Arbeitgeberverband

25. März 2011 11:20; Akt: 25.03.2011 13:38 Print

Weder Mindestlohn noch Lohnobergrenze

Die Arbeitgeber wollen nichts wissen von den aktuell diskutierten Verbesserungen für Arbeitnehmer - weder von Mindestlöhnen noch von sechs Wochen Ferien.

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Thomas Daum, Direktor (links), und Rudolf Stämpfli, Präsident des Arbeitgeberverbands, wehren sich gegen die Initiativen der Gewerkschaft und der Jusos. (Bild: Keystone)

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Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen dürfe nicht mit «Angriffen auf die freie Lohngestaltung» und die Kündigungsfreiheit eingeschränkt werden, schreibt der Arbeitgeberverband in einer Mitteilung vom Freitag. Er lehnt deshalb die Mindestlohn-Initiative des Gewerkschaftsbunds ab und hält auch eine Lohnobergrenze - wie sie die «1:12-Initiative» der Juso verlangt - für «nicht vereinbar mit einer liberalen Wirtschaftsordnung».

Der vorgeschlagene Mindestlohn von 4000 Franken pro Monat liegt laut Martz deutlich höher als Mindestlöhne in vergleichbaren europäischen Ländern. Rund 400'000 oder 10 Prozent aller Beschäftigen würden eine höheren Lohn erhalten. Die Folge: «Solche Arbeitsplätze würden bei Unternehmen in Frage gestellt», sagte Martz.

«Garantiertes Mindesteinkommen»

Ein Lohn sei nicht immer «existenzsichernd», räumte er ein. Wenn ein oder zwei Einkommen nicht genügten, eine Familie zu ernähren, springe aber der Staat ein. So sei ein «garantiertes Mindesteinkommen» - eine weitere Gewerkschaftsidee - bereits Tatsache.

Auch der Travail.Suisse-Initiative «6 Wochen Ferien für alle» können die Arbeitgeber nichts abgewinnen. Ein gesetzlicher Anspruch auf sechs Wochen sei unnötig, heisst es - er würde den Spielraum für sozialpartnerschaftliche Lösungen einschränken und zu höheren Arbeitskosten führen. Eine Verschärfung des Kündigungsschutzes, wie es die Revision des Arbeitsvertragsrechts vorsieht, halten die Arbeitgeber ebenfalls für den falschen Weg.

IV-Rentner wieder eingliedern

Offen zeigt sich der
Arbeitgeberverband in Bezug auf die Eingliederung von Menschen mit Behinderung ins Berufsleben, welche die 6. IV-Revision vorschlägt. 17 000 Rentenbezüger ins Erwerbsleben zurückzuführen sei zwar ein «ambitiöses Ziel», schreibt der Verband. Doch die nötige Sanierung der IV lasse keine andere Wahl.

Damit dieses Ziel erreicht werden könne, müssten auch die Arbeitgeber ihren Beitrag leisten - etwa mit Arbeitsversuchen oder Auffanglösungen. Der Verband sei bereit, «sich für die nötige Sensibilisierung aller Beteiligten einzusetzen».

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heino am 25.03.2011 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Arme reiche Gesellschaft der Reichen

    Wer genug hat, denjenigen ist es auch egal, ob Mindestlohn oder nicht !!! Geiz ist geil ist das Motto der Regierungen - Hauptsache sie haben genug !!!

  • John am 25.03.2011 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Jeder der sich etwas mit Mikro- und Makroökonimie beschäftigt hat weiss, dass Mindestlöhne ganz konkret Arbeitsplätze vernichten. Das Wohlfahrtsmaximum wird erzielt, wenn man Angebot und Nachfrage frei auf dem Markt zusammentreffen lässt.

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  • Z. Oologie am 26.03.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Liberale Wirtschaftsordnung

    Die Vorschläge sind "nicht vereinbar mit einer liberalen Wirtschaftsordnung"? Nun, die liberale Wirtschaftsordnung ist nicht vereinbar mit der Würde des Menschen und führt zu Zuständen, wie sie nicht mal im Tierreich existieren. Wenn die Löwen genug gefressen haben kriegen die Hyänen immerhin den Rest. In unserer Wirtschaftsordnung haben die Superreichen nie genug...

Die neusten Leser-Kommentare

  • rudi sorglos am 26.03.2011 22:34 Report Diesen Beitrag melden

    politik und wirtschaft bereichern sich

    Tja das ist doch typisch - keiner will was abgeben egoismus pur - wenn politik und wirtschaft zusammenspannt kommt's genau so raus. Wir bauen alle soz-leistungen ab und verteilen es an die reichen, die können sich dann immer noch alles leisten.... bezahlen tut's bürger otto normalo.

  • Dino am 26.03.2011 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre auch unverantwortlich

    Die Wirtschafts- und Finanzkrise lässt grüssen.

  • alex am 26.03.2011 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft

    Wieso auch, denen gehts doch gut, und noch besser je mehr sie den kleinen Arbeiter schröpfen.

  • Z. Oologie am 26.03.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Liberale Wirtschaftsordnung

    Die Vorschläge sind "nicht vereinbar mit einer liberalen Wirtschaftsordnung"? Nun, die liberale Wirtschaftsordnung ist nicht vereinbar mit der Würde des Menschen und führt zu Zuständen, wie sie nicht mal im Tierreich existieren. Wenn die Löwen genug gefressen haben kriegen die Hyänen immerhin den Rest. In unserer Wirtschaftsordnung haben die Superreichen nie genug...

  • Anton Wegmüller am 25.03.2011 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Pokern ohne Scham

    So leicht wie heute konnten die Arbeitgeber den Arbeitern noch nie Angst einjagen: Seit Jahren werden den Arbeitgebern Steuergeschenke gemacht, Zölle abgebaut, Arbeitnehmerschutz eingeschränkt usw., kurz, sie bekommen alles, was sie wollen und deshalb ist die Schweiz mit Abstand das Arbeitgeberfreundlichste Land der Welt. Und trotzdem brauchen sie nur zu husten und wir alle fallen angsterstarrt auf die Kniee. Selbst mit 6 Wo. Ferien, obl. 13 Monatslohn, 1zu12Regel bleibt die Schweiz vollauf Wettbewerbsfähig.

    • Hans Ulrich am 26.03.2011 17:44 Report Diesen Beitrag melden

      Nur nicht zu viele Ferien

      Da bin ich nicht ganz einverstanden mit der Aussage, dass wir selbst mit 6 Wochen Ferien noch gleich wettbewerbsfähig bleiben. Immerhin fehlen da wieder 2 Wochen Arbeit für das Unternehmen. Man kann ja auch 2 Wochen unbezahlten Urlaub nehmen, oder? Wer soll denn hierfür aufkommen Ihrer Meinung nach? Ich denke der Status Quo mit den Ferien ist gar nicht so schlecht in der Schweiz.

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