Handelsabkommen

22. Januar 2020 20:23; Akt: 22.01.2020 20:23 Print

Was ein Deal mit Trump der Schweiz bringt

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat am WEF erklärt, dass die Schweiz Interesse an einem Handelsabkommen mit den USA habe. Was bringt das, und was spricht dagegen?

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Im Rahmen des World Economic Forum (WEF) hat Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga den US-Präsidenten Donald Trump getroffen. Ausser dem Klima und dem Iran waren auch die Wirtschaftsbeziehungen ein wichtiges Gesprächsthema. Dabei betonte Sommaruga, dass die Schweiz die Beziehungen mit den USA verbessern möchte. Man habe Interesse an einem Handelsabkommen mit den USA. Doch ist ein Abkommen wichtig für die Schweiz? Wer profitiert davon, und was spricht dagegen? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

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Ein Freihandelsabkommen mit den USA ist ...

Braucht es ein Freihandelsabkommen mit den USA?

Wie die EU sind die USA ein wichtiger Handelspartner der Schweiz. Fast 20 Prozent aller Schweizer Exporte gehen in die USA. Trotzdem hat das Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten im Moment keine Priorität für die Schweiz, wie Manfred Elsig sagt. Er ist Professor für Internationale Beziehungen am World Trade Institute an der Universität Bern. Ein Grossteil der US-Forderungen habe wenig mit Freihandel zu tun: «Trump will die Exporte fördern und die Importe drosseln und gleichzeitig Investitionen in die USA locken», erklärt Elsig. In diesem Sinn wäre das Handelsabkommen nicht ausgewogen.

Wieso will die Schweiz trotzdem einen Deal mit den USA?

Trotz des «Etikettenschwindels» dürfe sich die Schweiz nicht zu stark gegen das Freihandelsabkommen wehren, so Elsig. Schliesslich wolle die Schweiz nicht riskieren, «mit unnötigen Strafzöllen auf Schweizer Exporte in die USA belegt zu werden». Trump schreckt nämlich nicht vor Strafzöllen zurück. Am WEF drohte er der EU damit. Sein Vorwurf: Die Europäische Union exportiere deutlich mehr in die USA als umgekehrt.

Wer würde vom Abkommen profitieren?

Durch ein Handelsabkommen mit den USA würde der Marktzugang vereinfacht. «Die gegenseitige Anerkennung von Test- und Prüfverfahren würde die Kosten senken», sagt Manfred Elsig. Auch würden gewisse Produkte billiger werden, wovon die Schweizer Konsumenten profitieren würden. Viel mehr Arbeitsplätze würden durch ein Freihandelsabkommen aber nicht geschaffen werden, so Elsig.

Was haben die USA vom Deal mit der Schweiz?

Simonetta Sommaruga betonte nach dem Gespräch mit Trump, dass auch die USA von einem Abkommen mit der Schweiz profitieren würden. «Wir haben aufgezeigt, wie viel wir in den USA investieren und dass wir da auch Arbeitsplätze schaffen – besonders in der Pharmabranche», so die Bundespräsidentin während der Pressekonferenz. Laut Manfred Elsig ist das Abkommen mit der Schweiz für die USA aber nicht deshalb interessant: «Trump möchte vor allem mehr Waren in die Schweiz exportieren können und Investitionen in die USA locken.»

Wann könnte das Freihandelsabkommen in Kraft treten?

Über konkrete Verhandlungen zum Freihandelsabkommen hätten Sommaruga und Trump am WEF nicht sprechen können. Jedoch habe man alle wichtigen Punkte gestreift, so Sommaruga nach dem Treffen. Es werde allerdings noch Arbeit brauchen, denn noch befindet sich die Schweiz in Vorgesprächen mit den USA. «Wenn die Verhandlungen beginnen, kann das aber rasch gehen», sagt Elsig. Dann könnte es sich um wenige Monate handeln, bis die Verhandlungen abgeschlossen sind.

(bsc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fh am 22.01.2020 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fraglich

    Ist denn eine Pianistin die richtige Ansprechpartnerin in Handelsfragen?

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  • Josef Schwab am 22.01.2020 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bonzen, was ist mit Euch?

    Warum denk ich lese ich von Gewalt, Kriminelles immer an SP, GRÜN Partein in Städten vor allem wo dieselben das Sagen, Staatsgewalt haben ? Als Sozialist muss man doch gegen Kriminelles sein, auch um Glaubwürdig zu bleiben!

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  • Peter B. am 22.01.2020 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Green Card

    Mal schauen ob wir dann auch ein extra Kontingent Green Cards erhalten, wie andere Staaten. Das wäre neben den Steaks ein riesen Vorteil am Deal.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marlies2018 am 24.01.2020 00:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwache Sommaruga

    Beim Gespräch Trump-Sommaruga hat man überdeutlich gesehen, wie schwach die Bundespräsidentin ist. Null Eloquenz, kein Pfiff, Witz, Humor, Schlagfertigkeit, Ausdrucksvermögen. Vom Sprachlichen und von Gesprächsführung gar nicht zu reden. Sie schien wie erstarrt und überwältigt vor dem Präsidenten. Trump empfing sie aus Anstand und Respekt vor dem Schweizer Gastgeber, ansonsten würde er mit so jemandem gar nicht reden.

  • Homer am 23.01.2020 23:30 Report Diesen Beitrag melden

    SS hat alles vergeigt...

    Konklusion: Leider ist es nicht möglich, S. Sommaruga schon morgen zu entlassen. Aber für die Schweiz ist es essenziell, die jetzige Bundespräsidentin niemals mehr auf massgebende ausländische Persönlichkeiten der Wirtschaft und Politik los zu lassen. Was diese Person am WEF vergeigt hat, ist verheerend.

  • Easy Money am 23.01.2020 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    no problem

    sobald der Trumpel wieder weg ist, künden wir den Vertrag einfach wieder (einseitig) auf - und die Wahlen sind nicht mehr allzuweit weg.

    • Stable Genius am 23.01.2020 23:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Easy Money

      ausserdem schieben wir die Umsetzung solange auf die lange Bank bis er Ende Jahr abgewählt ist.

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  • Ungebildeter Stammtischler am 23.01.2020 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Führungsstärke

    Somaruga wäre in der Privatwirtschaft kaum in der Lage ein Unternehmen zu leiten und schwierige Verhandlungen zu führen. Trump wird sich wohl kaum mehr an diese unscheinbare Frau erinnern...

  • PlazeboZH am 23.01.2020 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    passt doch wunderbar....

    ....dann kann die CH ja sämtliche verträge mit der verhassten EU auslösen und sich mit den USA ein neues standbein und handelpartner suchen...

    • ZuerstDenker am 23.01.2020 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PlazeboZH

      Ein Handelsanteil mit der EU von 263 Mia. CHF oder 60.5% gibt man nicht einfach so mal auf, das wäre grobfahrlässig. Und übrigens: wenn du einer der lauthalsen EU-Bashers bist solltest du erst mal nachdenken, bevor du einen Kommentar schreibst. Vielen Dank.

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