Piraten am Horn von Afrika

08. Dezember 2008 15:24; Akt: 08.12.2008 18:03 Print

Wer schützt die Schweizer Schiffe?

von Cyprian Zajac - Die Überfälle im Golf von Aden häufen sich: Die EU schickt noch diesen Monat Kriegsschiffe und Soldaten für den Kampf gegen die Piraten. Auch private Sicherheitsfirmen wittern die Chance, viel Geld mit der Angst der Reeder zu verdienen. Wer aber schützt die Schweizer Schiffe?

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Für umgerechnet rund 4500 bis 8000 Franken pro Tag und Schiff bieten zurzeit verschiedene internationale Sicherheitsfirmen wie Blackwater verschiedenen Reedereien paramilitärischen Schutz an. Mit bewaffneten Patrouillenschiffen und ehemaligen Elitesoldaten wollen sie am Horn von Afrika für Sicherheit sorgen. Schon Mitte Oktober meldete die US-Sicherheitsfirma Blackwater, dass ihr 55-Meter-Kampfschiff, die McArthur, bereitstünde, die Schifffahrtsindustrie zu unterstützen und vor der steigenden Gefahr im Golf von Aden zu schützen.

Auch Schweizer Schiffe könnten gefährdet sein. Zurzeit besteht die Schweizer Hochseeflotte aus 33 Schiffen von 6 Reedereien. Davon sind 13 Schüttgutfrachter, 14 Containerschiffe und 6 Tanker. Dabei handelt es sich um moderne Schiffe, die im Schnitt 4 Jahre alt sind.

«Naive Deutsche»

Bei der Reederei Zürich AG sind bis jetzt sind noch keine Offerten von Sicherheitsfirmen eingetroffen. Gemäss Sprecher Mats Joensson ist es nicht die Aufgabe von Söldnern, für die Sicherheit der friedlichen Handelsflotte zu sorgen, sondern die der Staaten. «Die Staaten müssen mit Kriegsschiffen die Routen sichern, wenn nötig mit Gewalt», sagt Joensson und spricht sich für eine härtere Gangart aus. «Das Vorgehen der Dänen und Deutschen, die Piraten nur zu entwaffnen und anschliessend freizulassen, ist naiv. Man muss die Mutterschiffe zerstören, um die Piraten zu stoppen», so Joensson weiter.

Verhandlungen mit der EU

Auch Reto Dürler vom Schweizerischen Seeschifffahrtsamt ist nichts darüber bekannt, dass Schweizer Reedereien von Sicherheitsfirmen kontaktiert worden sind. «Wir sprechen keine Empfehlung aus, private Sicherheitskräfte anzuheuern. Es ist aber wiederum jeder Reederei selber überlassen, Dienste von Söldnern in Anspruch zu nehmen», so Dürler weiter.

Noch diesen Monat soll «Operation Atalanta» starten: Die EU will Kriegsschiffe an den Golf von Aden entsenden, die die Handelsschiffe schützen sollen. «Wir stehen mit der EU in Kontakt und wollen erreichen, dass auch Schiffe unter Schweizerflagge in geschützten Konvois mitfahren dürfen», erklärt Dürler.

Neues Geschäftsfeld für Söldner

Die zunehmenden Überfälle am Horn von Afrika kommen Erik Prince, Geschäftsführer der Söldnerfirma Blackwater, sehr gelegen. Denn der ehemalige Elitesoldat der amerikanischen Navy-Seals muss damit rechnen, dass mit Barack Obamas Amtsantritt die Aufträge in der «Goldgrube» Irak schwinden werden. Zusätzlich wird zurzeit die Immunität der Söldner im Irak aufgehoben, was sich negativ auf die Rekrutierung neuer Kräfte auswirkt. Mit dem Schutz vor Piratenüberfällen bietet sich der Firma nun ein neues Geschäftsfeld an, berichtet «faz.net».

Blackwater ist die grösste amerikanische Sicherheitsfirma und ist zurzeit vor allem im Irak tätig. Das Unternehmen ist eng mit der Bush-Regierung verbunden und führte für den Staat auch Kampfeinsätze durch. Das erste Mal zog das Unternehmen im Jahr 2004 die Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf sich, als vier seiner Angestellten in Falludscha von Aufständischen angegriffen, getötet und verstümmelt wurden.

In den vergangen Jahren bekamen Blackwater-Mitarbeiter den Ruf von schiesswütigen Söldnern. Im September 2007 eröffneten Angestellte der Sicherheitsfirma das Feuer auf irakische Zivilisten. Dabei wurden 17 Menschen getötet und 24 schwer verletzt. Zur Rechenschaft gezogen wurde bis heute kein einziger Söldner, denn im Irak besassen die Mitarbeiter bisher Immunität vor Strafverfolgung. Für Blackwater gilt weder das irakische noch das US-Recht. Dadurch müssen sich die Söldner auch nicht an die Genfer Konventionen halten. Sie sind so ein schlagkräftiges, wenn auch umstrittenes Werkzeug der USA im Irakkrieg. Weiterer Vorteil für die US-Regierung: Tote oder Verletzte von privaten Sicherheitsfirmen werden nicht in den offiziellen Statistiken geführt.