Gegen Grossbrauer

29. August 2012 11:03; Akt: 29.08.2012 12:57 Print

Wie Basler Wirte im Bierkrieg tricksen

von Lukas Leuzinger, sda - Heineken und Carlsberg dominieren den Biermarkt und erhöhen konstant ihre Preise. Der Wirteverband Basel-Stadt hat davon genug und packt das Problem bei der Wurzel.

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Heineken und Carlsberg stossen mit ihrer Preispolitik auf Kritik. (Bild: Keystone)

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Mit einer neuen Runde von Parallelimporten heizt der Wirteverband Basel-Stadt den Streit mit den Bierkonzernen Heineken und Carlsberg weiter an. Die Grossbrauereien erhöhen seit Jahren im Gleichschritt die Preise - gleichzeitig gewähren sie den Wirten in den Hinterzimmern immer grosszügigere Darlehen und Finanzierungshilfen.

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Basler Wirte umgehen die hohen Bierpreise - Haben sie recht?
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Der Streit zwischen Bierkonzernen und Wirten über die steigenden Bierpreise in der Schweiz geht in eine neue Runde. Über eine Handelsfirma lässt der Wirteverband Basel-Stadt Bier von Carlsberg und Heineken an den offiziellen Kanälen der beiden Brauereikonzerne vorbei importieren. Ab kommender Woche bietet der Verband das Bier sowie weitere Getränke in Pratteln BL seinen Mitgliedern an - teilweise deutlich unter den Schweizer Listenpreisen, wie er in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt.

Damit weitet der Verband den Parallelimport von Bier aus, mit dem er im Mai begonnen hatte. Erstmals ist auch Heineken, der zweite grosse Anbieter in der Schweiz, betroffen. Bisher hatten die Basler Wirte nur Carlsberg-Biere importiert.

«Damit zeigen wir vor allem den Preistreibern Carlsberg und Heineken, dass wir ihre Geschäftspolitik nicht mehr länger tolerieren», sagt Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt. Mit den Parallelimporten sollen Lieferanten dazu ermuntert werden, ebenfalls die offiziellen Verkaufskanäle zu umgehen.

Preiserhöhungen im Gleichschritt

Hintergrund der Aktion ist die jüngste Preiserhöhung von Heineken. Der Konzern, zu dem unter anderen die Biermarken Eichhof, Calanda und Haldengut gehören, hatte im Juli angekündigt, die Preise in der Schweiz per Oktober um durchschnittlich 3,9 Prozent zu erhöhen. Heineken folgte damit dem Konkurrenten Carlsberg: Dessen Zugpferd in der Schweiz, die Brauerei Feldschlösschen, hatte nur wenige Monate zuvor eine Preiserhöhung von 4,4 Prozent bekanntgegeben. Carlsberg besitzt in der Schweiz neben Feldschlösschen auch Marken wie Cardinal oder Hürlimann.

Damit wiederholte sich das bekannte Spiel: Seit Jahren erhöhen die beiden grössten Anbieter auf dem Schweizer Biermarkt die Preise praktisch im Gleichschritt - allein seit 2007 um jeweils über 20 Prozent.

Carlsberg und Heineken kommen gemäss Schätzungen der IG der Klein- und Mittelbrauereien zusammen auf einen Marktanteil von rund 65 Prozent - die von ihnen importierten Biere nicht mitgerechnet. Da verwundert es kaum, dass angesichts der auffällig parallelen Preiserhöhungen der Verdacht eines wettbewerbsrechtlich unzulässigen Verhaltens laut wird.

«Das sieht nach einer Absprache aus», sagt Franziska Troesch-Schnyder, Präsidentin des Konsumentenforums. Sie vermutet, dass die beiden Grosskonzerne ihre Machtstellung auf dem Markt ausnutzen.

«Stillschweigendes Preiskartell»

Besonders ins Gewicht fallen die Preiserhöhungen bei den Wirten. Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt spricht von einem «stillschweigenden Preiskartell» der beiden Marktführer.

Nachdem Carlsberg-Tochter Feldschlösschen Anfang Jahr die Preise erhöht hatte, reichte der Verband gar eine Anzeige bei Preisüberwacher Stefan Meierhans ein. Dieser leitete daraufhin Abklärungen ein, wie er auf Anfrage bestätigt.

Meierhans sucht mit den betroffenen Parteien nach einer einvernehmlichen Lösung. Mit der neuerlichen Preiserhöhung leistete Heineken diesen Bemühungen allerdings einen Bärendienst, wie Meierhans durchblicken lässt. «Das hilft sicher nicht», konstatiert er.

Doch nicht nur die Preiserhöhung an sich stört die Wirte. «Besonders ärgerlich ist die ungleiche Preissteigerung im Gastgewerbe und im Detailhandel», sagt Patrick Grinschgl von Gastro Luzern. Gemäss den Zahlen des Basler Wirteverbands erhöhten Carlsberg und Heineken zwischen 1995 und 2010 die Preise für Flaschenbiere nicht einmal halb so stark wie die Fassbierpreise.

