«Fürs schöne Zuhause»

21. Juli 2014 23:39; Akt: 21.07.2014 23:39 Print

Westwing könnte zum Zalando für Möbel werden

von Valeska Blank - Es gibt einen neuen Stern am Himmel in der Online-Möbelbranche: Das deutsche Jungunternehmen Westwing. Es wird bereits als Nachfolger von Zalando gehandelt.

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Sie gilt als eine der besten und innovativsten Online-Unternehmerinnen in der Möbelbranche: Delia Fischer, Mitgründerin von Westwing. Die 30-jährige Geschäftsführerin war ursprünglich Moderedakteurin bei der Frauenzeitschrift «Elle». Heute verkauft sie auf ihrer Website trendige Möbel und Einrichtungsprodukte. Westwing besteht aus einem Online-Versandhandel für Einrichtungs- und Dekorationsgegenstände. In Deutschland zählt die Website rund 1,7 Millionen Mitglieder. In der Schweiz hat Westwing nach eigenen Angaben 200'000 Kunden. Der Schweizer Möbelmarkt ist laut Schätzungen von Experten etwa 4 Milliarden Franken schwer. Möbel Pfister ist der grösste Schweizer Möbelhändler. Das Unternehmen hat in Sachen Onlinehandel ehrgeizige Pläne: In zehn Jahren sollen bis zu 25 Prozent der Möbel im Internet verkauft werden. Auch Interio investiert kräftig in seinen Onlineshop. Gemessen am Umsatz ist Ikea die Nummer eins im Schweizer Möbelmarkt. Auch der schwedische Riese rüstet seinen Onlineshop auf. Der Verkauf von Einrichtung gilt als Herausforderung in der E-Commerce-Branche. Doch die Zeichen sprechen dafür, dass sich der Online-Vertrieb von Möbeln zum nächsten grossen Wachstumsmarkt entwickelt. Doch der Weg ist noch weit: In der Schweiz werden bei Möbeln und Wohnaccessoires bisher weniger als 10 Prozent im Internet verkauft. Ganz anders sieht es beim Handel mit Kleidern und Schuhen aus: Branchengrössen wie Zalando haben den Schweizer Markt kräftig aufgemischt.

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Es soll die nächste Goldgrube im Online-Handel werden: Das Geschäft mit Möbeln und Wohnaccessoires. Der weltweite Markt rund ums Thema «Schöner Wohnen» ist 400 Milliarden Euro schwer, schätzt der Online-Möbelhändler Westwing.

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Das deutsche Start-up gilt als Spitzenanwärter auf eine führende Position in der Branche. «Wenn aktuell jemand das Zeug zum nächsten Zalando hat, dann Westwing», sagt der deutsche E-Commerce-Experte Jochen Krisch zu 20 Minuten. Aufgrund seiner konsequenten Lifestyle-Ausrichtung könne das Unternehmen im Einrichtungssegment eine ähnlich führende Rolle übernehmen wie Zalando im Mode-Onlinehandel.

Der Vergleich mit dem Online-Schwergewicht kommt nicht von ungefähr. Die Start-up-Schmiede Rocket Internet, aus der Zalando hervorging, zählt zu den Geldgebern von Westwing. Rocket Internet und weitere Investoren scheinen das Jungunternehmen zu lieben: 150 Millionen Euro hat es bis jetzt eingesammelt. Das macht Westwing zu einem der am besten kapitalisierten Start-ups ausserhalb der USA, schreibt die «Financial Times».

Unaufgeregter Auftritt

So aufgeregt wie Zalando mit seinen «Schrei»-Werbespots präsentiert sich Westwing in der Schweiz jedoch nicht. Während das Unternehmen in deutschen Medien schon regelrecht gehypt wird – ProSieben bezeichnete Geschäftsführerin Delia Fischer kürzlich als «Deutschlands erfolgsreichste Geschäftsgründerin» –, hält sich Westwing beim Werbeauftritt noch zurück.

Doch die Zahlen sprechen für sich: Im deutschsprachigen Markt hat der Möbelhändler 1,7 Millionen Mitglieder. Auf die Schweiz entfallen 200'000 Kunden, heisst es auf Anfrage von 20 Minuten. Man sei mit dem Geschäftsverlauf in der Schweiz zufrieden, sehe aber noch «viel Potenzial für mehr Wachstum», sagt Sprecherin Hannah Neumann. Westwing hat seinen Umsatz – vergangenes Jahr waren es 110 Millionen Euro – seit seiner Gründung im Jahr 2011 verdreifacht. Die Firma ist in elf Ländern aktiv und beschäftigt 1100 Mitarbeiter.

