Weko-Untersuchung

25. März 2018 19:46; Akt: 25.03.2018 19:46 Print

Sprachen Baufirmen über Jahre ihre Preise ab?

von Isabel Strassheim - Die Wettbewerbshüter untersuchen das womöglich grösste Baukartell der Schweiz. Besonders gefährdet seien entlegene Regionen, so Experten.

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Im Mai fällt die Wettbewerbskommission (Weko) über das womöglich grösste Baukartell der Schweiz ihr Urteil. Die Bussen könnten in Millionenhöhe ausfallen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Jahrelang soll es unter den Handwerkern im Unterengadin eine systematische Preisabsprache und Aufteilung von Bauprojekten gegeben haben.

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Das Kartell soll bis 2008 über den Graubündnerischen Baumeisterverband (GBV) gelaufen sein, der die Firmen eigens zu Sitzungen lud, auf denen meist pensionierte Fachleute die Gespräche über die Preisabsprachen geleitet haben sollen, wie die Zeitung schreibt. Die Firmen sollen vereinbart haben, wer an welchen Ausschreibungen teilnahm und wer welche Preise offerierte. Die Offerten seien so mindestens 20 Prozent zu hoch ausgefallen, zitiert die Zeitung einen ehemaligen Unternehmer.

Mindestens 20 Prozent höhere Preise

Dabei ging es den Unterlagen zufolge nicht nur um öffentliche Aufträge in Millionenhöhe, sondern auch um kleine Ausschreibungen von Privaten, die sich lediglich im Bereich von einigen Tausend Franken beliefen. Betroffen gewesen sein soll auch ein Auftrag der Rhätischen Bahn für 13 Millionen Franken für die Sanierung des Tasna-Tunnels bei Schuls. Die Wettbewerbsbehörde geht dem Bündner Baukartell seit Ende 2012 nach, seit 2015 ist das aufwändige Verfahren in zehn Einzeluntersuchungen aufgeteilt.

«Die Versuchung zu Preisabsprachen ist so alt wie das Gewerbe», sagt Hannes Germann zu 20 Minuten. Laut dem Präsident des Schweizerischen Gemeindeverbandes sind vor allem kleine abgeschlossene Gebiete anfällig. Sein genereller Tipp für Ausschreibungen für Gemeinden wie auch für Private: Drei Firmen aus der Region sowie allenfalls ein ausserkantonales Unternehmen anfragen. Mögliche regionale Absprachen könnten so auffliegen.

Firmen suchen auch weit weg Aufträge

Firmen suchten Aufträge und seien sogar bereit, dafür lange Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, sagt Kurt Zurfluh, Geschäftsführer der Zentralschweizerischen Baumeisterverbände. «In der Zentralschweiz arbeiten Unternehmen aus dem Bauhauptgewerbe aus den angrenzenden Kantonen, St. Gallen, dem Aargau oder auch aus Basel», sagt Zurfluh. Umgekehrt seien auch Innerschweizer Firmen auf Baustellen in den angrenzenden Kantonen zu finden.

«Wir haben zwar eine extrem hohe Auftragslage, das bringt aber auch viele Firmen und Mitarbeiter – auch aus dem Ausland – in den Markt», erklärt Zurfluh. Es herrsche ein enormer Preis- und somit grosser Konkurrenzdruck. Absprachen seien kein Thema.

Die Angst der Firmen sei trotzdem riesig, nur in den Verdacht von Absprachen zu kommen, so Zurfluh. «Wir bekommen die Unternehmen für verbandsinterne, administrative, technische Angelegenheiten wie Terminkoordination für Grossbaustellen deswegen fast nie gemeinsam an einen Tisch.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • N A am 25.03.2018 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    teufelskreis

    eigentlich kann mann nicht sagen, dass 20% zu viel bezahlt wurde es wurde einfach ein einigermassen vernünftigert Preis bezahlt. Die Preise sind am Boden einzelne Unternehmungen geben Angebote ab welche kaum kostendeckend sind. es ist ein Teufelskreis.

  • Nachtpendler am 25.03.2018 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Ich kenne die Baubranche recht gut. In einem Gewerbe wo die Preise am Boden sind, wo lieber Deutsche Firmen genommen werden weil sie billiger sind, wo immer gleich alles sofort sein muss, fast Gratis aber Perfekt mit langen Garantien, wo der tiefste Preis die höhe der Latte bestimmt finde ich es ok. Wenn nicht übertrieben wird sollen die Leute auch an ihrer Arbeit verdienen.

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  • Interessent am 25.03.2018 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Branchen

    Finde es interessant, dass die Weko immer nur im Zusammenhang mit der Baubranche ermittelt. Andere Branchen, wie die Pharmaindustrie, die Banken oder der Staatsapparat an sich, werden von der Weko nicht untersucht. Ich gehe davon aus, das in diesen Branchen noch viel mehr Absprachen grmacht werden als auf dem Bau.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Whistleblower am 31.03.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Kehrseite des Systems

    x-Offerten werden verschickt und der billigste Baumeister und/oder danach Subunternehmer bekommt der Auftrag, egal ob es dann Kostendeckend ist. Es ist ja nicht verboten Konkurs zu machen, der Schaden zahlt ja eh die Allgemeinheit. Der lachende dritte ist der Bauherr der sich wohl fragt wie dumm die Branche mittlerweile geworden ist trotz Bauboom. Zurzeit gang und gäbe im Kanton ZH und sicher auch anderswo in CH. Vor allem bei den grösseren 'Prestige-Projekten' die nun gebaut werden. Da werden bewusst weit unter der Kalkulation Aufträge angenommen, dies sollte mal untersucht werden liebe SECO!

  • Unternämer am 28.03.2018 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    Unauffällige Treffen

    finden in den Fasnachtkliggä, Fuessballclubs, Turnverein und in jeder Beiz statt. Ach ja, dä Basler Daig ist nicht nur wenn zwei Auti sich zu nähe kommen...

  • Sowieso am 26.03.2018 23:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überdenken

    Vielleicht sollten wir die Auftragsvergabe in der Baubranche allgemein überdenken. Ich finde es in der heutigen Zeit in der auf Nachhaltigkeit soviel gesetzt wird ein Unding, Baufirmen die aus dem anderne Teil der Schwiez kommen zu nehmen, wenn es im Nachbarsdorf 3 genausogute Baufirmen gibt!

  • aschi am 26.03.2018 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir passen uns an....

    Absprachen gibts doch überall .... Auch beim Benzin... War letzte Woche in St.Gallen... Überall gleicher Preis... Auch Migros und Coop haben immer gleichen Preis, wenn sie sehr nah beieinander oder gegenüber liegen.

  • Maurer am 26.03.2018 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    GU =ABZOCKER

    Die grössten Betrügereien werden von GU geleistet das weis jeder billig Projekte erstellen um dann zu Abzockerpreisen verkaufen oder Mieten.