Wachstum in Gefahr

26. Februar 2020 07:50; Akt: 26.02.2020 07:50 Print

Wie das Coronavirus die Wirtschaft beutelt

von Dominic Benz - Die Krankheit verbreitet sich rasant. Was bedeutet das für die Schweizer Firmen? Und ist der Franken ein «sicherer Hafen»?

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Am kosteten die Anteilsscheine der Credit Suisse und der UBS noch 9,82 respektive 9,79 Franken. Damit sind erstmals beide Papiere gleichzeitig für weniger als eine Zehnernote zu haben. Die Ausbreitung des Coronavirus belastet die globale Wirtschaft. Zum Wochenstart rauschten weltweit die Aktienkurse in den Keller. Der Schweizer Leitindex SMI sackte am Montag um 3,6 Prozent ab – das grösste Minus an einem Tag seit August 2015. Das Virus dürfte die Märkte weiterhin beschäftigen. «Die Unsicherheit an den Märkten wird aber anhalten», so Jörn Spillmann, Leiter Aktienstrategie bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), zu 20 Minuten. Die Anleger sind aus Angst vor dem Virus in Scharen in den als «sicheren Hafen» geltenden Franken geflüchtet: Gegenüber dem Euro ist die Währung auf den höchsten Stand seit über vier Jahren geklettert. Ein Euro kostet derzeit rund 1.06 Franken. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass das Wachstum der globalen Wirtschaft wegen des Virus um 0,1 Prozent geringer ausfällt. Grund sind die vielen Geschäfte und Fabriken in China, die vorübergehend geschlossen sind. Das bringt die globale Lieferkette durcheinander. Auch bei der ZKB geht man davon aus, dass das 1. Quartal «sehr schwach» verläuft. Laut Spillmann leiden vor allem Firmen, die nach China exportieren. Betroffen sind etwa Uhrenhersteller und andere Firmen der Luxusgüterindustrie. Die weltweite Mode- und Luxusbranche ist von China abhängig. Das Land generiert einen grossen Teil der globalen Nachfrage. Auch die Pharmaindustrie spürt den Ausfall der Produktion in China. «Das Land ist ein wichtiger Zulieferer von Wirkstoffen für Medikamente.» Einen Rückschlag erfährt laut Spillmann ebenso der hiesige Tourismus. «Die Chinesen bleiben nun zu Hause, da die Airlines Flüge von und nach China gestrichen haben.»

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Weltweit taumeln die Börsen. Grund ist die weitere Ausbreitung des Coronavirus in asiatischen Ländern und in Europa – auch in der Schweiz. Was bedeutet das Virus für die Schweizer Wirtschaft? Und wie geht es jetzt mit den Börsen weiter? Die wichtigsten Antworten:

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Was ist an den Börsen passiert?

Die Schweiz hat ihren ersten bestätigten Fall des Coronavirus. Die Nachricht löste an der Schweizer Börse am späteren Nachmittag eine Verkaufswelle los. «Der SMI reagiert mit deutlichen Abschlägen auf die weitere Ausbreitung des Coronavirus», sagt Jörn Spillman, Leiter Aktienstrategie bei der ZKB, zu 20 Minuten.
Zum Wochenstart sanken weltweit die Aktienkurse in den Keller. Zwischen 12 Uhr und 15 Uhr bewegte sich der Schweizer Leitindex seitwärts bei rund minus 1 Prozent. Mit der Meldung über den ersten ersten Coronavirus-Fall in der Schweiz sackten die Kurse schlagartig ab. Der SMI notierte um bis zu 2,5 Prozent im Minus und fiel auf ein Jahrestief. Schon am Montag notierten weltweit die Börsen mehrere Prozente im Minus. Damit hat das Virus mit Verzögerung die Aktienmärkte erreicht. Bisher dominierte die Sorglosigkeit: Die Kurse legten trotz Ausbreitung der Krankheit zu. In der Schweiz erklomm der SMI gar Rekordhöhen.

Wie gehts weiter?

Für Jörn Spillmann ist klar: «Die Unsicherheit an den Märkten wird aber vorerst anhalten.» Einen erneuten massiven Rückschlag wie am Montag erwartet er aber nicht. Vieles hängt laut Spillmann davon ab, wie die europäischen Regierungen das Virus in den Griff bekommen. Je nach dem seien auch steigende Kurse möglich. «Wir die Ausbreitung des Virus eingedämmt, kann der Markt schnell nach oben reagieren.»

Warum erstarkt der Franken?

