Detailhandel

19. März 2020 18:25; Akt: 19.03.2020 18:25 Print

Migros und Coop versetzen Mitarbeiter an die Front

von F. Pöschl - Die Mitarbeiter von Melectronics, Interdiscount und Co. helfen in den Supermärkten aus. Wer Angst vor Ansteckungen hat, kann sich kaum gegen die Versetzung wehren.

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Bis 19. April bleiben wegen der Corona-Krise alle nicht versorgungsnotwendigen Läden geschlossen. Die Migros machte rund 250 Fachmärkte und Coop 700 Non-Food-Läden dicht, wie es auf Anfrage heisst.

Diese Mitarbeiter von Melectronics, Interdiscount und Co. sowie weitere Mitarbeiter aus den Büros von Migros und Coop sollen nun vor allem in den Supermärkten aushelfen, um den Ansturm zu bewältigen. Auch bei Lidl Schweiz sind es unter anderem Büromitarbeiter, die nun in den Läden tätig sind. Aldi Suisse prüft solche Massnahmen, wie es auf Anfrage heisst.

Angst vor Ansteckungen

Das passt nicht allen. Ein Lidl-Mitarbeiter sagt zu 20 Minuten, dass er sich wegen der vielen Kunden in den Läden vor Ansteckungen fürchtet. Er habe eine Familienangehörige, die zur Risikogruppe gehöre. Kadermitarbeiter könnten hingegen ins Homeoffice. Lidl schreibt 20 Minuten aber, die Unterstützung in den Filialen erfolge freiwillig und sei auch ans Kader gerichtet worden.

Was können Mitarbeiter tun, die aus Angst vor Ansteckungen auf keinen Fall im Laden arbeiten möchten? Wer zur Risikogruppe gehört, kann sich weigern, im Laden zu arbeiten, wie Thomas Geiser, Professor für Privat- und Handelsrecht an der Universität St. Gallen, zu 20 Minuten sagt. In einem solchen Fall gilt nach Ansicht von Geiser die gesetzliche Sperrfrist, die den Mitarbeiter vor Kündigungen schützt. Nachdem die Pandemie vorbei ist, könne der Arbeitgeber ihm aber kündigen.

Möglich wäre aber auch die Aushilfe in einem anderen Bereich, bei Coop ist das etwa in der Logistik oder in den Produktionsbetrieben möglich. Ist aber keine Versetzung in andere Bereiche möglich, müssen die Mitarbeiter im Laden aushelfen.

Eine Arbeitsverweigerung wäre laut Unia-Sprecherin Leena Schmitter nur erlaubt, wenn der Arbeitgeber die BAG-Hygienemassnahmen verletzt oder bei behördlichen Anweisungen.

Bei Arbeitsverweigerung droht Lohnausfall

Verletzt der Arbeitgeber Massnahmen und Anweisungen, empfiehlt Schmitter eine Dokumentation der Fälle sowie eine Benachrichtigung an die Gewerkschaft und schriftlich an den Arbeitgeber. Der Mitarbeiter soll seinem Arbeitgeber eine Frist bis zur Erledigung setzen und könne auch das Recht in Anspruch nehmen, nicht zur Arbeit zu gehen.

Wer sich der Versetzung in den Laden verweigert, hat keinen Lohnanspruch, wie Unia-Sprecherin Schmitter sagt. «Der Arbeitgeber kann die Person nach einer Verwarnung auch fristlos entlassen und sogar eine Entschädigung bis zu einem Viertel des Monatslohnes fordern», sagt sie.

Das Gespräch suchen

Der Arbeitgeber ist laut Geiser aber auch daran gehalten, auf die Angst des Mitarbeiters Rücksicht zu nehmen. «Insofern sollte der Arbeitgeber keine Disziplinarmassnahmen ergreifen, wenn der Arbeitnehmer nun aus Angst zu Hause bleibt», empfiehlt Geiser.

Er rät verängstigten Arbeitnehmern, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen und gemeinsam zu prüfen, ob Homeoffice möglich ist, ob alle Schutzvorkehrungen getroffen wurden, ob Ferien oder Überstunden in dieser Zeit bezogen werden können, oder ob die Fehlzeiten später nachgeholt werden können. Falls alles nicht möglich ist, solle der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ermöglichen, ohne Lohn zu Hause zu bleiben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr Bunsen Honeydrew am 19.03.2020 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An dieser Stelle

    Ein herzliches Dankeschön an die Mitarbeiter welche uns bedienen, beliefern etc.

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  • Felix am 19.03.2020 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Warum warum müssen einige Kunden.....

    oft mache ich mir Gedanken, wenn Kunden in der Brotabteilung zuerst 3 - 4 Brote drücken.... bevor sie dann ein ganz anders Brot in den Einkaufswagen legen... könnte mir vorstellen, dass auch so Krankheiten übertragen werden.

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  • ängstliche Mutter am 19.03.2020 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    Wer Angst vor Ansteckungen hat, kann sich kaum gegen die Arbeit wehren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • otto am 20.03.2020 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Einkaufen, Bestellen unterwegs seln usw. Ist alles so zu einer Selbstverständlichkwit geworden dass es den Menschen nur mal gut tut sich mal zuhause zu beschäftigen und überlegen was sie einkaufen wollen. Ich möchte aber nicht lesen wieviele Lebensmittel weggeschmissen werden wenn das ganze vorbei ist.

  • Kazi am 20.03.2020 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Salatsetzlinge Online die sehen super aus bis sie

    Sonja und wenn ich hundert Jahre alt werde,würde nie im Leben was online Bestellen.Genau das macht Arbeitsplätze und die Umwelt kaputt ,dafür braucht es nicht mal einen Virus .

  • BoBaFett am 20.03.2020 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MrMrs Proper

    Wir bedanken und immer allen nur müssen wir auch mal noch an die Reinigungskräfte denken die werden irgendwie nie erwähnt und ohne die würds auch nicht. Also an alle Reinigungkräfte MERCI!

  • Nach Überwachung am 20.03.2020 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gerufen, Bund plants

    Wer am 18'3.20 die Rundschau gesehen hat konnte sehen, wie das BAG ganz ruhig und besonnen der Medien-Hysterie entgegnen konnte. Nein, eine Ausgangssperre gebe es nicht. Jeder darf raus, die Gefährdeten einfach so wenig wie möglich. Aber Euer Schreien nach totaler Isolation und Überwachung wird jetzt kommen. Der Staat freuts.

  • Doris am 20.03.2020 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nick 71

    Nick 71 was nützt der Bereich offen wenn sie keine Setzlinge haben. Muss mich nicht informieren ,war selber dort und es gab ausser etwas Blumen nichts. Keine Salat und Gemüsepflanzen .