Schweizer fürchten Konkurrenz nicht

Auch die Schweizer Möbelhändler rüsten auf in Sachen Onlinehandel. Möbel Pfister hat seinen Onlineauftritt im April 2014 komplett überarbeitet und ist mit über 14‘000 Produkten der grösste Online-Anbieter in der Schweiz im Einrichtungsbereich. Auf den Markteintritt von Anbietern wie Westwing reagiert man gelassen: «Im Vergleich zu puren Online-Playern setzen wir auf die erfolgreiche Verknüpfung von stationärem Handel mit dem Online-Bereich», sagt Sprecherin Sylvie Merlo.

Der Online-Shop von Interio besteht seit knapp einem Jahr. «Er macht bereits 6 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus, Tendenz steigend», sagt Sprecherin Nadine Christen. Auch Interio fürchtet die Konkurrenz von Westwing nicht: «Aufgrund des unterschiedlichen Konzepts sehen wir das Unternehmen nicht als direkten Mitbewerber.»

Alles, was schön ist

Westwing positioniert sich nicht als herkömmlichen Online-Möbelhändler, sondern bezeichnet sich als «ersten Shoppingclub für Home & Living in der Schweiz». Der Fokus liegt auf allem, was besonders hübsch ist: Lampen, Sofas, Wohnaccessoires — man findet auf der Website alles «für ein schönes Zuhause», wie Firmengründerin Delia Fischer schreibt.

Gleichzeitig setzt Westwing auf Schnäppchen und verkauft seine Artikel schon mal zu Rabatten von bis zu 70 Prozent. Zuschlagen dürfen nur registrierte Mitglieder. Doch auch das lästige Registrieren will Westwing hübsch gestalten: Der Name in
der Login-Eingabemaske erscheint in kalligrafischer Schrift.


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 22.07.2014 07:02 Report Diesen Beitrag melden

    Registrierungszwang für Online-Shop?

    Auf der Shop-Seite von Westwing scheint es ein Registrierungszwang zu geben, bevor man überhaupt die Produkte ansehen darf. Das geht gar nicht!

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  • Mike am 22.07.2014 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wer will schon wie Zalando sein?

    Nachfolger von Zalando? Also schreiben die auch ewig nur rote Zahlen und haben miese Arbeitsbedingungen?

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  • kira am 21.07.2014 23:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zalando

    Ich verstehs nicht Zslando ist überteuert und die Mode ist schrecklich!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patricia am 13.02.2017 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung bei den Preisen!

    Achtung, Westwing hat eine komische Preispolitik. Kommode bei Möbel Pfister kostet CHF 699 (Kommode Jasmine) und bei Westwing (Kommode Jaden) CHF 1659 (vorher CHF 2583)! Es sind wirklich die gleichen Kommoden. Empfehlung falls möglich, vergleicht die Produkte und Preise bei anderen Händler.

  • Tomy am 22.07.2014 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie Zalando?

    Kann ich mir da 10 Polstergruppen bestellen und wieder zurück senden? Schwachsinniger Vergleich.

  • Leonie am 22.07.2014 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Weekly Newsletter!

    Hallo zusammen! Ich bin ebenfalls Kundin bei Westwing. In meinem Konto habe ich eingestellt, dass ich lediglich den wöchentlichen, also nicht täglichen, Newsletter erhalte. So werde ich nicht "vollgespamt" und weiss dennoch über die schönsten Sales bescheid. Und anmelden muss man sich nun mal... das ist das Konzept, das hinter Westwing steht. Sonst könnten sie die Produkte aber auch nicht so günstig anbieten!

  • Andrea am 22.07.2014 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Sooo viele tolle Produkte

    Westwing ist einer meiner liebsten Online-Shops. Habe dort bereits mehrmals in die Schweiz bestellt und es hat alles reibungslos funktioniert. Die Qualität der Produkte ist wirklich schön; häufig sind auch Markenprodukte wie von Alessi, Villeroy&Boch oder Fischbacher dabei... Lediglich ein Mal hatte ich ein Problem mit einer Bestellung - der Kundenservice war super nett und hilfsbereit! Kann ich nur empfehlen!!!

  • reto am 22.07.2014 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Teilweise tolle sachen...

    jedoch viel zu lange lieferfristen.