Gefährliche Waren

15. April 2010 16:22; Akt: 15.04.2010 16:52 Print

Wenn das Spielzeug-Auto brennt

In vielen Waren lauern Gefahren für Kinder: Ersticken durch kleine Spielzeugteile, elektrische Schläge oder Feuer durch schlecht isolierte Kabel.

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Die europaweiten Warnungen vor gefährlichen Waren wie bestimmtem Spielzeug haben zugenommen. 2009 stieg die Zahl um sieben Prozent auf 1993 Meldungen an, heisst es im Jahresbericht des EU-Schnellwarnsystems RAPEX, den die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel vorstellte.

Die Zunahme führte die Behörde auch auf bessere Kontrollen zurück. Am häufigsten wurde gefährliches Spielzeug gemeldet, es hat mit 472 Warnungen einen Anteil von 28 Prozent. In der Häufigkeit folgten Meldungen zu Kleidung, Textilien und Modeartikeln (23 Prozent), Kraftfahrzeuge (9 Prozent), Elektroartikel und Kosmetika.

Von den in Labors unter die Lupe genommenen Spielzeugen verstiessen 200 wegen mechanischer Risiken gegen die einschlägigen Sicherheitsbestimmungen. Bei 17 weiteren wurde ein zu hoher Schwermetallgehalt festgestellt. Zu den gefährlichen Spielzeugen gehörten nach den Angaben der Kommission als Modellautos oder Handys verkleidete Feuerzeuge.

Ersticken durch Spielzeugteile

Die gemeldeten Waren hätten die Kinder und anderen Nutzer vielfältig in Gefahr gebracht, erklärte die Kommission. Als Risiken zählte der Bericht das Ersticken durch kleine Spielzeugteile, Schnittwunden durch zu scharfe Kanten, elektrische Schläge oder Feuer durch schlecht isolierte Kabel auf.

«Schnüre in der Hals- oder Kapuzengegend von Kleidung für Kinder» etwa könnten auf dem Spielplatz zu Strangulationen führen oder Chemikalien in Lederprodukten die Haut angreifen.

Der für Konsumenten und Gesundheit zuständige Kommissar John Dalli forderte von den für die Strafverfolgung zuständigen Mitgliedstaaten «abschreckende Sanktionen», um Produktion und Handel gefährlicher Waren einzudämmen.

Chinesisches Spielzeug am gefährlichsten

Die meisten der bemängelten Produkte stammten gemäss dem Bericht aus China. Aus der Volksrepublik einschliesslich Hongkong kamen wie bereits 2008 rund 60 Prozent der bemängelten Waren.

Von dort kommt aber auch ein Grossteil des Spielzeugs in Europa überhaupt. Aus Europa wiederum stammte ein Fünftel der gemeldeten Waren, bei sieben Prozent war das Produktionsland unbekannt.

Schnellwarnsystem RAPEX

RAPEX ist ein Schnellwarnsystem der Europäischen Union für gefährliche Konsumgüter im Nicht-Lebensmittelbereich. Da geht es unter anderem um unter Strom stehende Toaster, Kindervelos mit mangelhaften Bremsen und Kühl- und Gefrierapparate, die in Brand geraten können.

Die Warnungen werden aus den EU-Mitgliedsstaaten, in denen sie zuerst auffallen, nach Brüssel gemeldet. Von dort aus verständigt die Kommission die übrigen EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein und Norwegen.

Verkaufsverbote und Rückrufe

Die Meldungen werden zusätzlich jede Woche im Internet veröffentlicht. In mehr als der Hälfte der Fälle ordneten die nationalen Behörden Massnahmen wie Verkaufsverbote oder Rückrufe an.

Allerdings müssen die Behörden nicht in jedem Land dieselben Schritte ergreifen, sie besässen zum Teil einen Ermessensspielraum, erklärte die Kommission. In 44 Prozent der Fälle hätten die Produzenten oder Händler selbst gehandelt, ohne dass eine Behörde eingreifen musste.

Schweiz möchte bei RAPEX mitmachen

Die Schweiz ist bei RAPEX nicht dabei. Sie erhält die Warnungen aber indirekt. Durch RAPEX sind in den letzten Jahren auch in der Schweiz Rückrufe ausgelöst worden. Seit November 2008 verhandelt der Bund über eine Teilnahme.

Im Juni 2009 verabschiedete das Parlament ein Produktesicherheitsgesetz, das die EU-Normen des europäischen Binnenmarkts übernimmt. Das Gesetz schafft die Voraussetzung, dass die Schweiz überhaupt an RAPEX teilnehmen kann.

(sda)