt mehr arbeiten.»
«Kommt diese Aussage authentisch rüber, ist sie sehr effektiv», so Jenewein. Andernfalls sei es aber besser, wenn der Chef einfach geradeaus sagen würde, was er vom Angestellten verlangt, ohne das schönzureden.


Chef: «Da müssen wir über die Bücher.»
Kann heissen: «Jetzt haben wir ein Problem.»
«Man sollte Mitarbeiter nicht im Ungewissen lassen», sagt Jenewein. Darum müssten so einer Aussage auch möglichst bald konkrete Informationen dazu, was denn genau das Problem sei, folgen. «Sonst verunsichert das die Angestellten und sie trauen sich nichts mehr und leisten möglicherweise sogar weniger», so der Experte.


Chef: «An grossen Aufgaben wächst man.»
Kann heissen: «Das wird schwierig.»
Eigentlich wäre es ein Zeichen des Respekts, wenn der Chef einem Angestellten eine schwierige Aufgabe zutraut. Wichtig ist laut Jenewein aber, dass es dabei nicht darum geht, das der Vorgesetzte etwas an den Mitarbeiter abschiebt, weil er selbst keine Lust darauf hat. «Sonst wäre das eine reine Floskel», so der Professor.


Chef: «Das könnte besser sein.»
Kann heissen: «Das ist schlecht.»
Jenewein hält diese positive Sprache für einen guten Weg, Kritik zu üben. Wichtig sei, dass Chefs aber auch konkretes Lob (siehe Box) aussprechen und nicht nur Fehler bemängeln.


Chef: «Wir wollen vorhandene Synergien nutzen.»
Kann heissen: «Wir bauen Stellen ab.»
Da Mitarbeiter normalerweise einen sinnvollen Beitrag leisten wollen, wäre es laut Jenewein besser, damit zu argumentieren, statt mit Synergien für die Firma. Wenn ein Unternehmen etwa drei Abteilungen habe, die alle das Gleiche tun, sei das nicht sinnvoll und die Angestellten würden das spüren.


Chef: «Veränderungen sind eine Chance, besser zu werden.»
Kann heissen: «Von jetzt an musst du alles anders und besser machen.»
«Wenn ein Chef die hundertste Revision des IT-Systems als Verbesserungschance präsentiert, ist das natürlich ein Euphemismus», so Jenewein. Angestellte sollten laut dem Experten aber bedenken, dass Veränderungen selten dazu dienen, die Arbeit mühseliger zu machen, und sie oft tatsächlich Chancen bergen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lehrling am 21.06.2018 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    Soll noch einer den Chef verstehen

    Als ich heute Morgen meinem Chef im Lift begegnete, brummte dieser etwas von: "So, wieder mal zu spät." Darauf erwiderte ich: "Ja, ich auch."

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  • divinemothertree am 21.06.2018 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück gekündigt

    Unser Chef weiss selber nicht was er von sich gibt, wie soll ich das dann noch verstehen.

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  • Geri Kobler am 21.06.2018 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Benutzt die AniGifs und Memes solange

    Ihr noch könnt. Bald ist es aus mit damit und sämtliche nicht lizenzierten Bilder werden gelöscht und können dank den Upload-Filtern auf keinem EU-Server mehr neu gespeichert werden. Das alles will die EU im Namen des Urheberrechts. Super, nicht?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Teutates am 25.06.2018 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Der mit Abstand beste Chefsatz ist:

    Ich habe von NICHTS gewusst und kann mich an nichts erinnern!!

  • Hr Schmidt am 22.06.2018 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht sehr verdeckt

    Ich verstehe nicht, was an diesen Aussagen versteckt sein soll. Der Chef muss einfach seine Ausdrucksweise so anpassen, dass niemand bloßgestellt oder demoralisiert wird. Aber irgendwas muss er schließlich sagen, denn eine Arbeitsstelle ist (meistens) kein Ponyhof!

  • Tim Lowe am 22.06.2018 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Offen kommunizieren

    Also so schwer sind diese Sätze nun auch wieder nicht zu verstehen. Ich habe ein offenes und loyales Verhältnis zu "meinen" Mitarbeitenden. So kann ich dann auch ehrlich kommunizieren und es kommt ein offenes und ehrliches Feedback zurück. Und wenn ich zu einer Situation oder Sache partout nichts sagen darf, dann teile ich das dem Team auch so mit. Ausserdem sind das alles erwachsene Leute. Sie können sich wehren und die Dinge/Probleme benennen.

  • Alfred A. am 22.06.2018 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    "Man..." ist ein Anderer

    Mein Name ist Alfred.

  • Chef am 22.06.2018 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Mein lieblings-Satz

    Arbeiten Sie gerne bei uns? Diese Frage bedarf keiner Erklärung.