Pionier am Taumeln

07. Juni 2019 09:21; Akt: 07.06.2019 09:21 Print

Kann Tesla überhaupt pleitegehen?

von Dominic Benz - Der US-Elektroautopionier steckt in der grössten Krise seines Bestehens. Ist Tesla bald am Ende? Die wichtigsten Antworten.

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Tesla-Chef Elon Musk steckt mit seinem Unternehmen bis zum Hals in Problemen. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres fuhr das Unternehmen einen Verlust von 700 Millionen Dollar ein und verkaufte gegenüber dem Vorquartal knapp ein Drittel weniger Autos. Schwierigkeiten bereitet unter anderem das Model 3: Die Produktion sowie die Auslieferung verlaufen schleppend. Hürden gibt es auch im für Tesla wichtigen Markt China: Grund sind die lokale Konkurrenz sowie Handelsstreit zwischen der Volksrepublik und den USA. Im April brachen die Verkaufszahlen zum Vormonat um knapp ein Fünftel ein. Ein düsteres Szenario beschrieb kürzlich der New Yorker Professor und Branchenkenner Scott Galloway: Das werde das Jahr sein, in dem sich Tesla beginne aufzulösen. Anfang Mai musste Tesla 2,7 Milliarden Dollar frisches Geld aufnehmen. Monate vorher betonte Musk, dass man keine Geldspritze benötige. Musk verspricht immer wieder mal Dinge, die er nicht halten kann. Bereits 2017 sollte zum Beispiel ein selbstfahrender Tesla quer durch die USA fahren. Geschehen ist das immer noch nicht. 2018 werde Tesla insgesamt 500'000 Fahrzeuge produzieren, hiess es 2016 in einem Brief von CEO Elon Musk und CFO Jason Wheeler an Investoren. Diese Zahl erreichte Tesla nicht einmal annähernd: Der Autobauer stellte mit rund 250'000 Teslas gerade einmal die Hälfte der prognostizierten Fahrzeuge her. Im Sommer 2018 strich Tesla 9 Prozent der Arbeitsplätze – etwa 4000 Jobs. «Wir treffen diese schwere Entscheidung jetzt, damit wir das nie wieder tun müssen», erklärte der CEO die Massenentlassungen in einem Schreiben an die Angestellten. Bereits ein halbes Jahr später kam die nächste Entlassungswelle. Im Januar 2019 verkündete der Autobauer einen weiteren Abbau von 7 Prozent der Vollzeitstellen – das traf weitere 3000 Mitarbeiter. Als Elon Musk 2016 die Solardach-Ziegel von Tesla vorstellte, beschrieb er das Angebot als «ein Dach, das besser aussieht als ein normales, doppelt so lange hält, weniger kostet und auch noch Elektrizität generiert». Der Haken: Beispielrechnungen zeigen, dass das Tesla-Dach um ein Vielfaches teurer ist als ein herkömmliches. Im August 2018 schrieb Elon Musk auf Twitter, er habe die Finanzierung für Teslas Börsenaustritt gesichert. Wie sich herausstellte, war das aber gar nicht der Fall – die US-Börsenaufsicht warf Musk deswegen Betrug vor.

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Die Abwärtsspirale bei Tesla dreht sich immer schneller. Zwar prophezeien schon seit Jahren Analysten und andere Experten den baldigen Untergang des US-Elektroautopioniers. Und Tesla-Chef Elon Musk konnte bisher immer wieder seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Doch mittlerweile scheint die Lage so ernst wie nie zu vor zu sein. Sind die Tage von Tesla gezählt? Und ist eine Pleite überhaupt möglich? Die wichtigsten Antworten:

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Wie schlimm steht es um Tesla?

Tesla steckt in der tiefsten Krise seit der Firmengründung. Das machen auch die Zahlen deutlich: Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs fuhr das Unternehmen einen Verlust von 700 Millionen Dollar ein und verkaufte gegenüber dem Vorquartal knapp ein Drittel weniger Autos. Weil das Geld immer knapper wird, musste Tesla Anfang Mai 2,7 Milliarden Dollar frisches Geld aufnehmen, obwohl Musk zuvor noch gross verlauten liess, man habe keine Geldspritze nötig.

