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20. März 2018 07:44; Akt: 20.03.2018 12:35 Print

Facebook für Reiche beim Börsengang erfolgreich

von Dominic Benz - Lebemann Liotard-Vogt bringt seine Plattform A Small World an die Börse. Mit Erfolg – aber Experten rümpfen die Nase.

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Am Dienstagmorgen ist Nestlé-Erbe Patrick Liotard-Vogt nicht auf einer Yacht oder in einer Luxus-Hotelsuite irgendwo auf der Welt, sondern an der Schweizer Börse. Punkt 9.00 Uhr läutete er mit der Glocke den Handelstag ein. Das ist bei Börsenneulingen so Tradition. Denn Liotard-Vogt bringt die Aktien seiner Social-Media-Plattform A Small World (ASW) – eine Art Facebook für die Schönen und Reichen – erstmals unter die Anleger. Mit Erfolg: Die Aktie startete mit 12,40 Franken rund 27 Prozent über dem mit 9,75 Franken festgelegten Anfangspreis. Mit der Börsennotiz will die Firma aus Zürich ihre Bekanntheit steigern – sprich schlicht Werbung für sich machen.

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Die Korken knallen lassen will Liotard-Vogt zum Start seines Börsendebüts noch nicht. Das dürfte spätestens am Abend ohnehin passieren. Dann schmeisst er eine Party mit 400 Gästen. «Wir hoffen, dass das Angebot an der Börse Anklang findet und der Kurs steigt», hatte Liotard-Vogt am Vortag zu 20 Minuten gesagt.

«Wir schreiben derzeit rote Zahlen»

ASW macht keine Gewinne. «Nach einer profitablen Phase schreiben wir derzeit rote Zahlen», so Liotard-Vogt, der die Plattform 2009 vom unterdessen tief gefallenen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein abgekauft hatte. Jüngst habe man eben viel in den Aufbau des Teams und ins Marketing investiert, um das Wachstum voranzutreiben. Doch man werde weiter wachsen, das sei das Geschäftsmodell. «Wir haben bereits bewiesen, dass wir wachsen können», so der Unternehmer.

Zu 60 Prozent finanziert sich ASW über die Mitgliederbeiträge. Member zahlen rund 100 Franken, um Zugang zum exklusiven Netzwerk zu erhalten. Die restlichen 40 Prozent nimmt die Plattform über die Organisation von exklusiven Veranstaltungen rund um den Globus, VIP-Zugänge in Luxushotels oder Reisen ein. Hinzu kommt der Verkauf einer Clubkarte für 2400 Franken pro Jahr, mit der man in die schicksten Nachtclubs kommt. Wer Mitglied bei ASW werden will, muss eine Einladung erhalten oder einen Antrag stellen.

Ambitionierte Pläne

Vor einigen Jahren hatte die Plattform aber noch mehrere 100'000 Mitglieder. Damals finanzierte sich das Netzwerk noch über Werbung. 2013 krempelte Liotard-Vogt die Firma um. Seither müssen die Mitglieder die Gebühr zahlen. Das goutierten viele nicht. Heute hat ASW 28'000 Nutzer. Den Kundenschwund sieht Liotard-Vogt positiv. «Wir wollen eine exklusive Community, bei der wir nicht von klassischer Werbung abhängig sind.» Der Mix von Werbung und Exklusivität sei eben schwierig.

Der Umsatz legte letztes Jahr um ein Fünftel auf fünf Millionen Franken zu. Die Zahl der Mitglieder sei um knapp ein Drittel angestiegen. Das soll so weitergehen. Bis in vier Jahren will man die Mitgliederzahl mehr als verdreifachen, gleichzeitig soll der Umsatz jährlich um ein Drittel wachsen.

Anleger, die an Wachstum glauben

An die Börse will Liotard-Vogt, um die Bekanntheit der Plattform zu steigern und um Zugang zum Kapitalmarkt zu erhalten. Das soll mehr Flexibilität für Zukäufe verschaffen.

Exklusivität soll das Kaufargument für die Aktie bestimmen: «Wir sind die einzige Social-Media-Aktie an der Schweizer Börse», sagt Liotard-Vogt. Man wolle Anleger, die an das Wachstum von ASW glaubten und ihr Portfolio diversifizieren wollten.

Skeptische Experten

Für Rolf Biland, Anlagechef beim Vermögenszentrum, ist die Aktie eine sehr riskante Investition. «Angesichts der bekannten Geschäftszahlen steht der Börsenwert in keinen Verhältnis zum angekündigten Emissionspreis», sagt er auf Anfrage. Die Nachfrage unter den Anlegern dürfte bescheiden sein. «Ich wäre erstaunt, wenn sich der Aktienkurs nachhaltig über dem Ausgabepreis bewegen kann.» Die Vergangenheit der Firma sei bisher alles andere als erfolgreich gewesen. «Ich weiss nicht, was jetzt neu und besser sein soll, ausser dass man den Börsenhype für sich nutzen will», sagt Biland.

Skeptisch ist auch Manuel Ferreira, Leiter Anlagestrategie bei der Zürcher Kantonalbank. Grund sei die Grösse der Firma. «Kleine Börsengänge sind sehr risikoreich. Es ist allgemein von einem kleineren Handelsvolumen auszugehen», so Ferreira. Zudem seien Börsenneulinge Wachstumstitel. «Das Wachstum stelle sich bei solchen Firmen oft erst später ein – wenn überhaupt.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jöggi am 20.03.2018 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewerbung

    Lebemann scheint mir ein schöner, guter und lustiger Beruf zu sein. Werde mal ein paar Bewerbungen raushauen. Wer weiss, vielleicht schaffe ich es dann noch zum CLO (Chief Lebemann Officer). Da verdient man dann auch besser.

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  • BenG am 20.03.2018 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Exklusiv?

    So reich scheint mir die Mitgliederschaft aber nicht zu sein, wenn sich fast drei Viertel die 100.- Jahresbeitrag nicht leisten können. Und so exklusiv scheint die Plattform nicht zu sein, wenn sie sich die 100.- dafür nicht leisten wollen.

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  • mike p am 20.03.2018 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsche einstellung

    Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann"

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr. Moet am 21.03.2018 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos

    Plattform für Reiche? Was sollen dann die $100,00 jährliche Gebühr.. das kann sich ja praktisch jeder leisten. Wenn dann sollte man minimum noch ne Null dranhängen und das Auswahl verfahren sehr streng halten. Sonst kann ich genauso gut Facebook nutzen.

  • Realist am 21.03.2018 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    BRAUCHEN WIR SOLCHE BLENDER ???

    Solange nur sogenannte Reiche untereinander ausgenommen werden soll er das machen - aber der Rest soll er bitte in der Öffentlichkeit nicht belästigen und in Ruhe lassen.

  • Stefan W. am 21.03.2018 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Klartext

    Ein weiterer Narzist und Blender den die Welt nicht braucht.

  • Der Berner am 20.03.2018 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einladung für Kriminelle

    Gute Idee, dann wissen die Kriminellen noch schneller und einfacher wo Geld zu holen ist. Die allgemeine Verblödung nimmt ihren ungebremsten Lauf.

  • Café Racer am 20.03.2018 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Fakebook

    Bei mir gibt es heute Kotlette mit Käse überbacken.

    • fred am 20.03.2018 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Café Racer

      du lebst, man(n)!! Gutes Gefühl, nicht?!

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