Die Bierkonzerne schieben den schwarzen Peter zurück. Für den höheren Preis, den der Kunde im Restaurant für ein Bier bezahle, seien sowohl die Brauereien als auch die Wirte verantwortlich, sagt Olivier Burger, Mediensprecher von Heineken Schweiz. «Der Offenbierpreis ist seit 2007 von unserer Seite um 59 Rappen pro Liter gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat sich der Preis für ein Liter in der Gastronomie aber um 2,23 Franken verteuert.»

Den Vorwurf der Preisabsprache weisen die grossen Brauereien weit von sich. «Wir haben in der Schweiz einen hart umkämpften Markt», sagt Markus Werner, Mediensprecher bei Feldschlösschen. Das zeige sich nur schon daran, dass die Zahl der Brauereien in den letzten Jahren deutlich gestiegen sei.

Intransparente Verhandlungen

Auch bei den kleinen und mittelgrossen Brauereien sieht man kein wettbewerbsrechtlich bedenkliches Verhalten der grossen Konkurrenten. «Ich glaube nicht, dass es Preisabsprachen gibt», sagt Alois Gmür. Er leitet die Brauerei Rosengarten in Einsiedeln und ist Präsident der IG der Klein- und Mittelbrauereien.

Die Listenpreise der Hersteller sagen laut Gmür ohnehin relativ wenig aus. Einerseits erhöhten Carlsberg und Heineken praktisch im Gleichschritt ihre Preise, gleichzeitig kämen sie den Wirten mit immer grosszügigeren Rabatten und anderen Leistungen entgegen. So erhalten viele Wirte Kredite von den Brauereien. Diese sichern oftmals das Überleben des Betriebs - gleichzeitig binden sich die Beizer damit langfristig an ihre Lieferanten.

Anderen Beizern finanzieren die Konzerne Anschaffungen wie beispielsweise die Buffetanlage oder die Bestuhlung des Restaurants. Alles wird individuell verhandelt. «Da wird im Hinterzimmer der Betriebe gemauschelt», ärgert sich Gmür, dessen Brauerei nach seinen Angaben Mengenrabatte gewährt, aber keine Darlehen gibt. «Das ist völlig intransparent.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lukas, Unser Bier Aktieninhaber am 29.08.2012 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kampf den Giganten

    das nennen wir Kapitalismus... Man erzeugt eine Abhängigkeit in dem Beizen eingerichtet werden, dafür kann man die Bierpreise stetig erhöhen... es leben die Kleinbrauereien. Unterstützt diese!!

  • Louis am 29.08.2012 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Auch die Wirte müssen über die Bücher

    Auch die Wirte müssen über die Bücher betreffend den Bierpreisen, nicht nur diese Gross-Brauereien. Denn wenn das stimmt, dass sich das Offenbier für die Wirte nur 59 Rp verteuert hat ab 2007; die Wirte aber CHF 2.23 mehr verlangt haben von den Kunden, dann habe ich schon Mühe damit.

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  • Berner_Eidgenosse am 29.08.2012 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn schon ein Bier..

    Ist doch klaro, kleine Brauereien unterstützen, wer Verträge macht mit dem Pipiwasserhersteller ist jetzt echt selber schuld. Das Gesöff Heineken,Feldschlössli und Co. kann ma ja eh nicht Bier nennen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Flix Luzern am 29.08.2012 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    So kurz sichtig

    Die wirte sollen sich mal an der nase nehmen und ihre preise nicht wuchern lassen und tonnen weisse gläser und werbematerial vordern von den brauereien so müsste der preis auch nicht erhöt werden!!! Ich finds tragisch das so sachen überhaupt im 20 min stegt

    • Rechner am 30.08.2012 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      Gesamtpaket

      Nicht alle Bierbrauereien geben Werbematerial einfach nur so her.... Vielerorts muss dafür bezahlt werden! Man darf nicht vergessen, wass alles mit dem "Bier" bezahlt wird. Auch Mitarbeiter, Miete, etc.... Daher nicht alles scheint so wie es ist! Getrickst wird überall!

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  • Mr. T am 29.08.2012 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Ich trinke Euelbräu!

  • Schlussfolgerer am 29.08.2012 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Informationen

    Beispielhaft für die Fusionen und Stilllegungen ist die Feldschlösschen-Gruppe in Rheinfelden. Sie integrierte ab 1988 die Brauereien Hochdorf (stillgelegt), Warteck in Basel (stillgelegt), Valaisanne in Sion, Cardinal in Fribourg (stillgelegt) und Hürlimann in Zürich (stillgelegt), bis sie ihrerseits im Jahre 2000 von der dänischen Carlsberg übernommen wurde. Haldengut in Winterthur und Calanda in Chur schlossen sich 1990 zusammen und gingen 1993 an die niederländische Heineken, 2008 kam Eichhof in Luzern dazu. Der alte Standort von Haldengut in Winterthur wurde geschlossen. Quelle:Wikipeda

  • Peter Hofer am 29.08.2012 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Massenware...

    Mag diese fade Massenware sowieso nicht... Unterstützt lokale Brauereien!

  • Mmmhh am 29.08.2012 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Bierlandschaft Schweiz

    Hallo 20min Wie wäre es mal einen Beitrag zum Thema Bierlandschaft Schweiz zu verfassen. In dem kleine aber feine Brauereien vorgestellt werden, welche unabhängig von grossen Konzernen sind.