Was sind die Probleme?

Schwierigkeiten bereitet unter anderem der Model 3: Die Produktion sowie die Auslieferung verlaufen schleppend. Befürchtet wird, dass der günstigere Model 3 die Nachfrage der Modelle S und X kannibalisiert. Hürden gibt es auch im für Tesla wichtigen Markt China: Gründe sind die lokale Konkurrenz sowie der Handelsstreit zwischen der Volksrepublik und den USA. Im April brachen die Verkaufszahlen zum Vormonat um knapp ein Fünftel ein. Zu kämpfen hat Tesla auch mit technischen Problemen wie dem Autopiloten.

Wie reagieren die Anleger?

Wie ernst die Lage bei Tesla ist, zeigt sich an den Börsen. Die Anleger flüchten angesichts der immer grösser werdenden Krise aus der Aktie. Der Kurs ist praktisch im freien Fall. Seit Anfang Jahr hat er über 40 Prozent nachgegeben und ist unter die Marke von 200 Dollar gerutscht. Die Technologie-Börse Nasdaq, an der die Tesla-Aktien kotiert sind, legte in dieser Zeit um weit mehr als 10 Prozent zu. In dieser Woche erholten sich die Tesla-Aktien wieder leicht.

Droht bald die Pleite ?

Ende Mai schrieb Musk in einem internen Mail, das die Cash-Reserven des Unternehmens in zehn Monaten aufgebraucht seien, wenn man die Kosten nicht sofort in den Griff bekomme. Ein düsteres Szenario beschrieb kürzlich der New Yorker Professor und Branchenkenner Scott Galloway: Das werde das Jahr sein, in dem sich Tesla aufzulösen beginne. Tesla selbst teilte auf Anfrage mit, man könne sich nicht zu spekulativen Themen äussern und auch keine zukunftsgerichteten Aussagen treffen.

Kann Tesla überhaupt pleitegehen?

Ein Unternehmen kann theoretisch immer pleitegehen. Die Marke dürfte aber weiter bestehen. «Die Chance ist gleich null, dass die Marke Tesla verschwinden würde, sollte sich die Situation zuspitzen», sagt Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer auf Anfrage. Die Marke sei viel zu viel wert, um sie einfach fallen zu lassen. Bei einem grossen Aktienabsturz würden andere Tesla übernehmen und weiterführen. «Ohne Musk gäbe es zwar weniger Innovationen. Aber das Unternehmen wäre dann wahrscheinlich breiter und stabiler aufgestellt», so Dudenhöffer.

Wer ist an Tesla interessiert?

Laut Dudenhöffer sind viele Unternehmen sowohl an der Marke als auch an der Technologie interessiert. «Viele dürften auf eine kritische Lage bei Tesla warten, um in eine Übernahme einsteigen zu können», so der Experte. Sinkt der Aktienkurs noch weiter, könnte Tesla schon bald zum Übernahmeziel werden. Neben Apple werden auch Google oder Amazon als potenzielle Käufer gehandelt. Aber auch Autobauer aus China oder Fiat Chrysler seien mögliche Kandidaten, so Dudenhöffer. Derzeit hat Tesla eine Marktwert von rund 34 Milliarden Dollar. Branchenkenner Galloway geht davon aus, dass ein anderes Unternehmen ab einem Börsenwert von 25 Milliarden Dollar zuschlagen könnte. Das wäre bei einem Aktienkurs von rund 150 Dollar der Fall.

Wer würde von einer Pleite profitieren?

