Wie Konjunkturprogramm

02. August 2012 10:27; Akt: 02.08.2012 11:42 Print

Wegen der Ausländer geht es uns so gut

von Sabina Sturzenegger - Die Schuldenkrise zieht die Eurozone in die Rezession. Derweil wächst die Schweizer Wirtschaft munter weiter. Warum eigentlich? Alexis Körber, Ökonom bei BAK Basel, erklärt.

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Retten die Schweizer Wirtschaft: Die Zuwanderer – unter ihnen viele Deutsche – sind für die Schweiz wie ein Konjunkturprogramm. (Bild: Keystone)

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Herr Körber, die Wirtschaftsforscher von BAK Basel haben jüngst die BIP-Prognose für die Schweiz erhöht, das Barometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH steigt weiter an. Gibt es in der Schweiz wirklich keine Anzeichen der Eurokrise?
Alexis Körber: Die Krise macht sich schon bemerkbar. Die Nachfrage aus der Eurozone hat deutlich nachgelassen. Das spürt unsere Exportwirtschaft. Aber im gesamtwirtschaftlichen Kontext kann hierzulande tatsächlich nicht von einer Krise gesprochen werden.

Umfrage
Sind die Zuwanderer ein Segen für die Schweizer Wirtschaft?
35 %
29 %
36 %
Insgesamt 2013 Teilnehmer

Erklären Sie uns, warum das so ist. Die Schweizer Wirtschaft ist doch in hohem Masse abhängig von der EU?
Es zeigt sich, dass die Schweiz eine sehr wettbewerbsfähige Exportindustrie mit qualitativ hochwertigen Produkten hat, die sich auch in der Krise verkaufen lassen.

Woran denken Sie?
Vor allem die Uhrenindustrie wächst sehr kräftig. Auch Pharmaprodukte stossen nach wie vor auf grosse Nachfrage, weil sie relativ konjunkturunabhängig sind.

Reicht das, um die ganze Schweizer Wirtschaft vor der Rezession zu retten?
Nein, aber hinzu kommen vergleichsweise gesunde Staatsfinanzen und – als wichtigster Faktor – die hohe Attraktivität für ausländische Arbeitskräfte. Die Zuwanderung wirkt im Moment wie ein Konjunkturprogramm, nur zahlt der Staat dafür nicht.

Wie lange hält dieses «Konjunkturprogramm», wie Sie es nennen, an?
Vorerst sehen wir kein Ende dieses Trends. Die Schweiz ist weiterhin sehr attraktiv für ausländische Arbeitnehmer, insbesondere für hochqualifizierte.

Machen die Schweizer Unternehmen etwas besser als ihre europäischen Konkurrenten?
Die Schweiz hat eine Exportindustrie mit sehr vielen verschiedenen Standbeinen. Hinzu kommt die erwähnte Wettbewerbsfähigkeit. Im Moment werden die Unternehmen durch den starken Franken noch zusätzlich fit gehalten, auch wenn das für viele Firmen in der aktuellen Lage alles andere als angenehm ist.

Welche Branchen machen Ihnen die grössten Sorgen?
Diejenigen, die sich ohnehin im Strukturwandel befinden, wie die Textilbranche oder die grafische Industrie. Auch der Tourismus leidet in hohem Masse.

Wann erreicht die Eurokrise die Schweiz doch noch?
Ich denke, gar nicht.

Was verleiht Ihnen diesen Optimismus?
Wir gehen davon aus, dass zumindest kein grosses Euroland wie Italien oder Spanien Pleite geht und die Märkte wieder Vertrauen fassen.

Und welches ist Ihr Worst-Case-Szenario?
Eine Pleite Italiens oder Spaniens. Dann würde auch die Schweiz in eine Rezession rutschen.

Hätten Sie zu Beginn der Eurokrise mit diesem Verlauf für die Schweiz gerechnet?
Wir sind vom starken ersten Quartal 2012 überrascht worden. Das hätten wir so nicht erwartet. Deshalb haben wir unsere Prognosen korrigiert.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Anscheinend haben wir Schweizer nichts getan, damit es uns gut geht. Klar haben die Ausländer mitgeholfen, aber das ist sicher nicht nur der Grund. Wir haben noch andere Vorteile gegenüber der EU, aber die will ja der Bundesrat zum Nulltarif hergeben. Heisst es dann immer noch, wegen den Ausländern geht es der Schweiz gut, oder werden Sie dann zur Belastung. – Hans

Guten Morgen Schweizer, wacht doch endlich mal auf... Würdet Ihr keine Zuwanderung haben, könntet Ihr eure Reinigungen nicht mehr zahlen, euer Export wäre zu teuer, Ihr würdet nichts mehr verkaufen, Eure Krankenkassen wären noch teurer, weil euer Gesundheitssystem Schweizer Pflegedienst und schweizer Ärzte zahlen müsste, ihr würdet monatelang auf Operationen warten weil kein freien Arzt für Euch Zeit hätte. In den Restaurants würdet ihr noch mehr zahlen und müsstet euer Essen euch selber aus der Küche holen, weil kein Personal verfügbar ist. Kein Unternehmen würde noch fähiges Personal finden – Hannes

1. gut für die Grossunternehmen und KMU (welche auch unsere Steuern bezahlen) 2. unsere AHV finanziert 3. unsere Bildungskosten sinken 4. die schmerzhafte Auswanderung wettmacht 5. Jeder Einwanderer auch wieder einen neuen Job in der CH macht (Konsum, Nachfrage usw.) 6. die Einwanderung ja gar nicht sooo gross ist, aber sie ist - zum Glück - halt da usw. – Heidi

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 02.08.2012 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schönfärberei

    Wie blauäugig von einem Oekonomen davon zu sprechen, dass uns die Zuwanderung nichts kostet. Die ganze Infrastruktur muss angepasst werden (Verkehr/Wohnraumverteuerung). Jedes Jahr rund 60'000 Leute mehr geht nunmal nicht gratis.

