Nespresso

11. Januar 2011 19:00; Akt: 11.01.2011 19:02 Print

Wie Nestlé sein Kapselimperium schützt

Drei Milliarden Franken hat Nestlé 2010 mit Nespresso verdient. Um den Honigtopf zu schützen, lässt der Lebensmittel-Multi seine Patent-Kavallerie gegen Denner reiten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Geschäft mit der 1976 patentierten «Kartusche für die Zubereitung eines Getränks» hat sich als Goldgrube erwiesen. Jedes Jahr fährt Nestlé dank Nespresso mehrere Milliarden Franken ein. Obschon es bereits zahlreiche vergleichbare Kaffeekapsel-Systeme gibt, ist Nespresso nach wie vor die klare Nummer eins in diesem Wachstumsmarkt. Mehr als über Konkurrenzsysteme ärgern sich die Verantwortlichen bei Nespresso daher in erster Linie über Nachahmer, die Kapseln entwickeln, welche in Nespresso-Maschinen ebenfalls eingesetzt werden können. In Frankreich sind mit Ethical Coffee des ehemaligen Nesspresso-Chefs Jean-Paul Gaillard und L'Or der amerikanischen Firma Sara Lee bereits zwei Konkurrenzprodukte auf dem Markt. Den Patent-Inhabern geht das völlig gegen den Strich. Sobald Nestlé Wind von Produkten erhält, die die eigenen Kapseln konkurrenzieren könnten, fährt der Konzern deshalb die Krallen aus und bemüht die interne Rechtsabteilung.

So auch im jüngsten Fall gegen Denner. Wegen angeblicher Markenverletzungen und wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen hat das St. Galler Handelsgericht am Montag Denner untersagt, weiterhin Kaffeekapseln für Nespresso-Maschinen zu verkaufen. Einmal mehr scheinen sich die unzähligen Patente, die Nestlé auf sein Kaffeekapselsystem angemeldet hat, auszuzahlen. Weltweit sollen es über 1700 Patente sein.

Eine Vielzahl davon sind allerdings identische Patente, die in verschiedenen Ländern zur Anwendung kommen, erklären Experten. «Zentral sind vielleicht sechs oder sieben Patente, aber die haben es in sich», sagt Pascal Schlittler. Der Branchenkenner ist CEO der Mocoffee AG, einer Vertriebstochter der Monodor AG, dem Unternehmen von Nespresso-System-Erfinder Eric Favre. Dieses hat unter anderem die Delizio- und die Lavazza-Kapseln entwickelt.

Konkurrenz bereits in den Startlöchern

Die Zeit, in der Nestlé mit Patenten die Konkurrenz in Schach gehalten hat, dürfte jedoch bald vorbei sein. Das Schlüsselpatent - die hermetisch abgeschlossene Kapsel, die durch eine Filterplatte in der Maschine durchstochen wird - läuft 2012 ab. Schlittler ist überzeugt, dass es Nespresso dann mit einer Vielzahl von Konkurrenten zu tun haben wird, die frontal von der Nespresso-Technologie profitieren wollen: «Viele werden allerdings nicht Fuss fassen können.»

Bereits zuvor wird sich Monodor gegen Konkurrenten behaupten müssen. Die Patente für die Delizio- und die Lavazza-Maschinen sind nur noch bis Ende Jahr gültig. Im Gegensatz zu Nespresso, das keine Konkurrenzkapseln für die eigenen Maschinen zulassen will, setzt Monodor auf eine andere Strategie. Das Tochterunternehmen Mocoffee produziert bereits heute - in Absprache mit der Migros - Generikakapseln für das Delizio-System. «Um die Lavazza- und Delizio-Technologie weiter zu verbreiten suchen wir derzeit die Zusammenarbeit mit externen Partnern», verrät Schlittler. Ziel sei es, den Kunden ein möglichst grosses Kaffeeangebot zu ermöglichen. Ob Monodor mit dieser Taktik im liberalisierten Kapsel-Markt besser bestehen wird als Nespresso, wird sich allerdings weisen müssen.


Denner-Kunden reagieren verärgert über den Gerichtsentscheid vom Montag
(Video: Keystone)

(rn)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tina am 12.01.2011 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem bitte?

