Logistikbranche

10. März 2011 07:53; Akt: 10.03.2011 08:04 Print

Wenn Fracht von der Ladefläche verschwindet

von G. Moinat - Die Schweizer Logistiker haben sich von der Krise erholt. Doch steigende Kriminalität macht der Branche zu schaffen - und der Rohstoffboom heizt das Problem an.

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Besonders Lastwagen auf Raststätten sind einfache Ziele für Diebe. (Bild: Keystone)

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Der Logistikkonzern Panalpina konnte seinen Umsatz im letzten Jahr um einen Fünftel steigern. Und auch Kühne + Nagel machte beim Umsatz ein Plus von 16 Prozent. Doch mit der sich erholenden Weltwirtschaft meldet sich auch die Kriminalität zurück.

«Die sicherheitsbezogenen Anforderungen an Logistikdienstleister haben stark zugenommen», sagt Andrea Zander, Sprecherin von Kühne + Nagel. Und auch Panalpina-Sprecher Martin Spohn bestätigt: «Das Thema Diebstahl von Frachtgütern beschäftigt alle an der Güterkette beteiligten Parteien.» Spezielle Vorsicht sei gerade bei High-Tech-Produkten wie Computer, Laptops, Mobiltelefone geboten. Aber auch bei Pharmazeutika oder Wein.

Diese Waren konzentrieren auf kleinstem Raum einen hohen Wert: Eine Palette Handys beispielsweise kann gut und gerne 50 000 Euro kosten. In einen einzigen LKW passen 34 solcher Paletten, rechnet Stefan Heine vor. Er ist Risk Manager beim deutschen Logistikunternehmen Hellmann Worldwide Logistics.

2008: Ladungsdiebstähle im Wert von 8,2 Milliarden

Walter Köpf, Geschäftsführer der Logistikgruppe Honold und Spezialist im Transport von Nichteisen-Metalle, macht daneben besonders auf das aktuelle Problem von Rohstoffdiebstählen aufmerksam. «Rohstoffpreise sind in schwindelerregende Höhen geklettert.

Eine Tonne Rohkupfer kostet mittlerweile 10 000 US-Dollar — dadurch werden Begehrlichkeiten geweckt.» Neben Kupfer ist auch der Preis von Aluminium innerhalb eines Jahres um gut einen Fünftel angestiegen. Zinn hat sich gar um 100 Prozent verteuert.

Gerade im Bereich von Metalllieferungen versuchen laut Köpf Verlader und Spediteure deshalb möglichst bekannte Logistiker – «am besten solche, die man vertraglich an sich gebunden hat» –einzusetzen, so Köpf. Bankverbindungen, Versicherungspolicen, EU-Lizenzen, Fahrzeugscheine und Ausweispapiere müssten heutzutage vor Ladungsübernahme exakt geprüft und archiviert werden, um die Sicherheit vor Diebstählen und Unterschlagungen zu gewährleisten.

Der Trick mit dem «Polizisten»

«Die Kriminalität in der Lieferkette hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen», sagt auch Heine von Hellmann Worldwide Logistics. 2008 beliefen sich die Ladungsdiebstähle europaweit auf 8,2 Milliarden Euro (10,6 Milliarden Franken). Das besagt eine Studie von Tapa (Transported Asset Protection Association); einem Zusammenschluss von internationalen Herstellern, Logistikdienstleistern, Frachtunternehmen und Strafverfolgungsbehörden.

«Fracht, die in Immobilien wie Lagerhäusern und Umschlaganlagen gelagert bzw. umgeschlagen wird, haben wir im Griff», sagt er. Heutzutage seien pro Standort bis zu 400 Kameras installiert und jeder Quadratmeter wird bis zu drei Mal aus verschiedenen Perspektiven überwacht. Das schwache Glied in der Transportkette aber sei die Strasse: «Da verlässt die Fracht unseren Sicherheitsbereich und begibt sich auf öffentliches Terrain», so Heine.

Häufig komme es vor, dass Fahrer von Uniformierten angehalten werden. Sehr oft sind die «Beamten» nicht Freund und Helfer sondern gehören zur organisierten Kriminalität. Gerade in Grossbritannien ist Strassenkriminalität weit verbreitet. Und die Art, wie mit Fahrern umgegangen werde, wird immer brutaler: «Es kam schon vor, dass Führerhäuser begast wurden», weiss der Logistik-Experte.

Laut dem «Cargo Theft Report» der europäischen Polizeibehörde Europol wurden innerhalb von fünf Jahren 17 Prozent der Lastwagenchauffeure Opfer einer Attacke. Das ist jeder sechste Fahrer. Problematisch ist gemäss Heine insbesondere, dass es kaum Sicherheitsparkplätze gibt. «So werden LKW-Planen häufig während der vorgeschriebenen Ruhezeiten aufgeschlitzt.»

Nordrhein-Westfalen als wahres Wespennest

Bei der Schweizerischen Post sind Ladungsdiebstähle kaum ein Problem. In Deutschland hingegen sehr wohl. Dort geschieht fast jeder zweite Fall von Metallladungsdiebstahl in Nordrhein-Westfalen.

Die Fälle in diesem Bundesland haben sich gemäss Tapa von 2009 bis 2010 mehr als verdoppelt. Doch zumindest gibt es in unserem nördlichen Nachbarland einen Lichtblick: Polizei und Transportversicherungen seien recht erfolgreich, wenn es um die Aufklärung von kriminellen Vorgängen im Logistikbereich geht, sagt Köpf.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dodo am 10.03.2011 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    bull-market anniversary

    Milliardäre in China verdopperlt, das sagt ja alles schon aus. Weiter so ...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dodo am 10.03.2011 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    bull-market anniversary

    Milliardäre in China verdopperlt, das sagt ja alles schon aus. Weiter so ...

    • Bernd H. Zollikon am 10.03.2011 09:24 Report Diesen Beitrag melden

      Grenzen öffnen

      Als dank Schengen und Dublin überall die Grenzen geöffnet wurden, erklärten uns die Politiker, dass dank der gemeinsamen grenzübergreifenden Zusammenarbeit die Kriminalität sinken wird. Die Realität hat einemal mehr bewiesen, das man Politikern kein Wort glauben sollte.

    • Werner Keller am 10.03.2011 10:32 Report Diesen Beitrag melden

      stimmt

      das sage ich schon seit Jahren. Aber wenn deine Kollegen erfahren,dass du SVP wählst weil die gegen Grenzöffnungen und anderen EU Schabernak sind, dann bist du gleich einen "Persona non grata". Die nächsten Wahlen kommen ja bald . . .

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