Rohstoff-Deals

20. Januar 2013 09:13; Akt: 21.01.2013 08:44 Print

Wie Rohstoffmultis die Metallpreise manipulieren

von Sven Zaugg - Die Fusion von Glencore und Xtrata ist abermals vertagt. Derweil wird der Vorwurf der Preismanipulation an die Adresse der Rohstoffgiganten immer lauter.

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Demonstranten stehen am Dienstag, 20. November 2012, vor dem Casino Zug, wo die ausserordentliche Generalversammlung von Glencore und Xstrata stattfindet. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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Es hätte die Elefantenhochzeit des vergangenen Jahres werden sollen. Doch Die Fusion zwischen den Rohstoffriesen Glencore und Xstrata verzögert sich weiter. Statt Ende Januar rechnet Glencore nun mit dem Abschluss der Transaktion bis zum 15. März. Als Grund für die Verschiebung nannte der in Baar ansässige Rohstoffkonzern in einer Mitteilung vom Freitag, dass noch die Genehmigung der Behörden in China und Südafrika ausstehe.

Glencore und Xstrata hatten sich im Februar auf den Zusammenschluss geeinigt. Nach monatelangen Verhandlungen stimmten die Aktionäre von Xstrata und Glencore im November der 36 Milliarden Dollar schweren Übernahme zu. Noch im gleichen Monat erteilte die EU-Kommission dem Geschäft ihren Segen.

Gefährlicher Trend in der Rohstoffbranche

Der geplante Zusammenschluss ist der grösste in der Branche seit 2007. Mit dem neuen Unternehmen würde der weltweit erste vollintegrierte Rohstoffriese entstehen, bei dem die gesamte Wertschöpfungskette vom Abbau über den Handel bis hin zu Lagerung und Transport unter einem Firmendach konzentriert ist.

Dass die Fusion nicht nur auf Zustimmung stösst, haben die letzten Monate eindrücklich gezeigt. Im Buch «Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz» widmet die Nichtregierungsorganisation (NGO) Erklärung von Bern (EvB) Glencore gleich ein ganzes Kapitel und übt darin harsche Kritik an den Geschäftspraktiken des Rohstoffgiganten.

Unterstützung erhält die EvB aktuell von der Heinrich Böll Stiftung, der parteinahen Organisation von Bündnis 90/Die Grünen. Autor Peter Kreysler kommt in seiner Analyse zum Schluss, dass sich «ein gefährlicher Trend in der Rohstoffbranche fortsetzt: Immer weniger multinationale Konzerne dominieren immer grössere Marktsegmente im Rohstoffabbau- und Handel».

Lagerbestände treiben Kupferpreis an

Kreyslers Kritik: Rohstoffgiganten wie Glencore manipulieren die Metallpreise, um kleinere Händler in den Ruin zu treiben. Als Grundlage für seine These dienen ihm die Aussagen des englischen Kupferexperten Simon Hunt, der sich die Frage stellte: Wie kann es sein, dass der Kupferpreis seit Jahren sehr hoch ist, obwohl rezessionsbedingt keine wirklich grosse Nachfrage der Metallindustrie besteht?

Die Vorräte würden einfach nicht an die London Metall Exchange (LME) gemeldet – sind also auf dem weltweiten Metallmarkt somit nicht vorhanden. Es entstehe eine künstliche Angebotsverknappung, was zu einer Preissteigerung führe, so Hunts Antwort. Diese Problematik des Lagerüberschusses treffe auf den gesamten Rohstoffsektor zu.

Kein Interesse an Manipulationen

Inzwischen wird der zu Spekulationszwecken angehäufte weltweite Kupferberg auf fünf Millionen Tonnen geschätzt, das sind rund 25 Prozent des jährlichen Weltbedarfs. Und bereits ist die Spekulation auf Rohstoffpreise, die hauptsächlich von Investmentbanken und Indexfonds betrieben wird, ein grösseres Geschäft als der tatsächliche Handel mit Rohstoffen.

Heiner Flassbeck, Direktor der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD), berichtet, dass zurzeit 400 Milliarden US Dollar im «Spekulationsmarkt» stecken.

Carsten Menke, Rohstoff-Analyst bei der Bank Julius Bär, sind solche Schätzungen nicht bekannt und erscheinen ihm zu hoch. «Aus unserer Sicht kann Spekulation zwar kurzfristig auf die Preise einwirken, langfristig werden sie aber von Angebot und Nachfrage bestimmt.»

Der Analyst sieht andere Gründe für den Höhenflug des Kupferpreises: «Bei diesem Metall konnte die Produktion in den letzten Jahren nicht in dem Masse gesteigert werden, wie es der Markt erwartet hatte.» Das habe den Preis hochgehalten.

Zudem findet laut Menke der grosse Teil des Kupferhandels gar nicht über die LME statt, sondern wird direkt zwischen den Handelspartnern abgewickelt. «Rohstoffhändler haben kein Interesse daran, die Rohstoffmärkte zu manipulieren. Vielmehr profitieren sie von regionalen Preisunterschieden», erklärt Menke im Gespräch mit 20 Minuten Online.

Glencores Deal mit der EU

Für Urs Rybi, Rohstoff-Spezialist bei der Erklärung von Bern ist die Aussage Menkes «in ihrer Absolutheit nicht plausibel»: «Opportunitäten für Händler entstehen bei Ausnutzung von Preisgefällen und richtiger Vorhersage von Preisentwicklungen. Und es kann für Händler verlockend sein, da etwas nachzuhelfen», sagt Rybi im Gespräch mit 20 Minuten.

