Rechtspopulistische Aussagen

06. November 2018 05:39; Akt: 06.11.2018 15:44 Print

Red Bull droht ein noch grösserer Shitstorm

von Dominic Benz - Der Energydrink-Hersteller macht die Musikszene wütend. Ein Experte sagt, wie gefährlich das für Red Bull ist.

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Energydrink-Hersteller Red Bull erlebt gerade einen Shitstorm. Gund sind die rechtpopulistischen Aussagen des Konzernchefs Dietrich Mateschitz. Zürcher Clubs und etliche Musiker wenden sich nun von Red Bull als Sponsor ab. Sie wollen sich damit von den Aussagen distanzieren und laut eigenen Aussagen ein Zeichen setzen. Qatar-Airways-CEO Akbar al-Baker löste im Sommer mit abschätzigen Äusserungen über Frauen einen Shitstorm aus. Vor den Medien sagte der Airline-Chef, dass seinen Job nur ein Mann ausführen könne. Es sei schliesslich eine sehr herausfordernde Aufgabe. Travis Kalanick ist Mitgründer und ehemaliger Chef des US-Fahrdienstes Uber. Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten sass der Unternehmen als Berater im Wirtschaftsrat von Trump. Es folgte prompt ein grosser Shitstorm. Kalanick gab den Posten bald wieder auf. «Der Gruppe anzugehören, sollte nicht bedeuten, Unterstützer des Präsidenten oder seiner Agenda zu sein», schrieb Kalanick in einem Mail an seine Mitarbeiter. Unglücklicherweise sei es aber genau als das missverstanden worden. Nach Sexismus-Skandalen bei Uber räumte der 42-Jährige im letzten Jahr schliesslich seinen Posten. Das US-Kleiderlabel Abercrombie & Fitch war einst hip. Das ist aber schon lange vorbei. Die Umsätze brachen ein und das Unternehmen gehörte plötzlich zu den unbeliebtesten Marken in den USA. Dazu beigetragen hat unter anderem auch der Ex-Chef Mike Jeffries. Dieser verfügte, dass sein Konzern bei Frauenkleidern keine Übergrössen verkaufen darf. Der Grund: Dicke Menschen sähen nicht gut aus und seien uncool. Sie würden deshalb nicht dem Image der Marke entsprechen. Es sei daher am besten, wenn ihnen die Kleider gar nicht passten. Jeffries trat 2014 zurück.

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Der Energydrink-Hersteller Red Bull ist in der Event-Welt eine grosse Nummer. Er organisiert und finanziert unter anderem Musikfestivals, Snowboard- und Flugzeugrennen oder lässt Extremsportler aus der Stratosphäre springen. Das soll den Getränkeabsatz steigern. Red Bull gibt es in 171 Ländern. Letztes Jahr wurden 6,3 Milliarden Dosen verkauft.

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Sein Getränk bewirbt der österreichische Konzern mit dem Slogan «Red Bull verleiht Flügel». Derzeit befindet sich das Unternehmen aber im Tiefflug. Denn in der Schweiz und Deutschland erlebt Red Bull derzeit einen veritablen Shitstorm. Grund sind rechtspopulistische Aussagen des Red-Bull-Gründers und Chefs Dietrich Mateschitz in einem Interview mit der österreichischen «Kleinen Zeitung» im April letzten Jahres (siehe Box). Die Worte hallen verspätet jetzt nach. «Die Aussagen könnten der Marke Red Bull enorm schaden», sagt Marketing-Experte Marcel Hüttermann von der ZHAW zu 20 Minuten.

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Proteste könnten sich ausweiten

Die Debatte hat nun auch das Nachtleben in Zürich erfasst. Erste Clubbetreiber distanzieren sich von Red Bull. Seit ein paar Jahren führen sie mit dem Konzern ein Musikfestival durch. Die Partnerschaft haben die Clubs nun aufgekündigt, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Das Festival, das am 6. November beginnt, wird das Letzte sein. Der Club Zukunft will zudem künftig keine Getränke von Red Bull mehr ausschenken. Auch Musiker wenden sich vom Konzern ab und wollen unter dem rot-gelben Stier-Logo nicht mehr auftreten.

Hüttermann sieht die Protestwelle aber erst am Anfang. Noch seien es nur ein paar Clubs und Musiker. «Viele weitere Partner könnten folgen», sagt er. Es sei möglich, dass sich die Proteste auch auf viele andere Länder ausdehnen würden. Zudem könnten Anbieter des Getränks künftig auf Konkurrenzprodukte umschwenken. «Auch ist es vorstellbar, dass sich die Debatte auf andere Szenen, etwa die Sportszene, ausweitet», so Hüttermann.

«Chefs sollen Neutralität walten lassen»

Letztlich müsse jeder Partner von Red Bull selber entscheiden, ob er weiterhin mit dem Konzern in Verbindung gebracht werden will, so der Experte. Man müsse sich aber im Klaren sein, dass der vom Red-Bull-Chef losgetretene Skandal abfärben kann. «Die Marke Red Bull könnte nun gerade etwa bei vielen linksliberalen Konzertbesuchern für Irritation sorgen.»

Hüttermann nimmt besonders die Konzernchefs in die Pflicht. Sie sollten gegenüber bestimmten Themen eine gewisse Neutralität walten lassen. «Das kann sonst für das Unternehmen gefährlich werden.» Chefs sollten daher genau überlegen, worüber sie öffentlich sprechen. Die vom Red-Bull-Chef getätigten rechtpopulistischen Statements zur Immigrationspolitik in Europa seien besonders heikel. «Das ist ein weltweites Thema. Entsprechend können unüberlegte Aussagen weite Kreise ziehen und eine Marke mit einem Image behaften, für das sie nicht stehen will.»

