Occasionsmarkt

28. September 2015 13:14; Akt: 28.09.2015 16:52 Print

Was der VW-Skandal für Ihr altes Auto heisst

von S. Spaeth/K. Wolfensberger - Der VW-Skandal trifft auch Private. Der drohende Zulassungsstopp drückt den Wert der Fahrzeuge. Kann ich auf Schadenersatz klagen? Die wichtigsten Antworten.

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Der am Freitagabend vom Bundesamt für Strassen (Astra) in Kraft gesetzte Zulassungsstopp für von Abgasmanipulationen betroffene VW-Neuwagen könnte neben den Garagisten bald auch Schweizer Privatbesitzer und Firmen treffen. Das Astra arbeitet derzeit an einer Verfügung. Was bedeutet dies für Schweizer VW-Besitzer? Die Redaktion klärt die wichtigsten Fragen.

Bleibe ich jetzt auf meinem VW-Diesel sitzen?
Konkret können die Fahrzeughalter die Autos derzeit zwar noch verkaufen, sie einzulösen könnte aber schon bald schwierig sein. Das Astra arbeitet an einer Verfügung. Im Extremfall könnten auch bereits in Verkehr gesetzte Fahrzeuge nicht mehr neu zugelassen werden, wodurch der Occasionsmarkt sozusagen ausgeschaltet wäre. Roger Kunz vom Verband freier Autohandel Schweiz (VFAS) sagt zu 20 Minuten: «Private haben fast keine andere Wahl, als im Moment auf einen Verkauf zu verzichten. Sie müssen warten, bis VW die Fehler behoben hat.» Das Bundesamt betont im Gespräch mit 20 Minuten, dass im Moment betroffene Occasionsfahrzeuge bei den Strassenverkehrsämtern noch zugelassen werden können.

Wie wird VW die Fehler beheben?
Laut Informationen von VW dürfte es bald zu einer Rückruf-Aktion kommen. Nach Einschätzung von Roger Kunz könnte dies im Rahmen einer Serviceaktion geschehen – die Autos müssen also in die Garage gebracht werden.

Was ändert sich an meinem Auto konkret?
Wie Oliver Lemcke, Geschäftsführer des Basler Autoimporteurs Car-Consult erklärt, wird es dann vermutlich zwei Möglichkeiten geben: Entweder werden die Fahrzeuge nicht die niedrigen Abgaswerte erfüllen oder sie werden voraussichtlich eine etwas geringere Leistung aufweisen. Definitive Aussagen können zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht gemacht werden und es gibt noch keine offizielle Aussage des Herstellers oder des Generalimporteurs.

Kann ich als Besitzer eines betroffenen VW-Modells die Garage oder die Marke VW verklagen?
Das dürfte schwierig oder nur bedingt sinnvoll sein. Zwar haben die Käufer einen Gegenstand erworben, der sich nachträglich als mangelhaft herausstellt und selbst bei einer Nachbesserung einen Wertverlust erleidet. «Die Wertminderung ist unbestritten, zumal wesentliche Eigenschaften wie beispielsweise der geringe Schadstoffausstoss nicht gewährt werden», sagt Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern. Das Problem: Die erlittene Schadenshöhe müsse durch den Käufer belegt werden, was sehr schwierig und teuer sei.

Welche Möglichkeiten haben Schweizer Käufer?
Weil in der Schweiz die Sammelklage nicht vorgesehen ist, wird laut Peter V. Kunz niemand wegen einigen tausend Franken Schaden den VW-Konzern einklagen. Zu teuer wären die Anwaltskosten. Das Schweizer Obligationenrecht sieht jedoch die Mängelrüge vor. Demnach muss ein Käufer einen Mangel sofort nach seiner Entdeckung melden. Es besteht jedoch eine Verjährungsfrist von zwei Jahren nach Ablieferung (Art. 210 Abs. 1 OR). Der Verkäufer hat laut Peter V. Kunz dann die Pflicht, den Mangel zu beheben oder Ersatz zu leisten. Kunz geht davon aus, dass sich die VW-Vertretungen in der Schweiz kulant zeigen und nicht auf juristische Schritte der Kunden warten.