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  • stefan b am 02.08.2012 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    lächerlich

    Klar doch, ohne die Einwanderung würde es uns warscheinlich ganz schlecht gehen und sowieso hängt das persönliche Wohl ja nur vom Wirtschaftswachstum ab.

  • Brown am 02.08.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Mir......

    geht es gut....das ist gut so. Ich schau aber auch selber für mich...das mache ich sehr gut.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sielnailge am 03.08.2012 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bis zum Kollaps

    Stoppt endlich diese Zuwanderung! Sie nützt nur der Wirtschaft und wenigen oberen 100'000 Dafür ist das Land überbevölkert- überall Autobahn oder Fluglärm. Wenn der Reichtum gleichmässiger verteilt würde - könnte es uns ch gut gehen. Aber eben gut ist nicht genug mehr mehr mehr bis zum Kollaps.

  • Roger am 03.08.2012 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja genau! Bla bla

    Ich kann's nicht mehr hören. Es wir auch nicht wahrer wenn man es ständig wiederholt. Die kommen zu uns weil es in ihren Ländern nicht funktioniert. Außerdem ist dies kein nachhaltiges Wachstum. Es ist ein reines Schneeballsystem!

  • eduard Von siebnen am 03.08.2012 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die motzer

    An die rummoserer: ich wünsch euch eine 'saubere' schweiz frei von jeglicher art 'fremder', ausländischer produkte, einlagen, jedwede art von ausländischem bezug. upps.... ach ja, dann gibt's ja keine schweiz - gab ja noch nie 'den schweizer' da es aus historischer sicht ein zusammengewürfelter haufen ist.

    • Rederik am 04.08.2012 18:30 Report Diesen Beitrag melden

      Eifersucht

      na ja, eduard, ein wenig eifersüchtig auf die tolle Schweiz?

    • Ringo Berndt am 05.08.2012 13:34 Report Diesen Beitrag melden

      nationalistische Unsachlichkeit

      Warum wirds beim Thema "Schweiz", "Zuwanderung" und ähnlichem jeweils gleich so unsachlich? Klar hat die Schweiz einiges richtig gemacht im Vergleich zu anderen Ländern. Aber so wie der Pole und der Portugiese nach Deutschland kommt, um dort Arbeiten verrichtet, die der/die Deutsche nicht so gern machen mag, so kommt der Deutsche eben unter anderem auch in die Schweiz. Zeigt mir den Schweizer, der im Gastgewerbe arbeiten möchte. Oder im Spital, mit Schichtdienst, an Wochenenden und Feiertagen, in der Feriensaison!

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  • C. Brunner am 03.08.2012 01:18 Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht auch Sie werden 45 Jahre alt ..

    .. insofern Sie nicht vorher umkommen! Fachkräfte Mangel, habe erst vor kurzen eine Absage, natürlich mündlich, erhalten, Absagegrund, ich bin zu alt (noch keine 50 Jahre) um in einem Altersheim zu arbeiten. Dies ist die Realität und egal ob man sich in der Privatwirtschaft, dem Kanton oder beim Bund bewirbt.

    • Aus der Wirtschaft am 04.08.2012 00:38 Report Diesen Beitrag melden

      Hör auf!

      Sorry, ich bin 50. Vor 2 Monaten wurde ich von einem anderen Arbeitgeber abgeworben und arbeite in einem multinationalen Team (Durchschnittsalter um die 30) als Leistungsträger ----> mit dem höchsten Lohn. Wenn Du gute Referenzen hast verschaffe ich Dir binnen 4 Wochen einen guten Job, dafür kenne ich zu viele Leute mein Freund. Dein Problem liegt in Deinem Lebenslauf und in Deinen Zeugnissen. Mit 48 in Deinem Sektor bist Du eine unersetzbare Fachkraft mit enormer Erfahrung. Glaub mir, Dein Problem liegt woanders.

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  • Ausländer am 02.08.2012 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist schon interessant...

    ... sie so ein Artikel polarisiert und die einen weinen und die anderen lachen. Aber am besten war der Kommentar, dass ein Ausländer einem Schweizer den Job wegnehmen kann. Erst informieren, dann posten. Denkt mal drüber nach. Wie viel Ausland gibt es auf der Welt.

    • Ringo Berndt am 05.08.2012 13:36 Report Diesen Beitrag melden

      Ausländern nehmen Jobs weg?!

      Wenn bei mir im Restaurant demnächst regelmässig Bewerbungen von Schweizern eingehen, dann, erst DANN lass ich mir sagen, ich nähme einem Schweizer den Job weg!

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