Laut Rybi wird die Schweizer Rohstoffbranche tatsächlich von einer handvoll sehr grosser Akteure dominiert, die in der Öffentlichkeit erst langsam bekannt werden. «Glencore beispielsweise hat bei Zink eine solch starke Marktstellung, dass die Firma der EU den Abstoss von einigen Anlagen versprach, um die Zustimmung zur Fusion mit Xstrata zu erhalten.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klara Mürrner am 20.01.2013 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Klar

    Ach, kommt schon... es geht doch alles nur ums Geld. Und überall haben die Spekulanten die Finger drin. Und diese steuern doch alles mit ihrem Geld. Und da wird über Leichen gegangen! Unser System ist am Ende. Das System des Masslosen Kapitalismus ist gescheitert, wie andere Systeme auch. Denn der Mensch ist noch nicht so weit, vernünftig und vor allen Dingen sorgsam und fair mit den Ressourcen umzugehen.

  • Hansruedi Notter am 21.01.2013 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht in Ordnung, ja, aber ...

    Die verwerflichsten Manipulationen finden immer noch im Lebensmittelhandel statt. Dort kostet die unbändige Gier der Spekulanten Menschenleben.

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  • Nic am 20.01.2013 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker

    Das sind die wahren Abzocker, diese sollten reguliert werden. Diese Firmen bestimmen die Preise weltweit und entscheiden über Arbeit/Schulden und Wirtschaftswachstum.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hansruedi Notter am 21.01.2013 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht in Ordnung, ja, aber ...

    Die verwerflichsten Manipulationen finden immer noch im Lebensmittelhandel statt. Dort kostet die unbändige Gier der Spekulanten Menschenleben.

    • bruno am 21.01.2013 13:00 Report Diesen Beitrag melden

      falsch..

      schon mal was von blutdiamanten gehört ? ist bei gold und silber nicht anders....

    • Supermario am 21.01.2013 13:42 Report Diesen Beitrag melden

      Ach ja???

      Ach ja? Könnte es sich hier nicht eher um ein Verteilproblemchen handeln; ausgehend von etwas Korruption vor allem in Entwicklungsländern? Nachdem auf gewissen Kanälen seit wohl 60 Jahren Entwicklungsgelder geflossen sind ist die Frage wohl angebracht, ob Ursachenforschung nicht eher auf lokale Korruption als globales Produktionsunvermögen stösst?

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  • Fred am 21.01.2013 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Unvorstellbar

    Was? Wer kommt denn auf so eine Idee? Wer oder welcher Grosskonzern würde andere zum eigenen Vorteil hintergehen oder gar betrügen? Nein, so sind wir Menschen doch nicht, oder?

    • Heidi am 21.01.2013 10:38 Report Diesen Beitrag melden

      Du hast recht Fred

      so sind wir Menschen tatsächlich nicht. Was du viellicht noch berücksichtigen könntest, ist, dass Menschen als natürliche Personen gelten, und Unternehmen als juristische "Personen". Vielleicht liegt dort der Haken.

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  • Klara Mürrner am 20.01.2013 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Klar

    Ach, kommt schon... es geht doch alles nur ums Geld. Und überall haben die Spekulanten die Finger drin. Und diese steuern doch alles mit ihrem Geld. Und da wird über Leichen gegangen! Unser System ist am Ende. Das System des Masslosen Kapitalismus ist gescheitert, wie andere Systeme auch. Denn der Mensch ist noch nicht so weit, vernünftig und vor allen Dingen sorgsam und fair mit den Ressourcen umzugehen.

  • klara am 20.01.2013 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    klar

    unser ganzes wird manipuliert, egal welches ressort. so natürlich auch (rohsoff)preise, meinungen, glaubensbekenntnisse, political correctness usw. usw. der antrieb dahinter ist ein geld- und machtgewinn und -erhalt von wenigen prozent der menschheit.

    • Supermario am 21.01.2013 13:37 Report Diesen Beitrag melden

      Ach so?

      Ach so? Und ohne Kupfer, Oel, Getreide und anderes funktioniert auch Dein Leben noch wie vorher?

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  • Nic am 20.01.2013 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker

    Das sind die wahren Abzocker, diese sollten reguliert werden. Diese Firmen bestimmen die Preise weltweit und entscheiden über Arbeit/Schulden und Wirtschaftswachstum.

    • F. Alsches System am 20.01.2013 19:03 Report Diesen Beitrag melden

      Wahr, aber...

      Das ist soweit wahr. Und viele davon sind die selben, welche uns weismachenwollen, dass sich die Banken geändert hätten. Denn sie sitzen sowohl dort als auch in den Rohstoffkonzernen ganz oben. Es ist eine kleine Gruppe von Menschen, welche die Geschicke der Welt lenkt. Das muss sich ändern. Das Geld in der Welt ist zu ungleich verteilt. Nicht Länder, die Rohstoffe haben werden reich, sondern die Spekulanetn. Während die Länder mit Rohstoffen schamlos ausgebeutet werden und die Völker dort Hunger leiden!

    • Supermario am 21.01.2013 13:36 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch mit Sosse

      So ein Quatsch; solange die Nachfrage vorhanden ist bleibt auch Raum beim Angebot. All die Mäkler sollen zuerst mal selbst nachdenken, welche liebgewonnenen Services wie Strom, Wasser, Autofahren, Fliegen und vieles andere, ohne einen funktionierenden Commodityhandel, noch möglich wären. Sie können gern darauf verzichten; ich jedenfalls möchte mich nicht in die Steinzeit zurück katapultieren. Wenn dabei noch einige Zwischenhändler etwas mitverdienen; à la bonheur!

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