Telecom

08. Februar 2019 13:19; Akt: 08.02.2019 15:22 Print

Wer hat bei der 5G-Vergabe gewonnen?

von R. Knecht - Sind die Telecom-Firmen mit der 5G-Frequenzversteigerung zufrieden? Was sagen Strahlungsgegner? Und was ist mit der britischen Konkurrenz geschehen?

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«Ein Blick ins Ausland zeigt, dass die Anbieter in Ländern wie Italien oder Grossbritannien für die wichtigsten Frequenzen viel tiefer in die Tasche greifen mussten. Deshalb sind wir mit den Resultaten der Auktion sehr zufrieden», sagt Olaf Swantee, CEO von Sunrise, über die Versteigerung der 5G-Frequenzen. «Wir sind mit dem Ergebnis der 5G-Auktion sehr zufrieden. Unsere Strategie war erfolgreich und wir freuen uns nun darauf, unser Netz weiter zu verbessern und noch in diesem Jahr 5G-Dienste einzuführen», sagt Pascal Grieder, CEO von Salt. Weniger begeistert ist die Swisscom, CEO Urs Schaeppi sagt lediglich: «Mit dem Aufbau des 5G-Netzes tragen wir zur Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Schweiz bei. Wir wollen die Menschen in der vernetzten Welt begeistern, egal ob in der Stadt oder auf dem Land.» Auf die Frage von 20 Minuten, ob die Firma zufrieden sei, antwortete Swisscom knapp, sie habe die notwendigen Frequenzen erhalten und man freue sich, die 5G-Infrastruktur ausbauen zu können. Warum die Swisscom sich im Vergleich zu den anderen Anbietern so zurückhaltend gibt, ist unklar. Telecom-Experte Ralf Beyeler von Moneyland.ch sagt zu 20 Minuten, die Firma habe mit 45 Prozent der Gesamtkapazität mit Abstand die meisten Frequenzbänder erhalten. Allerdings habe die Firma dafür viel bezahlen müssen: 196 Millionen Franken, das sind mehr als die Hälfte des Gesamterlöses der Auktion. Beyeler ist der Meinung, dass bei der Versteigerung letztlich nicht die Anbieter, sondern die Bevölkerung gewonnen hat. «Sie bekommt eine moderne Infrastruktur, ohne dass es eine grosse Verzögerung gibt», sagt er. «Wir werden schon bald mit 5G surfen», sagt Beyeler. Die Anbieter werden im Verlauf des Jahres 2019 ihre Netze ausbauen. Beyeler rechnet mit den ersten Geräten gegen Ende Jahr. Und innert zwei Jahren werde 5G voraussichtlich auch im Mittelpreissegment ankommen. Im Vorfeld der Auktion kursierten Gerüchte, dass Vodafone an 5G-Frequenzen in der Schweiz interessiert sei. Wie sich nun herausstellt, nahm nicht Vodafone, sondern die britische Firma Dense Air an der Auktion teil. Letztlich erwarb sie aber keine Frequenzen. Beyeler vermutet, dass der Netzausstatter im Auftrag eines Kunden – möglicherweise Vodafone – mitbot. Derzeit ist im Nationalrat eine Petition hängig, die fordert, dass der Bund keine Konzession für 5G vergibt, bis eine Risikobeurteilung zur Strahlenbelastung vom Bundesamt für Umwelt vorliegt. «Mich wundert schon, dass die Comcom jetzt hingeht und einfach die Konzessionsvergabe durchdrückt», sagt Kathrin Luginbühl, Mitglied des Petitionskomitees, zu 20 Minuten. Die Comcom hat mit der Auktion rund 379 Millionen Franken eingenommen. Das Geld fliesst in die Bundeskasse. Sunrise wendet 89,2 Millionen Franken für die 5G-Mobilfunkfrequenzen auf. Salt liess sich die Frequenzen 94,5 Millionen Franken kosten. Am meisten bezahlt hat die Swisscom mit 195,6 Millionen Franken.