Die Anleger sind aus Angst vor dem Virus in Scharen in den als «sicheren Hafen» geltenden Franken geflüchtet: Gegenüber dem Euro ist die Währung auf den höchsten Stand seit über vier Jahren geklettert. Ein Euro kostet derzeit rund 1.06 Franken. Laut Experte Spillmann dürfte sich der Franken aber wieder leicht abschwächen. «Denn die Schweizer Währung gilt zwar als sicherer Hafen auch in Bezug auf das Virus, aber die zuletzt wieder besseren Wirtschaftsindikatoren in der Eurozone sprechen für eine Erholung des Euro.» Gegen eine weitere Franken-Aufwertung dürfte sich die Währungshüter stemmen. «Die Währung ist auf auf einem Niveau, wo die Schweizerische Nationalbank möglicherweise interveniert», sagt Spillmann.

Was passiert mit der Weltwirtschaft?

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass das Wachstum der globalen Wirtschaft wegen dem Virus um 0,1 Prozent geringer ausfällt. Grund die vielen Geschäfte und Fabriken in China, die vorübergehend geschlossen sind. Das bringt die globale Lieferkette durcheinander. Auch bei der ZKB geht man davon aus, dass das 1. Quartal «sehr schwach» verläuft. Die Verluste könnten allerdings wettgemacht werden. «Wenn sich die Produktion im 2. und 3. Quartal normalisiert, kann es ebenso zu einer schnellen Erholung kommen», sagt Jörn Spillman.

Welche Schweizer Firmen spüren das Virus?

Laut Spillmann leiden vor allem Firmen, die nach China exportieren. Betroffen sind etwa Uhrenhersteller und andere Firmen der Luxusgüterindustrie. «Schon jetzt ist hier der Absatz in Asien geschrumpft», so der Experte. Die weltweite Mode- und Luxusbranche ist von China abhängig. Das Land generiert einen grossen Teil der globalen Nachfrage. Ebenso ist China ist ein wichtiger Produktionstandort. «Wenn mit China ein Glied der Lieferkette ausfällt, leidet auch der Rest der Welt», so Spillmann. Auch die Pharmaindustrie spürt den Ausfall der Produktion in China. «Das Land ist ein wichtiger Zulieferer Grundstoffen für Medikamente.» Einen Rückschlag erfährt laut Spillmann ebenso der hiesige Tourismus. «Die Chinesen bleiben nun zu Hause, da die Airlines Flüge von und nach China gestrichen haben.»

Welche Firmen profitieren?

Für Pharmafirmen ist der Coronavirus nicht nur negativ. «Sie profitieren von der derzeit hohen Nachfrage nach Medikamenten», sagt Spillmann. Das grosse Los könnte vor allem die Firma ziehen, die das erste Medikament gegen das Virus entwickelt. Nahe dran scheint Gilead Sciences zu sein. Laut der Weltgesundheitsorganisation ist der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns momentan der einzige, der helfen könnte. Die Aktien des Herstellers sind Anfang Woche um bis zu 8 Prozent gestiegen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Corse71 am 26.02.2020 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt?

    Vielleicht wäre es ganz gut nicht immer an Wachstum sondern an Nachhaltigkeit jnd Vernünftiges Handel zu denken.

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  • Sky am 26.02.2020 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oooh die arme Wietschaft

    Oooh und wie sehr beutelt der Coronavirus die Menschen? Ist egal wenn es ein paar Sklaven auf dem Arbeitsmarkt gibt! Hauptsache man kann sich weiter an anderen bereichern.

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  • Uschle am 26.02.2020 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft

    Sorry aber dass war vorhersehbar. Man reagiert immer erst dann wen's fast zu spät ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Veritas04 am 27.02.2020 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz im Sozialismus

    Der Sozialismus braucht keine Wirtschaft und keine Börse. Banken schon gar nicht!

  • Der InGENIEur am 27.02.2020 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ob das stimmt?

    Habe gehört, das Corona-Virus soll in der Schweiz jetzt umbenannt werden in Feldschlösschen-Virus.

  • Myoptic Dystopia am 27.02.2020 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    vor ein paar Wochen...

    hatte ich mal einen Kommentar hier geschrieben, der (wie üblich) von den Propaganda-Wächtern nicht freigeschaltet wurde. Diese Entwicklung war doch sowas von absehbar: Wirtschaft und Geld ist wichtiger als die Gesundheit der Menschen. Deshalb wird sich dieser Virus relativ ungehemmt weiter ausbreiten und dadurch im Endeffekt der Wirtschaft erst recht erheblichen Schaden zufügen. Wir sind doch alle nur noch Sklaven von globalen "Märkten".

  • Housi am 27.02.2020 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Probleme

    Den meisten sind unsere Probleme egal, Hauptsache sie haben ihr I phone!

  • Leserin am 27.02.2020 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt es eigentlich?

    Stimmt es eigentlich, dass Bundeskanzlerin A. Merkel schwer erkrankt ist und deswegen nicht mehr öffentlich in Erscheinung tritt? Ist sie in dieser Situation denn überhaupt noch tragbar in ihrer politischen Position?