    Jeder soll doch kaufen was er möchte. ich persönlich finde es schade das die Denner Kaffeekapseln aus dem Verkauf gezogen werden. Nicht aus finanzieller Hinsicht nein, sondern aus geschmacklichen Gründen. Uns so neben bei, wenn Nestle schon bekannt gibt wie viel aber Millionen sie durch die Kaffeekapsel Umsatz einnehmen verstehe ich nicht, wesshalb sie gegen Denner gerichtlich vorgehen. Lächerlicher Streit. Nicht Denner geht es um das Geld sondern Nestle!! Die Qualität des Kaffees begründet nur ein ganz kleiner Teil der teuren Kapseln, es geht grösstenteils nur um den NAMEN der bezahlt wird.

    einklappen einklappen
  • F. Schnider am 11.01.2011 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das seine

    Wem die original Kapseln zu teuer sind, der darf halt gar nicht erst die entsprechende Maschine kaufen. Es ist wie mit den Tintenstrahldruckern oder den Handys: Das Gerät bekommst du halb gratis, aber die weiteren periodisch anfallenden Kosten sind um ein vielfaches grösser.

  • Espressotrinker am 12.01.2011 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Frisch gemahlen mit Cimbali Kolbenmaschine

    gibt den besten Espresso, einfach, schnell und unkompliziert. Keiner meiner Freunde aus Mailand würden je einen Nespresso trinken. Büchsenfutter begeistert Menschen die gerne mit dem Büchsenöffner kochen und allenfalls noch ihre Haustiere. Wer auf Spitzenqualität verzichten kann, gerne mehr bezahlt und unnötigen Abfall produzieren will ist bei Nestle sicher höchst willkommen. Patente sichern finanzielle Umsatzziele nicht den Genuss der Kunden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Schild am 01.05.2011 00:10 Report Diesen Beitrag melden

    Mocoffee Kaffee

    Habe den Kaffee von Mocoffe getrunken, war gar nicht gut!!! Die werden sicherlich schon sehr bald vom Markt verschwinden....

    • Kundenservice Mocoffee am 11.07.2011 10:20 Report Diesen Beitrag melden

      Kundenservice Mocoffee

      Guten Tag Herr Schild, bei Mocoffee sind wir bemüht frisch gemahlenen Kaffee aus bester Produktion zu verarbeiten. Wir bedauern, dass Ihnen unser Produkt nicht gepasst hat - melden Sie sich doch bei uns, damit wir Ihnen etwas gutes tun können. info@mocoffee.ch

    einklappen einklappen
  • Peter am 19.01.2011 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist der Gipfel!

    Miese Kaffe-Qualität attestiert den Denner-Kapseln sogar eine mir bekannte Leiterin einer Denner-Filiale. Dieser Befund deckt sich haargenau mit meinem eigenen. Der Denner-Kaffee wanderte auch bei mir in den Gulli. Dies berichtete ich dem Denner-Kundendienst. Und jetzt der Gipfel! Denner war nicht interessiert an meiner Kritik an der Qualität seines Kaffees, wollte aber unbedingt wissen, in welcher Filiale ich gewesen wäre... Hut ab vor der ehrlichen und couragierten Filialleiterin!

  • Pit am 18.01.2011 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wie Denner so Nespresso...

    "Wassereinbruch dank Denner-Kapseln: Bei vor 2009 produzierten Nespressomaschinen kann ein Teil des Brühwassers in den Auffangbeälter fliessen." Genau das ist mir mit "Nespresso-Kapseln" letztes Jahr 3x passiert.

  • Hans Richter am 14.01.2011 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Recht so!

    Soll doch Denner selber Innovationen bringen, anstatt als Trittbrettfahrer agieren! Wenn Innovationen nicht mehr lohnen, werden auch keine mehr vermarktet. Innovationen und Patentschutz sind für eine florierende Wirtschaft und unseren Wohlstand unabdingbar!

  • Tina am 12.01.2011 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem bitte?

    Jeder soll doch kaufen was er möchte. ich persönlich finde es schade das die Denner Kaffeekapseln aus dem Verkauf gezogen werden. Nicht aus finanzieller Hinsicht nein, sondern aus geschmacklichen Gründen. Uns so neben bei, wenn Nestle schon bekannt gibt wie viel aber Millionen sie durch die Kaffeekapsel Umsatz einnehmen verstehe ich nicht, wesshalb sie gegen Denner gerichtlich vorgehen. Lächerlicher Streit. Nicht Denner geht es um das Geld sondern Nestle!! Die Qualität des Kaffees begründet nur ein ganz kleiner Teil der teuren Kapseln, es geht grösstenteils nur um den NAMEN der bezahlt wird.

    • SILVIO CATHOMEN am 14.01.2011 07:56 Report Diesen Beitrag melden

      geistiges eigentum muss geschützt werden

      gegenfrage, hättest du es gerne wenn du was erfinden würest (viel geld und zeit)und kaum hast du es auf dem markt und könntest geld verdienen komme ich und vermassle dir dein geschäft. klar nespresso verdient nun in der zwischenzeit eine schöne stange geld.

    einklappen einklappen