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379 Millionen Franken geben die Schweizer Telecom-Anbieter für die neuen Frequenzbänder aus. Die Firmen wollen mit den Konzessionen das Netz für den neuen Mobilfunkstandard 5G ausbauen. Was bedeutet das Auktionsergebnis der Eidgenössischen Kommunikationskommission (Comcom) für die Schweizer Telecombranche? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

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Sind die Telecom-Firmen zufrieden?

Sie reagieren weitgehend positiv auf den Bescheid der Comcom. «Ein Blick ins Ausland zeigt, dass die Anbieter in Ländern wie Italien oder Grossbritannien für die wichtigsten Frequenzen viel tiefer in die Tasche greifen mussten. Deshalb sind wir mit den Resultaten der Auktion sehr zufrieden», sagt etwa Olaf Swantee, CEO von Sunrise. Auch Salt-CEO Pascal Grieder ist mit dem Ergebnis «sehr zufrieden». Bei der Swisscom heisst es lediglich, man habe die nötigen Frequenzen für den kommerziellen Betrieb des 5G-Netzes ersteigert. Der Anbieter scheint nicht so glücklich. Auf die Frage von 20 Minuten, ob die Firma zufrieden sei, antwortete Swisscom knapp, sie habe die notwendigen Frequenzen erhalten und man freue sich, die 5G-Infrastruktur ausbauen zu können.

Was stört die Swisscom?

Warum die Swisscom sich im Vergleich zu den anderen Anbietern so zurückhaltend gibt, ist unklar. Telecom-Experte Ralf Beyeler von Moneyland.ch sagt zu 20 Minuten, die Firma habe mit 45 Prozent der Gesamtkapazität mit Abstand die meisten Frequenzbänder erhalten. Allerdings habe die Firma dafür viel bezahlen müssen: 196 Millionen Franken, das sind mehr als die Hälfte des Gesamterlöses der Auktion. Vielleicht ist das der Grund, warum der Swisscom nicht nach Feiern ist. Andererseits hätte die Swisscom dank ihrer grossen Kundschaft aber Grund zur Zufriedenheit: «Pro Kunde bezahlt die Swisscom am wenigsten», sagt Beyeler.


Sunrise-CEO Olaf Swantee über den Auktionsprozess. (Video: 20M)

Wer hat bei der 5G-Vergabe gewonnen?

Das Ergebnis ist zumindest aus finanzieller Sicht für alle Anbieter erfreulich: Die Ausgaben sind wesentlich tiefer als bei der letzten Auktion im Jahr 2012, als die Telecom-Firmen insgesamt 996 Millionen Franken für Frequenzbänder zahlen mussten. Beyeler ist aber der Meinung, dass bei der Versteigerung letztlich nicht die Anbieter, sondern die Bevölkerung gewonnen hat: «Sie bekommt eine moderne Infrastruktur, ohne dass es eine grosse Verzögerung gibt.» Solche Verzögerungen hätte es geben können, wenn Sunrise und Salt nicht mit der Auktion zufrieden gewesen wären. Die Firmen hatten im Vorfeld gewarnt, sie würden in diesem Fall rechtliche Schritte in Erwägung ziehen.

Wann kommt 5G nun denn endlich?

«Wir werden schon bald mit 5G surfen», sagt Beyeler. Die Anbieter werden im Verlauf von 2019 ihre Netze ausbauen. Bereits dieses Jahr werde das 5G-Netz an einigen Orten zur Verfügung stehen. «Im Moment ist das in der Schweiz zwar noch bedeutungslos, da es gar keine Empfangsgeräte gibt», erklärt der Experte. Er rechnet aber mit den ersten Geräten gegen Ende Jahr. Und innert zwei Jahren werde 5G voraussichtlich auch im Mittelpreissegment ankommen.

Hiess es nicht, ein britischer Konkurrent biete mit?

