Dollar-Crash

25. Februar 2011 10:38; Akt: 25.02.2011 10:58 Print

Was hinter der Dollar-Schwäche steckt

von Hans Peter Arnold - Nachdem der Dollar auf ein Allzeittief gestürzt ist, rechnen die Analysten mit einer Erholung. 20 Minuten Online zu den Hintergründen und Prognosen.

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Der Franken rückt in den Vordergrund. Doch, das Comeback des Greenback naht. (Bild: Keystone)

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Die Eskalation in Libyen hat die Investoren in Scharen dazu gebracht, ihr Geld in Schweizer Franken anzulegen. Deshalb sank der US-Dollar am Donnerstag gegen Mittag auf rund 92 Rappen. Es folgte eine leichte Erholung. Doch bereits am Nachmittag, um 14.30 Uhr, sackte der Dollar erneut auf den exakt selben Wert von 92,4 Rappen ab, um sich schliesslich erneut aufzurappeln.

Technische Analysten sprechen in diesem Fall von einer Unterstützung. Das heisst: Fällt ein Kurs einer Devise, Aktie oder eines Rohstoffs mehrmals auf denselben Wert, so wirkt diese Bodenbildung stabilisierend. Die Wahrscheinlichkeit eines Anstieges ist grösser als ein weiterer Absturz. Deshalb gehen die Händler in den nächsten Tagen wieder von einem steigenden US-Dollar aus.

Dollar ist ein Schwächling — aber nicht der einzige

Zwar ist der Dollar ein Schwächling. Doch die Weltwährung hat bis heute keine echte Konkurrenz. Der Euro ist ebenso ein Schwächling, wie die Krise verschiedener Euro-Länder schmerzlich gezeigt hat. Folgerichtig gibt es deshalb mittelfristig zwischen dem Dollar und dem Euro keinen eindeutigen Trend: Derzeit ist der Euro 1,379 US-Dollar wert. Das ist ungefähr der Durchschnitt der Notierungen seit Anfang 2007. Der Dollar ist verglichen zum Euro vom Rekordtief im Jahr 2008 weit entfernt.

Deshalb müsste man eigentlich von einer Franken-Stärke und nicht von einer Dollar-Schwäche sprechen. Gemäss der neuesten Schätzung von Jan Amrit Poser, Bank Sarasin, sollte der Dollar bis Mitte Jahr wieder auf 98 Rappen steigen. In den nächsten zwölf Monten sieht Sarasin den US-Dollar bei 1,04 Franken. Somit ist Sarasin in guter Gesellschaft: Der Konsens (Mittelwert) der Analystenschätzungen geht ebenfalls von einem steigenden Dollarkurs aus.

Weshalb der US-Dollar die Leitwährung bleibt

Schliesslich ist zu erwarten, dass die amerikanische Notenbank spätestens in einem Jahr die Zinsen kräftig erhöhen muss. Die erheblich höheren Zinsen machen die entsprechende Währung attraktiver. Und die steigende Nachfrage führt zu einem höheren Wert der Devise. Ähnliche Effekte sind beim Euro zu erwarten.

Noch ein weiterer Umstand führt dazu, dass der schwächelnde Dollar die Welt nicht in den Abgrund stürzt: Viele bedeutende Volkswirtschaften haben ihre Währung an den Dollar gebunden. So auch China, die mittlerweile zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt. Und vor allem: Niemand auf der Welt hat ein Interesse an einem dauerhaften Dollar-Crash – von einigen Spekulanten abgesehen.