Milliardenschäden

11. März 2011 12:55; Akt: 11.03.2011 17:26 Print

Wegen Japan beben auch die Versicherer

Erste Schätzungen beziffern die Erdbebenschäden in Japan auf 50 bis 100 Milliarden Dollar. Das bringt die Versicherer unter Druck. Die Aktie der Swiss Re befindet sich im freien Fall.

UBS-Finanzanalyst Sandro Merino im Interview. (Quelle: Keystone)
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Japan bebte – und damit auch die Börsen. In Tokyo sank der Nikkei-Index nach den Erdstössen 15 Minuten vor Börsenschluss innert Kürze um 1,7 Prozent. Zudem gab die japanische Landeswährung Yen nach. Wenig später schlug das Beben auch auf die Schweizer Börse durch.

Im freien Fall befand sich die Aktie des Rückversicherers Swiss Re B”rsenkurs, die zunächst gleich 8,4 Prozent einbüsste. Um die Mittagszeit lag der Verlust noch bei rund 5 Prozent. Der Grund: Nach dem ersten Kursabsturz versuchten Anleger laut Börsenhändlern bereits vom «Schnäppchenpreis» zu profitieren und deckten sich mit günstigen Swiss-Re-Aktien ein, die noch rund 49 Franken kosteten. Zum Vergleich: Am Tag vor dem Erdbeben schloss die Aktie bei 53.60 Franken, beim Jahreshoch am 18. Februar sogar bei 60.75 Franken,

«Das gehandelte Volumen ist etwa viermal so hoch wie an einem normalen Tag», so ein Händler zu 20 Minuten Online. Bis man die genauen Ausmasse der Schäden kenne, sei es schwierig zu sagen, ob die Ausschläge der Swiss-Re-Aktie übertrieben seien. Erste Schätzungen gehen von Kosten in der Höhe von 50 bis 100 Dollar aus. Normalerweise dauert es laut Swiss Re ein bis zwei Wochen, bis sich nach einem Erdbeben ein klares Bild der Schäden abzeichnet.

Versicherer weltweit erleiden Verluste

Für Swiss Re ist Japan einer der bedeutendsten zehn Märkte. Im Jahr 2010 erreichte der Schweizer Konzern im Japangeschäft Prämieneinnahmen von 688 Millionen Dollar. Das gesamte Prämienvolumen von Swiss Re belief sich zuletzt auf 19,6 Milliarden Dollar.

Das Erdbeben zog auch die Titel der Deutschen Rückversicherungen in einen Abwärtsstrudel: Die Aktien der Münchner Rück sanken zu Handelsbeginn an der Frankfurter Börse um 4,8 Prozent, jene der Hannover Rück um 4,4 Prozent. Unter Druck geraten sind auch die international tätigen Versicherungskonzerne Zürich und Allianz, wenn auch nicht im selben Ausmass wie die Rückversicherer. Die Zürich-Aktie büsste im Verlauf des Freitagmorgens rund 2,5 Prozent ein. Die Papiere der Allianz-Versicherung verloren zwischenzeitlich 2 Prozent ihres Werts.

Naturkatastrophen-Budget aufgebraucht

Vor der Katastrophe in Japan waren verschiedene Versicherungen im Januar und Februar bereits von einem Erdbeben in Neuseeland sowie Überschwemmungen und dem Wirbelsturm Yasi in Australien gebeutelt worden. Allein das Beben in Neuseeland richtete Schäden zwischen zehn und zwölf Milliarden Dollar an. Die Munich Re hat ihr für Naturkatastrophen geplantes Jahresbudget schon vor den Ereignissen in Japan ausgeschöpft und ihr Gewinnziel 2011 deshalb bereits unter Vorbehalt gestellt.


(sas)