Im Vorfeld der Auktion kursierten Gerüchte, dass Vodafone an 5G-Frequenzen in der Schweiz interessiert sei. Wie sich nun herausstellt, nahm nicht Vodafone, sondern die britische Firma Dense Air an der Auktion teil. Letztlich erwarb sie aber keine Frequenzen. Beyeler vermutet, dass der Netzausstatter im Auftrag eines Kunden mitbot: «Als unbekannte Firma ausgerechnet in der Schweiz ein Mobilfunknetz aufbauen zu wollen, wäre grössenwahnsinnig.» Wer der Kunde ist, ist allerdings unklar. Dense Air hat auf die Anfrage von 20 Minuten bisher nicht geantwortet. Vodafone sagt zu 20 Minuten, die Firma sei nicht der Auftraggeber von Dense Air.

Was sagen Strahlungsgegner?

Derzeit ist im Nationalrat eine Petition der IG Hadlikon hängig, die fordert, dass der Bund keine Konzession für 5G vergibt, bis eine Risikobeurteilung zur Strahlenbelastung vom Bundesamt für Umwelt vorliegt. «Mich wundert schon, dass die Comcom jetzt hingeht und einfach die Konzessionsvergabe durchdrückt», sagt Kathrin Luginbühl, Mitglied des Petitionskomitees, zu 20 Minuten. Damit ignoriere der Bund die Bedürfnisse von elektrosensiblen Menschen in der Schweiz und Forschungsergebnisse aus dem vergangenen Jahr, die darauf hindeuten, dass die Strahlung das Risiko für Hautschäden und Krebs erhöhen könnte. «Wir sind enttäuscht, dass sich der Bund den Interessen der Wirtschaft beugt», sagt Luginbühl.

Lesen Sie dazu auch folgende Artikel zum Thema Handystrahlen:
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Handys am Ohr sind schlecht fürs Gehirn.

Was passiert mit dem Geld?

Die Comcom hat mit der Auktion rund 379 Millionen Franken eingenommen, etwa die Hälfte davon von der Swisscom, der Rest von Salt und Sunrise. «Die Einnahmen fliessen als ausserordentliche Erträge in die allgemeine Bundeskasse und sind nicht an einen bestimmten Zweck gebunden», sagt ein Sprecher der Comcom zu 20 Minuten. Es sei an der Landesregierung und der Politik, zu entscheiden, wie die Mittel eingesetzt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • interessiiert am 08.02.2019 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    5g?

    wie schädlich ist 5g? ein artikel darüber wär toll!

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  • Andrea am 08.02.2019 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte beweisst erst,

    dass 5G KEINE negativen Folgen auf Mensch und Umwelt hat. Wir sind nicht eure Versuchskaninchen!!!

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  • Hörbi Z. am 08.02.2019 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheit?

    Was kommt da bloss an Strahlenbelastung auf uns zu? Vorher gültige Grenzwerte werden wohl einfach erhöht werden, damit es wieder passt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • von Roth Philip Alexander am 09.02.2019 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    5G

    5 G wird bereits vielerorts eingesetzt, obwohl die gesetzliche Grundlage fehlt und zahlreiche wirtschaftsunabhaengige Studien die bereits sichtbaren gesundheitlichen Schaeden belegen. Es ist beschaemend, wie das Vertrauen vieler nichtsahnenden Buerger missbraucht wird.

  • Bona am 09.02.2019 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anbieter wechseln

    Also eins ist klar, die Swisscom nicht mehr unterstützen.

  • Anonym am 09.02.2019 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beängstigend

    Es wurden ja Test in Holland durchgeführt und die sind beängstigend. Die Strahlenbelastung ist enorm und nun ist die Frage wer wiedermal gewinnt und profitiert. Reicht und das Tempo wirklich nicht mehr aus? Langsam führt das zur totalen Kontrolle der Menschheit.

  • Martin am 09.02.2019 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Vom unendlichen Wachstum

    Verloren haben auf jeden Fall alle Menschen und Tiere, die jetzt als Versuchskaninchen für unklare Gesundheitsrisiken herhalten müssen. Gibt es eigentlich noch soziale Verantwortung, oder ist das auch ewig gestrig?

  • Donald Dumb am 09.02.2019 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So geil

    Jetzt kann man noch mehr ins Smartfon gaffen.