Was bedeutet der Astra-Entscheid für die Händler?
Der VFAS rechnet mit etwa 1000 Autos, die bei Schweizer Händlern nicht immatrikuliert in den Garagen stehen. Diese Autos könnten durch den Entzug der Typengenehmigung praktisch nicht mehr verkauft werden. Der VFAS beziffert den Schaden auf mehrere Millionen Franken. «Dass nun auch Händler des Verbandes der freien Autohändler die Zeche für werkseitige Verfehlungen zahlen sollen, stösst bei uns auf Unverständnis», so der VFAS. Man prüfe deshalb «Schadenersatzforderungen gegenüber den Verantwortlichen, also VW».

Geht die Nachfrage nach VW-Occasionen bereits zurück?
«Es kann bei uns zurzeit kein klarer Trend erkannt werden bezüglich eines Nachfragerückgangs, auch nicht bei den Suchabfragen nach den betroffenen VW-Auto-Typen», so Simon Marquard von autoricardo.ch zu 20 Minuten. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte dies jedoch möglich sein. Auch bei car4you.ch oder der Firma Car Consult spürt man bisher noch keinen Nachfrage-Rückgang, wie Sprecher beider Unternehmen zu 20 Minuten sagen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roli am 28.09.2015 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Hauptsache das ASTRA kann sich aus der Verantwortung stehlen. Wer hat seine Aufgaben nicht gemacht - der Hersteller, das Kontrollorgan oder der Käufer? Wer soll jetzt gebüsst werden ...

    einklappen einklappen
  • Peter Müller am 28.09.2015 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    ÜBERVERSICHERTE SCHWEIZER

    Jetzt die Rechtsschutzversicherung einschalten - da spielen ja die Kosten keine Rolle...!

    einklappen einklappen
  • Willy am 28.09.2015 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medien

    Wann bringen Medien Fakten, die sie sich nicht aus den Fingern gesogen haben?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rene am 29.09.2015 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Werminderung

    Wer glaubt den daran, dass VW dass Problem technisch lösen kann? Ein technisches Unvermögen war ja der Auslöser für die Betrugssoftware. Wenn die Motorenleistung nach der Rückrufaktion viel kleiner ist, dann muss VW diese Wertminderung ausgleichen. Hoffe dass hier das ASTRA hart am Wind bleibt und zwar für den Kunden.

  • Stefan B. am 29.09.2015 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Gratisanwälte?

    Schön das die die arbeiten sich schnell mal keinen Anwalt mehr leisten können oder es einfach schnell unverhältnismässig wird, während andere die gar nichts machen einen gratis Anwalt bekommen.

  • Carlo Jesse am 29.09.2015 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Autoguro

    Falls man sich mit dem ganzen Thema nicht auseinandersetzen möchte gibt es die Firma Hier kann man seinen VW, Audi, Skoda in nur wenigen Minuten verkaufen und das Auto wird aus der Schweiz abgeholt.

  • A. Automechaniker am 28.09.2015 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fakten ?

    Da wird geschrieben, gewettert, gemutmaßt, vorausgesagt bis zum Rufmord. Niemand (oder nur ganz, ganz wenige) weiß worum es eigentlich geht. Bitte versucht doch mit etwas Geduld zu warten bis die Fachleute Ursache und Lösung gefunden haben - das gilt auch für die Presse und das Astra. Die vielen Arbeitsplätze, wie Garagen, Zulieferer, Händler usw. (auch in der Schweiz) die von diesem Fahrzeuggeschäft abhängig sind erfordern überlegtes Handeln. VW hat es verdient sachlich beurteilt und nicht vorverurteilt zu werden. Wir haben auf der Welt echt größere Sorgen.

    • Ric04 am 29.09.2015 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @A. Automechaniker

      Ich stimme zu. Bevor man VW beurteilt, sollten wir auch nicht aus der Sicht verlieren, das das Ganze ein Wirtschaftskrieg ist, und das das ganze Skandal an anderen profitiert !

    einklappen einklappen
  • dominic am 28.09.2015 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    no chance

    kommt mal alle wieder runter. so lange ihr nicht nachträglich höhere steuern wegen den schadstoffen bezahlen müsst wird eine minderung des kaufpreises oder so sehr schwer zu belegen. wenn man auf eine wertminderung des autos gehen möchte, muss man dies auch erst einmal beweisen können (vor allem als occassionsfahrzeug). PS zahlen streuen auch schon seit eh und je. Da werden Fahrzeuge mit 250 PS verkauft und bringen auf dem Prüfstand dann nur noch 225. Auch hier hat man keine Chance. Das gibt dann ein ewiges hin und her mit nachbessern und verschiedenen ansichten zu dem testverfahren etc etc