Dynamische Preise

04. Januar 2019 05:48; Akt: 04.01.2019 08:42 Print

Wenn die Ski-Tageskarte 101 Franken kostet

von Dominic Benz - Die flexiblen Preismodelle einiger Bergbahnen lassen die Preise für Skitickets durch die Decke gehen. Wintersportler sind schockiert.

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Einige Skigebiete setzten neu auf dynamische Preise. So etwa auch die Oberengadiner Bergbahnen. Das führt an schönen Tagen mit hoher Nachfrage zu Auswüchsen bei den Ticketpreisen. Kurz vor dem Jahreswechsel kostete eine Tageskarte für einen Erwachsenen 101 Franken. Die Oberengadiner Bergbahnen verteidigen sich. «Letztlich bestimmt der Konsument den Preis», sagt ein Sprecher auf Anfrage. Solch hohe Preise stossen bei vielen Wintersportlern auf Unverständnis. «Welche Familie kann sich das noch leisten? Ich bin schockiert», beschwert sich etwa 20-Minuten-Leserin Kathrin. Wie teuer sind die Schweizer Skigebiete im Vergleich? Der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat Preise für Ski-Tageskarten in Europa zusammengestellt. In der Erhebung berücksichtigt wurden über 100 Skigebiete in Österreich und jeweils 10 in der Schweiz, in Bayern und im italienischen Südtirol. Flims-Laax-Falera 73.93 Euro oder 85 Franken (Umrechnungskurs 1.14 Franken) : 224 Lenzerheide-Arosa 65.23 Euro oder 75 Franken : 225 Davos Parsenn & Jakobshorn 63.49 Euro oder 73 Franken : 137 Toggenburg 51.31 Euro oder 59 Franken : 60 Scuol-Motta Naluns 49.57 Euro oder 57 Franken : 80 Melchsee-Frutt 43.49 Euro oder 50 Franken : 36 Tschiertschen 42.62 Euro oder 49 Franken : 32 Axalp/Brienz 40.01 Euro oder 46 Franken : 15 Amden 30.44 Euro oder 35 Franken : 20 Österreich: Kitzbühl 57 Euro : 215 Saalbach-Hinterglemm-Leogang-Fieberbrunn 55 Euro : 270 Ski Arlberg 54.50 Euro : 305 Ischgl/Samnaun 54.50 Euro : 172 Sölden 54.50 Euro : 142 Raggal/Großes Walsertal 22 Euro : 7 Kronplatz 57 Euro : 119 Drei Zinnen 55 Euro : 91 Schwemmalm 40 Euro : 25 Garmisch-Classi 44.50 Euro : 40 Balderschwang 33 Euro : 40 Geisskopf 25 Euro : 8

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Pulverschnee und schönes Wetter locken in den jetzigen Weihnachtsferien Tausende Wintersportler auf die Schweizer Pisten. Doch wer sich spontan für den Skiplausch entscheidet, erlebt eine böse Überraschung: Die Preise für die Skitickets sind ins Astronomische gestiegen.

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Konkret: Für das Skigebiet Corviglia in St. Moritz musste ein Erwachsener am ersten Tag des neuen Jahres 95 Franken hinblättern, für eine Halbtageskarte 83 Franken. Für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren kostete der Tagespass 63.20 Franken und für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren 31.60 Franken. Kurz vor Jahresende lagen die Preise für Erwachsene an drei Tagen gar bei 101 Franken.

Nicht nachvollziehbar

Für viele Wintersportler sind diese Preise nicht nachvollziehbar. «Welche Familie kann sich das noch leisten? Ich bin schockiert», beschwert sich etwa 20-Minuten-Leserin Kathrin. Und Leserin Andrea meint: «Wenn man sparen will, muss man im Voraus planen. Mit Kindern ist das aber oft schwierig.» Zum Vergleich: In der letzten Saison gab es eine Tageskarte in St. Moritz noch fix für 79 Franken.

Grund für die jetzigen teuren Tickets sind dynamische Preise. Wie Andermatt oder Zermatt hat auch St. Moritz solche eingeführt, um die Pisten wieder zu füllen. Das heisst: Wenn das Wetter schön ist und viele Ski fahren wollen, steigen die Kosten. Umgekehrt verhält es sich bei schlechterem Wetter und geringerer Nachfrage. Dann profitieren die Gäste von attraktiveren Preisen.

«Konsumenten bestimmen den Preis»

Die Oberengadiner Bergbahnen verteidigen ihre Preispolitik. «Letztlich bestimmt der Konsument den Preis», sagt Sprecher Thomas Rechberger auf Anfrage. Am 29. Dezember etwa habe man 22'500 Skifahrer auf den Oberengadiner Pisten gehabt. Das sei sehr viel. «Je mehr Personen kaufen, desto mehr steigt der Preis.» Das sei das gleiche Prinzip wie bei den Flugtickets und Hotelübernachtungen. Nun gebe es dynamische Preise eben auch beim Skifahren.

Rechberger empfiehlt, früh auf der Plattform Snow-Deal.ch zu buchen. Wer dort bis 15 Tage vorher Tickets kaufe, spare bis zu 30 Prozent. «Die Preise liegen dann zwischen 45 und 70 Franken.» Man wolle bewusst jene Wintersportler belohnen, die unabhängig vom Wetter früh buchen. Im bisherigen Verlauf der Wintersaison hätten bereits ein Drittel der Gäste von solchen Frühbucher-Rabatten profitiert, insbesondere auch Familien mit schulpflichtigen Kindern.

