Deutsche Mega-Fusion

19. März 2019 06:48; Akt: 19.03.2019 08:09 Print

Verlieren jetzt Tausende Banker ihren Job?

von Dominic Benz - Die Deutsche Bank und die Commerzbank wollen fusionieren. Was bedeutet das für die Schweizer Banken? Die wichtigsten Antworten.

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In der Finanzbranche zeichnet sich ein Megafusion zwischen den beiden grössten Privatbanken Deutschlands ab: Die Deutsche Bank und die Commerzbank bestätigen Gespräche über einen Zusammenschluss. Beide Geldhäuser betonen aber, dass ein solcher noch nicht eine ausgemachte Sache sei. Wie wahrscheinlich ist also eine Fusion? Und was würde diese für die Schweizer Banken bedeuten?

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Wie stehen die Banken derzeit da?
Bei der Deutschen Bank haben hausgemachte Probleme, teure Prozesse und Skandale Milliarden verschlungen. Der Aktienkurs ist im Keller. Die Commerzbank steckt seit Jahren in einem Konzernumbau fest und ist in die zweite Börsenliga abgestiegen. An der Weltspitze spielen die Häuser längst nicht mehr mit. «Beide Banken sind sehr schwach aufgestellt», sagt Manuel Ammann, Direktor am Schweizerischen Institut für Banken und Finanzen, zu 20 Minuten.

Warum wollen die Banken fusionieren?
Auslöser der Fusionsgespräche ist die Politik. Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz betont immer wieder, dass Deutschland starke Banken brauche. «Es gibt starken politischen und wirtschaftlichen Druck», erklärt Ammann. Hinzu kommt, dass der Staat seit der Finanzkrise 15 Prozent an der Commerzbank hält und damit Mitspracherecht hat. Viele Politiker warnen allerdings: Der Staat dürfe sich nicht in die Geschäfte der Bank einmischen.

Wie wahrscheinlich ist ein Zusammenschluss?
Eine Fusion könne laut Ammann als Ausweg aus der misslichen Lage der beiden Banken gesehen werden. «Daher sind die Chancen für einen Zusammenschluss intakt.» Vor allem, weil die deutsche Politik in der heimischen Bankenbranche Handlungsbedarf sehe. «Und nicht etwa, weil eine Fusion so sinnvoll wäre», so Ammann.

Was wären die Folgen für die UBS und die CS?
Ammann sieht keine unmittelbaren Folgen für die Schweizer Grossbanken. Die Geschäftsbereiche der beiden deutschen Institute würden sich zu wenig mit jenen der UBS oder CS überschneiden. Auch würde es nicht in der Schweiz zu einem Fusionsdruck kommen. «Bezüglich Profitabilität sind die Schweizer Banken in einer viel besseren Situation», so Ammann.

Könnte die Deutsche Bank auch mit der UBS oder der CS fusionieren?
Seit Monaten denkt die Deutsche Bank über Fusionspläne nach. An einem Strategietag spielte das Management auf dem Papier gar eine Fusion mit der UBS durch. «Die Deutsche Bank muss profitabler werden. Da werden auch andere Möglichkeiten durchgespielt», so Ammann. Grenzüberschreitende Fusionen seien aber schwierig. Weil die Geschäftsbereiche sich weniger überschneiden, hätte man weniger Potenzial, um Kosten zu sparen.

Kommt es zu Massenentlassungen?
Beide Banken zusammen beschäftigen rund 133'000 Vollzeitmitarbeiter. Experten rechnen mit einem Abbau von 30'000 bis 50'000 Jobs. Auch für Bankenexperte Manuel Ammann ist klar: «Zehntausende Stellen sind gefährdet.» Die Überschneidungen zwischen den Banken sei gross. «Es würde faktisch zu einer Liquidierung einer Bank führen.» Laut Ammann dürfte von der Commerzbank weniger übrig bleiben als von der Deutschen Bank.

Warum steigen die Aktien der Schweizer Banken?
Die Aktienkurse der deutschen Bank und der Commerzbank stiegen am Montag deutlich. «Europaweit haben die Aktien der Banken positiv reagiert», sagt Javier Lodeiro von der Zürcher Kantonalbank. Die Aktien der UBS und CS legten über 2 Prozent zu. Die Fusionsgespräche beflügeln laut Lodeiro den Sektor. Denn: Wenn im Nachbarland solche Fusionen möglich seien, könne das auch in der Schweiz grundsätzlich der Fall sein. «Auch wenn das derzeit nichts mit der Realität zu tun hat», so der Analyst.

Sind die Deutsche Bank und die Commerzbank auch in der Schweiz vertreten?
Beide Geldhäuser haben hierzulande Niederlassungen. Die Commerzbank konzentriert sich auf Privat- und Firmenkunden. Bei der Deutschen Bank sind die über 500 Mitarbeiter hierzulande vor allem mit dem Anlegen der Vermögen reicher Kunden beschäftigt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mannade am 19.03.2019 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Too big to fail

    Immer alles schön zentralisieren, brennt im Ernstfall auch besser ;-)

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  • a.sch. am 19.03.2019 07:05 Report Diesen Beitrag melden

    die untersten arbeiter / schicht

    verlieren ihren job, während dessen manager millionen bekommen als bonus

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  • DR. FMH am 19.03.2019 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus zwei Kranken mach einen gesunden

    Wenn zwei Kranke zusammen gehen, ist am Schluss nicht einer gesund

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Picard am 20.03.2019 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Verlieren tausende Banker ihren Job?

    Geri. "..das ist erst der Anfang von 1929 hoch 3".Es kann auch der Anfang von einem zweiten 1789 und St.Petersburger hoch 3 sein. Nur viel radikaler.Abwarten und Tee drinken....

  • Hoffentlich läuft da eine Anwesenheits- am 20.03.2019 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Sanierung in den Kreisen der oberarro-

    ganten Schnösels der D-Bank, hochnäsiger als diese, sind/waren bisher nur noch die Raiffeisen-Räuber-Banker der CH.

  • Gene Amdahl am 20.03.2019 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Faktisch sind beide ...

    Banken schon längst pleite gegangen ...

  • Picard am 20.03.2019 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Verlieren tausende Banker ihren Job?

    Das wird jetzt vielen nicht in den Kram passen. Vor über hundert Jahren schrieb Lenin als er in Zürich war ,das Buch:'Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus'.Schon damals legte er dar,dass die Konzentration der Banken und das Grosskapital unweigerlich zur Verarmung und Verelundung der Völker ,schlussendlich auch zum Krieg führen werden.Es folgt bald der nächste gross Crash und dann zum Krieg.Wir stehen jetzt beidem davor.Das schleckt keine Geiss mehr weg.

  • Kurt Nepp am 19.03.2019 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Toll für die CH-Banken

    Spitze. Dann bleiben die Banken zusammen gesund. Und die arbeitslosen Bankangestellten, sorry Banker, sind in der Schweiz willkommen. Jung, günstig und ersetzen die alten Schweizer Säcke, viel zu teuer und unflexibel.