Gastronomie

28. Dezember 2018 11:59; Akt: 28.12.2018 11:59 Print

Kontaktloses Bezahlen wird zum Trinkgeld-Killer

Schnell die Karte hinhalten und gehen: Wer im Restaurant kontaktlos bezahlt, ist zwar schnell – gibt dafür aber oft kein Trinkgeld. Gastromitarbeiter erzählen.

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Gastronomieangestellte erhalten seltener Trinkgeld, wenn Kunden kontaktlos bezahlen. Ein Serviceangestellter, der seit 13 Jahren in der Gastronomie arbeitet, sagt zu 20 Minuten, er erhalte bei solchen Zahlungen geschätzt rund halb so viele Trinkgelder wie sonst. Gault-Millau-Chef Urs Heller hört davon zum ersten Mal. Er findet jedoch, Trinkgeld sei so oder so angebracht, unabhängig davon, ob man die Rechnung nun mit Bargeld oder Karte bezahle: «Meine Empfehlung: Trinkgeld immer in bar hinlegen, auch wenn man mit der Kreditkarte bezahlt. Ist irgendwie chicer.» In der Schweiz geben Restaurantgäste nach wie vor oft Trinkgeld, obwohl seit 1974 in der Restaurants oder Cafés ist ein Betrag für den Service bereits enthalten. Trotzdem wird eine gute Bedienung normalerweise mit fünf bis zehn Prozent Trinkgeld belohnt. Das «pourboire» wird in den Rechnungsteller gelegt. In Bars freuen sich die Kellner ebenfalls über ein paar Münzen. Bei Taxifahrten wird mindestens das Aufrunden auf den nächsten Euro erwartet. Oft ist auf der Rechnung in bereits eine Servicegebühr inbegriffen. In der Regel werden trotzdem ein paar Euro Trinkgeld auf dem Tisch hinterlassen. Wie in Frankreich sind es rund fünf bis zehn Prozent. In Bars wird normalerweise kein Trinkgeld gegeben. In Taxis rundet man den Preis für die Fahrt meist auf den nächsten Euro auf. In sind rund 10 Prozent Trinkgeld üblich. Gibt es in Bars Service an den Tischen, wird dieser meist durchs Aufrunden belohnt. Der Preis für eine Taxifahrt wird oft aufgerundet. Im Bild: das Caixa Forum in Madrid. Rund 10 Prozent Trinkgeld sind auch in üblich. Das Geld wird meist in den Rechnungsteller gelegt. Bei Taxifahrten werden normalerweise rund zehn Prozent Trinkgeld bezahlt oder der Betrag auf den nächsten Euro aufgerundet. In , normalerweise etwa 10 Prozent. Auch in Bars mit Service wird normalerweise aufgerundet. Gleiches gilt für Taxis. Im Bild: das Hundertwasserhaus in Wien. In ist eine Servicegebühr bereits im Preis inbegriffen. Oftmals wird aber trotzdem aufgerundet, bei grösseren Rechnungen auf den nächsten Fünfer oder Zehner. Bei Taxifahrten sind laut Knigge rund zehn Prozent der Summe als Trinkgeld üblich. In beträgt das Trinkgeld in Restaurants normalerweise zehn Prozent – falls auf der Rechnung nicht schon ein fixer Betrag für den Service berechnet wurde. In diesem Fall kann auf das Trinkgeld verzichtet werden. In Bars geben die Briten normalerweise kein Trinkgeld, bei Taxifahrten runden sie auf. Ein Trinkgeld von 10 Prozent ist in den Restaurants üblich. In Bars wird oft kein Trinkgeld gegeben, bei Tischservice grössere Beträge aufgerundet. Taxifahrer erhalten in der Regel 10 Prozent zusätzlich pro Fahrt. In den leben die meisten Serviceangestellten vom Trinkgeld: 15 bis 20 Prozent Zuschlag sind die Regel. Jedes Getränk in einer Bar wird normalerweise mit einem Dollarschein getippt. Auch Taxifahrer erhalten 15 bis 20 Prozent Trinkgeld. In jüngster Zeit ist in den USA eine Debatte um die teilweise komplizierte Trinkgeldkultur entbrannt. In einigen (New Yorker) Restaurants heisst es inzwischen explizit «no tip» – das ist aber die grosse Ausnahme. Offiziell sind Trinkgelder in verboten. Vor allem in westlichen Hotels und Restaurants in den grossen Städten wird ähnlich wie in vielen europäischen Ländern rund zehn Prozent Trinkgeld gegeben. In normalen chinesischen Restaurants ist Trinkgeld normalerweise nicht üblich. Gleiches gilt für Taxifahrer. In ist Trinkgeld nicht üblich, da guter Service als Standard angesehen wird. Oft wird das Geld abgelehnt oder kann gar als Beleidigung angesehen werden. Gleiches gilt auch für Taxifahrten. In einigen Bereichen wie etwa bei Touristenführern sind Trinkgelder eher verbreitet. Geld sollte aber nicht einfach direkt aus dem Portemonnaie überreicht werden, sondern diskret in einem kleinen Umschlag. In wird vor allem in touristischen Orten Trinkgeld erwartet, normalerweise rund 10 Prozent. Einige Restaurants verlangen generell eine Gebühr für den Service, dann ist zusätzliches Trinkgeld nicht unbedingt nötig. In Taxis beträgt das Trinkgeld meist 10 Prozent.