Preise könnten theoretisch weiter steigen

Die neue Preispolitik habe man seit Juli öffentlich auf diversen Kanälen kommuniziert, sagt der Sprecher. Viele Gäste seien daher informiert und hätten Verständnis dafür, wenn die Preise mal höher seien. «Wer aber nur das Filetstück haben will und nur spontan an den schönen und besucherstärksten Tagen buchen möchte, ist sicherlich erstaunt über die teureren Tickets.»

Laut Rechberger könnten die Preise theoretisch mit steigender Nachfrage weiter nach oben klettern. «Bei den 101 Franken haben wir aber eine Schmerzgrenze ausgemacht.» Die Nachfrage habe sich auf diesem Level erschöpft. Angesichts der künftig noch zu erwartenden Gästezahlen dürften die Preise nicht mehr gross steigen, meint der Sprecher. Ende Saison werde man eventuell die Preisparameter im Modell anpassen. «Zurzeit sind wir aber zufrieden, sicherlich auch dank der super Pisten- und Wetterverhältnisse.»

Einseitige Kommunikation

Tourismusexperte Thorsten Merkle von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur kritisiert, dass die Bergbahnen die dynamischen Preise eher als Vergünstigung kommuniziert haben. «Die hohen Ticketpreise bei steigender Nachfrage sind aber die Kehrseite der Medaille.» Viele Gäste würden nun erkennen, dass flexible Preise nicht nur zu ihrem Vorteil seien.

Für Merkle ist klar, dass die Bergbahnen Frühbucher bevorzugen. «Sie haben so das Geld schon im Vorfeld sicher in der Tasche und können dadurch die unterschiedlichen Zahlungsbereitschaften der Kunden abschöpfen.» Mit dem Preismodell gebe man aber das Wetterrisiko zum Teil den Wintersportlern weiter.

«Nicht alle Schneesportler werden da mitmachen»

Unter dem Strich findet Merkle die dynamischen Preise gut. «Die Skigebiete haben von anderen Branchen wie der Hotellerie oder den Airlines gelernt.» Der Experte glaubt aber nicht, dass sich das Modell grossflächig bei den Schweizer Bergbahnen durchsetzen wird. «Nicht alle Kunden werden da mitmachen», sagt Merkle.

Laut einer Mitteilung der Bergbahnen Graubünden von Anfang Jahr ist die aktuelle Wintersaison gut angelaufen. Den regional grössten Zuwachs verzeichnen die Destination Engadin St. Moritz mit einem Frequenzplus von 10,6 Prozent. Das grosse Umsatzplus im Oberengadin sei teilweise auch auf den Snow-Deal zurückzuführen, wie es heisst.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Skifahrer am 04.01.2019 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preise

    Für mich ist ganz klar dass ich solche Skigebiete bei schönem und schlechtem Wetter meide. Sollen doch die Verantwortlichen dann wieder jammern dass Leute weg bleiben?

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  • 4304 GIEBENACH am 04.01.2019 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht sauber

    Das ganze ist doch einfach Geldgier und ungerecht für spontane Skifahrer und natürlich auch Familien.

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  • Peter Frei am 04.01.2019 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich machen die Konsumenten nicht mit

    Die Preise sind schon vor Jahren durch die Decke gegangen und ich habe die Skier entsorgt. Was nun jedoch abgeht, wird den Ski-Orten hoffentlich das Genick brechen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin Aston am 06.01.2019 00:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht abwärts

    Ich war mal Hotelier im Engadin. Nun bin ich froh dass ich diesen Bergbahnen Betreiber Meili und Wieser welche diese Blödsinnige Preis Deals ins Leben gerufen haben, nicht mehr ausgeliefert bin. Gute Nacht Engadin.

  • Wisli am 05.01.2019 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz

    Der Vergleich mit den dynamischen Preisen der Fluggesellschaften hinkt gewaltig. Dort bleiben Strecke und Sitzplatz gleich. Beim Skifahren bezahle ich mehr für weiger Platz und mehr Anstehen. Selbst die SBB sind davon weggekommen die Pendler in Stosszeiten mit höheren Preisen zu vergraulen und beschränken sich darauf, mit Sparpreisen von Stosszeiten wegzulocken. Die Bahnen haben es einfach noch nicht kapiert. Falls es dann wieder mal kriselt...

  • SubventiunGrischun am 05.01.2019 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hotelgast zahlt ganze Saison nur 38.-

    Der Hotelgast im Oberengadin bezahlt 38.- pro Tag. Weiss jemand, wieviel das Hotel zuschiesst? Wieviel zahlt das Hotel für die Tageskarte?

    • L.aur am 05.01.2019 23:37 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht

      Diese werden nächstes Jahr abgeschafft

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  • Enttäuschte Coni am 05.01.2019 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dynamisch??

    Von wegen auch nach unten dynamisch bei schlechtem Wetter: Heute grau mit leichtem Schneefall in Corviglia und eine Tageskarte kostet CHF 95. Gehts noch?

    • Enttäuschte Coni am 05.01.2019 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Enttäuschte Coni

      ...und dann waren nicht mal alle Bahnen offen!!

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  • Kardi am 05.01.2019 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Will auch noch etwas erwähnen

    Am 1.1.2019 in Celerina Parkplatz total überfüllt, sofort wieder kehrt gemacht 95 CHF gespart Am 3.1.2019 in Celerina Extra 1 1/2 Std früher aufgestanden 2 Bahnen !!!!!! In Betrieb, sofort wieder kehrt gemacht 95 CHF gespart. Gehe nie wieder Skifahren, denn was die Grossen können, machen die Kleinen über kurz oder lang auch!