Red Bull schweigt eisern

Anfragen zu den umstrittenen Aussagen von Mateschitz lässt Red Bull unbeantwortet. Auch Zürcher Clubs beklagen sich über das eiserne Schweigen des Konzerns. Laut Hüttermann wäre es aber gerade jetzt im Anfangsstadium des Shitstorm angebracht, wenn der Konzern klar Stellung bezieht. «Red Bull sollte aufzeigen, für welche Werte man einsteht.» Noch besser wäre es, wenn Chef Mateschitz selber das Bild korrigieren würde. «Ansonsten kann es passieren, dass die Marke Red Bull mit der rechten Szene in Verbindung gebracht wird.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luca Caprese am 06.11.2018 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Club Zukunft

    Hat irgend jemand vom Club Zukunft das Interview wirklich gelesen und zwar in nüchternem Zustand? Mit Rechtspopulismus hat das gar nichts zu tun. Vielleicht fehlts auch ein wenig an Allgemeinbildung.

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  • Luemmel am 06.11.2018 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er hat recht

    Selbst wenn man das Getränk nicht mag, ist das was er da gesagt hat einfach Fakt. Es hat Merkel die Karriere gekostet und gerade haben wir wiedermal einen Vergewaltigungsfall in Freiburg. Wenn man sich selbst belügen muss um der political correctnes Willen, sollte man vielleicht mal seine Weltanschauung hinterfragen...

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  • pasukarrunosekai am 06.11.2018 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsmob

    Mittlerweile gibt es offensichtlich keinerlei Meinungsfreiheit mehr und der Gesinnungsmob regiert ungezügelt? Was ist eigentich los hier?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel am 07.11.2018 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Boykott

    Kann man die Musiker und Club Besitzer fairerweise nicht auch bei Namen nennen ? Dann könnte man die ja als Gegenprotest ebenfalls boykottieren.

  • Sarkas Mus am 06.11.2018 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Dafür will ich anstossen.

    Mag RedBull nicht, aber heute trinke ich eines! Zum Wohle auf Mateschitz , denn die Meinungsfreiheit ist durch rein gar nichts was die Politik zu bieten hat zu ersetzen. Meinungsfreiheit ist das Fundament der Demokratie. Es ist die einzige Basis die längerfristig Frieden verspricht. Es ist die Grundlage aller Kompromisse. Daher: Ein Hoch auf die, welche es in der heutigen Zensurgesellschaft noch wagen, auszusprechen was sie denken. Davor riskiere ich sogar einen Zuckerschub durch RedBull. Prost!

  • Gió am 06.11.2018 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber ja ... aber nein!!!

    Traurig ist auch wenn ihr gegen Redbull wättert und gleichzeitig für den Migrationspakt seit!! Bekennt endlich Farbe!

    • Maßlos am 06.11.2018 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gió

      Ich kenne keinen nicht irgendwie geschmierten, intelligenten Menschen, der für diesen Pakt ist. Wer den Text kennt und denken kann, sieht dass dieser die Zerstörung von Kultur, Sicherheit und Wohlstand in Europa bedeutet.

    • Bonaparte am 06.11.2018 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Maßlos

      Ich bin für den Migrationspakt, weil ich ihn eine kluge und menschliche Lösung finde. Jene welche dagegen schreien, haben sich kaum damit befasst. Bin ich jetzt in Ihren Augen 'ungeschmiert' ?

    • EMMM am 06.11.2018 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bonaparte

      Manche Vergessen schnell was die unkontrollierte Willkommenspolitik angerichtet hat. Aber keine Angst, durch mehr überwachung, von oben bis unten, sind unsere Sicherheit gewährleistet, und wir können unsere Privatsphäre in Museum bewundern. Aber zuerst muss die Öffentliche Sicherheit so massiv gefährdet werden, dass man die Ausnahmezustand rechtfertigen kann, und dann muss keiner von einer Diktatur jammern. Manchmal muss man auch, über dem Tellerand hinausdenken.

    • EMMM am 06.11.2018 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bonaparte

      Ehrlich... Wenn der respekt und Toleranz, von beide seite nicht funktioniert, und die unkontrolliert Flüchtlingskrise, Zuwanderung etc. die ganze Situation verschlimmert und befeuert. Dann kann es einfach nicht Funktionieren. Der rest ist nur noch Alibiübung. Wie wärs mit denn mit Hilfe vor Ort? Nicht machbar? Wenn dann, warum? Frag mal den Politikern nach ihre Absichten.

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  • EMMM am 06.11.2018 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohh Man

    Ich habe vor lauter Aufregeung versehentlich einen Red Bull gekauft. Bin ich jetzt ein böser Mensch?

    • Derfnam am 06.11.2018 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @EMMM

      Nein ... i love it!!! Trink weiter ... es verleiht Flüüüügel!

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  • Toni S. am 06.11.2018 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Clubs ohne Gäste

    Traurig, wie Menschen die ihre Meinung öffentlich kundtun und damit nicht einmal von der Realität entfernt sind, gemobbt, mundtot gemacht und erledigt werden. Aber die Musikszene und die Clubs haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht, ihren Gästen nämlich. Lasst uns diese demokratiefeindlichen Clubs und Konzerte meiden und boykottieren!