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Ob man im Restaurant noch ein paar Münzen liegen lässt oder beim Bezahlen einfach auf das Rückgeld verzichtet – es gibt viele Arten, wie Gäste dem Servicepersonal noch einen kleinen Zustupf geben können. Eine technische Neuerung macht den Gastronomieangestellten allerdings zu schaffen: Sie erhalten seltener Trinkgeld, wenn Kunden kontaktlos bezahlen.

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Die kontaktlose Zahlungsmethode wirke sich negativ auf Trinkgelder aus, sagt etwa Livio Notaro zu 20 Minuten. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung der Firma Raumzuerich, die verschiedene Lokale betreibt. Wer nur das Kärtli hinhalte, wolle nicht auch noch von Hand ein Trinkgeld ins Zahlterminal eingeben müssen.

Nur halb so viel Trinkgeld

Ein Serviceangestellter, der seit 13 Jahren in der Gastronomie arbeitet, sagt zu 20 Minuten, er erhalte bei solchen Zahlungen geschätzt rund halb so viele Trinkgelder wie sonst. «Ich spüre das», so der Angestellte, der anonym bleiben möchte. Das Trinkgeld sei für ihn eine Motivation im Job. Es versüsse ihm etwa die Tatsache, dass er in den vergangenen zehn Jahren über Weihnachten arbeiten musste, statt zu Hause bei der Familie zu sein.

Dem Berufsverband Hotel & Gastro Union (HGU) ist dieses Problem nicht bekannt, wie ein Sprecher des Verbands zu 20 Minuten sagt. Auch Gault-Millau-Chef Urs Heller hört davon zum ersten Mal. Er findet jedoch, Trinkgeld sei so oder so angebracht, unabhängig davon, ob man die Rechnung nun mit Bargeld oder Karte bezahle: «Meine Empfehlung: Trinkgeld immer in bar hinlegen, auch wenn man mit der Kreditkarte bezahlt. Ist irgendwie chicer.» Und: Beim Service dürfe man sich ruhig auch bedanken. «Engagierte Servicemitarbeiter machen die Stunden im Restaurant schliesslich angenehmer», so Heller.

Zahlen Sie im Restaurant oder an der Bar Trinkgeld? Auch wenn Sie ohne Bargeld bezahlen? Warum oder warum nicht?

Personal speziell geschult

Manche Lokale ergreifen Massnahmen: In der Bar 63 in Zürich etwa wird das Personal speziell geschult, wie Mitinhaber Jonas Schwarz zu 20 Minuten sagt. Die Angestellten würden dem Kunden den Betrag mitteilen und dann kurz abwarten und Augenkontakt suchen. «Immer öfter rundet der Kunde dann den Betrag auf», so Schwarz.

