Währungspolitik

19. Juni 2010 17:11; Akt: 20.06.2010 14:06 Print

Was hat China mit dem Renminbi vor?

Jahrelang droschen westliche Politiker auf China ein: das Land verbillige künstlich seine Währung und verzerre so den Wettbewerb. Nun will China seine Währung schrittweise freigeben.

storybild

China signalisiert grössere Flexibilität bei seiner Währung - den Aussenhandel wird das Land aber nicht gefährden. (Bild: Keystone/AP)

Fehler gesehen?

China will die direkte Kopplung seiner Landeswährung Yuan an den Dollar aufgeben. Eine Woche vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Toronto teilte die chinesische Zentralbank am Samstag mit, sie wolle ihr Wechselkursregime für die auch Renminbi genannte Währung lockern: «Es ist wünschenswert, mit der Reform des Wechselkursregime für den Renminbi voranzuschreiten und die Flexibilität des Wechselkurses zu erhöhen.»

«Die Weltwirtschaft erholt sich schrittweise. Die Erholung und der Aufschwung der chinesischen Wirtschaft ist solider geworden mit einer zunehmenden wirtschaftlichen Stabilität», begründete die Zentralbank ihren Schritt. Zu einem möglichen Zeitpunkt äusserte sich die Notenbank nicht. Die USA und der Internationale Währungsfonds (IWF) begrüssten die Absicht Chinas.

Ambivalente Folgen für die USA

Der Exportweltmeister wird von den USA und anderen westlichen G20-Ländern seit längerem beschuldigt, sich mit der künstlich niedrig gehaltenen Währung Vorteilen im internationalen Handel zu verschaffen.

Vor allem die USA üben Druck auf die Volksrepublik aus, den Renminbi aufzuwerten. Da die chinesische Währungspolitik jedoch durch Dollarkäufe indirekt die Staatsverschuldung der USA stützt, hätte eine Aufwertung des Renminbi für die USA ambivalente Folgen.

Skeptische USA, Kritik in China

US-Finanzminister Timothy Geithner begrüsste die chinesische Ankündigung, betonte aber, Peking müsse seinen Worten auch Taten folgen lassen. «Der eigentliche Test wird sein, wie stark und wie schnell sie ihre Währung aufwerten lassen», erklärte Geithner am Samstag.

In China selbst stiess die Entscheidung auf Kritik. Der Wirtschaftswissenschaftler Ye Tan schrieb in einem Kommentar für die Online-Ausgabe der Zeitung «National Business Daily», die chinesische Exportwirtschaft leide bereits unter steigenden Lohnkosten und der Aufwertung des Yuan gegenüber dem schwächelnden Euro. Eine Aufwertung gegenüber dem Dollar «muss warten, bis sich die Inlandsfrage in China ausgeweitet hat», kritisierte der Wissenschaftler.

(ast/sda/ap)