Für Dudenhöffer ist klar: «Bekommt ein Innovationsführer wie Tesla grosse Probleme, profitieren praktisch alle Konkurrenten davon.» Das dürfte sich auch an den Börsen zeigen. Sollte Tesla das Geld tatsächlich ausgehen, wird das laut Analysten die Aktienkurse vor allem von europäischen Premiumherstellern wie BMW und Daimler beflügeln. Auch Zulieferer könnten profitieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr. Strange am 07.06.2019 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Klar...

    Seit 5 Jahren ist Tesla in 3 Monaten pleite.

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  • THINK am 07.06.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Momentan ist es so

    Das Tesla noch der einzigste Konzern ist welcher in nenennswerten Stückzahlen E-Autos liefern kann (verglichern mit Vebrennern allerdings sehr wenig) . Bisher habe ich im wesentlichen von z.B. Deutschen Herstellern nur Ankündigungen gehört. (wohlwissend das es z.B. auch ein E-Golf oder BMW I3 gibt - aber geringe Martktanteile) . Die Frage ist : Welcher Hersteller hat zukünftig genug Batteriezellen zur Verfügung um auf eine hohe Stückzahl zukommen ? Vielleicht wird auch der falsche Weg eingeschlagen ? Die Japaner setzen z.B. eher auf die Brennstoffzelle.

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  • Alain am 07.06.2019 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Jede Firma kann Pleite gehen!

    Auch die Auto-ikonen GM und Chrysler waren schon mal unter Chapter 11. Der Name und die Produkte werden bleiben, die gekniffenen sind die Aktionäre und Obligationäre von heute. Die Profiteure sind die Konkurenz und die Banken die sich für ihre Kredite werthaltige Sicherheiten haben geben lassen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Porschefahrer am 12.06.2019 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Zweitwagen

    Würde mich für einen Zweitwagen interessieren für meine Family, hier vor allem Tesla x SUV in all black mit schwarzen Felgen und weissem Interieur, sind heiss aus und fährt sich sehr gut...leider viel zu teuer als Zweitwagen...und der Tesla 3 gefällt mir vom Design her nicht, der Tesla S ist auch zu teuer. Die müssen mit den Preisen runter.

  • E-Guru am 10.06.2019 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Disruption

    +++ Ein wettbewerbsfähiges Elektroauto anbieten zu können, ist zu einer Überlebensfrage für die Autokonzerne geworden. Die traditionellen Hersteller haben jedoch gegenüber den Emporkömmling Tesla ein gewichtiges Handicap: Sie müssen dafür sorgen, dass ihre alten Produktionsanlagen mit den Verbrennungsmotor-Modellen ausgelastet sind und gleichzeitig die neuen Werkhallen hochziehen. +++

  • elotor am 10.06.2019 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    theoretisch

    ist alles möglich... :-) Tesla als Marke, wird alle Krisen überstehen... Elon vermutlich nicht. Ich sehe eher für ein paar Europäische Autobauer grau bis dunkelschwarz... Mal die nächsten fünf Jahre abwarten :-)

  • Max am 10.06.2019 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man!!!

    Tesla hat Europa und jetzt weitere Kontinente beliefert! Lieferzeit bis zu 1-3 Monate. Diese Verkäufe zählen erst, wenn sie vom Käufer übernommen werden. Also, was meint ihr, wieso wohl die Verkäufe zurück gingen und im nächsten Bericht explodieren werden.

  • Metalwar am 10.06.2019 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Never Surrender

    Alles erlebt in den letzten 40 Jahren. Wir dachten auch, unmöglich; weil Brand, weil Patente, weil Innovation ... wo sind sie Heute ? Xerox, Atari, Commodore, Motorola, Sega, Nokia, Olivetti ... möglich war es wohl einmal. Aber im Zeitalter, in dem ein Zuckerberg als Genie hochsterilisiert wird, nur weil Er die Bulletin Board System's für das Web adaptiert hat oder sich Google an ASM sourcecodes aus den 80'er Jahren bedient auf welchen KI aufgebaut wird, dann solches noch Patentieren lässt ... in diesen Zeitalter ist es Definitiv nicht mehr möglich, dass etwas wie Tesla verschwindet.