Laut dem Manager ist nicht nur das kontaktlose Bezahlen problematisch: «Unsere Erfahrung ist, dass bei Kartenzahlungen allgemein weniger Gäste Trinkgeld geben.» Manche Kunden geben auch bei Kartenzahlungen «ganz altmodisch» Bargeld als Trinkgeld, wie Livio Notaro von Raumzuerich sagt. Das geschehe aber viel seltener als bei anderen Zahlungsarten.

Weitere Branchen betroffen

Auch bei Taxifahrten ist ein Trinkgeld in der Schweiz durchaus üblich – jedoch nur bei Gästen, die bar bezahlen. «Wer mit Karte bezahlt, gibt nur selten Trinkgeld. Und wer kontaktlos bezahlt, so gut wie nie», sagt Georges Botonakis, Sprecher des Taxiverbands Zürich. «Früher erhielten Taxifahrer in Zürich 20 bis 50 Franken Trinkgeld pro Tag.» Heute seien es noch fünf bis 20 Franken pro Tag.

Weniger betroffen sind Coiffeure. Da die meisten Transaktionen über 40 Franken kosten, sei das kontaktlose Zahlen in dieser Branche kaum ein Thema, heisst es auf Anfrage von 20 Minuten bei verschiedenen Salons. Kunden würden nach wie vor etwa gleich häufig Trinkgeld geben.

(dv/rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pepe46 am 28.12.2018 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    Eigentlich ist das Trinkgeld seit Jahren inbegriffen. Was soll also das Geklöne? In den meisten Berufen gibt es sowieso kein Trinkgeld.

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  • Duse am 28.12.2018 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso trotzdem Trinkgeld?

    Seit Jahren ist das Trinkgeld in der Schweiz inbegriffen, was soll also dieses gejammer?

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  • Tom am 28.12.2018 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kein trinkeld

    Trinkeld ist im lohn drin wiso dann geben

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Die neusten Leser-Kommentare

  • genug ist genug am 31.12.2018 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Frohes neues Jahr

    Sorry aber was soll ständig dieses Trinkgeld? Ich bekomme auch kein Trinkgeld, wenn ich das Telefon abnehme oder eine Offerte erstelle. Die Arbeitgeber sollen anständig bezahlen und uns Kunden in Ruhe lassen. Der Maurer bekommt auch kein Trinkgeld, obwohl er in der Kälte und im Regen arbeitet.

  • Olio am 31.12.2018 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn=tätigkeit punkt

    Versteh dieses geschiss eh nicht. Jon wie jeder andere. Ich krieg im büro auch kein trinkeld.

    • Eisvogel am 31.12.2018 19:36 Report Diesen Beitrag melden

      Nur nicht vorschnell

      Das kann man jetz aber nicht unbedingt vergleichen, Büro und Gastro sind 2 versch. Jobs...vor allem schon bei den Arbeitszeiten, reinigung etc. was im Hintergrund abläuft sehen viele leider nicht. Und wenn der PC einmal nicht so will wie er sollte, kann mn ihn anfluchen etc. Das geht im Service leider nicht:). Habe in beiden Berreichen gearbeitet und hab auch im Büro meine Zückerli abbekommen.

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  • Klara am 31.12.2018 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Trinkgeld

    In der Schweiz ist Trinkgeld eine Form der Wertschätzung. Ist wie, wenn Du einen Gratis Schnaps oder Kaffee nach dem Essen kriegst. Das gehört auch nicht dazu, aber es ist eine Art Wertschätzung gegenüber dem Gast. Ist einfach Teil des Habitus einer Person. Trinkgeld ist üblich für Personen die für Dich eine individualisierte Dienstleistung erbringen oder zu Dir nach Hause kommen. Service, Handwerker, Pöstler, Lieferanten und dergl.. Und meistens für Leute mit tieferem Einkommen. Deinem Treuhänder, Anwalt oder Arzt, gibst du in der Regel nichts.

  • Darion am 31.12.2018 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Wo liegt das Problem? Im Artikel weiter oben werden wir doch darüber aufgeklärt, dass Trinkgeld in der Schweiz nicht mehr angebracht sei...

  • Offenheit am 31.12.2018 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Trinkgeld

    Zahle meistens mit der Karte. Be sehr gutem Service, gebe ich gerne noch Trinkgeld in bar