Wechsel bei «Basler Zeitung»

26. November 2010 07:23; Akt: 26.11.2010 10:52 Print

Wie kann sich Moritz Suter die «BaZ» leisten?

von Lukas Hässig - Über 50 Millionen soll Moritz Suter für die «BaZ» bezahlt haben. Ob das zutrifft und wie er den Kauf finanziert, lässt er offen.

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Mit Einstieg bei der «Basler Zeitung» dringt die Haute volée am Rheinknie erstmals ins Mediengeschäft vor. Suter, Gründer und ehemaliger Chef der Crossair, hat das Basler Traditionsblatt am 24. November 2010 von Tito Tettamanti und Martin Wagner übernommen. Bisher betätigten sich der Basler Daig als Mäzene vor allem in Kunst und Sport. So engagiert sich Ehefrau des Roche-Erben Andreas Oeri, stark beim FC Basel (hier mit Trainer Thorsten Fink bei der Meisterfeier 2010). Oeri spendet dem FC Basel aber nicht nur Geld, sie ist auch dessen Präsidentin und verhalf dem Club über ihre Kontakte zu Sponsoringgeldern. Bereits vor Gigi Oeri hatte sich der langjährige Roche-VR-Präsident (r.) im Fussball engagiert. Zusammen mit Rainer Gut (l.) war er 1999 beim Zürcher Grasshopper Club eingestiegen. Ihr Engagement endete nach vier Jahren bereits wieder. GC holte unter Gerber und Gut zwar zwei Meistertitel, die beiden Manager verloren aber je nach Schätzungen zwischen 40 und 90 Millionen Franken. Die klassische Spielwiese der Basler Mäzene ist die Kunst. Der Galerist und Sammler (1921-2010) machte seine private Kollektion mit Schwerpunkt klassische Moderne 1997 der Öffentlichkeit zugänglich. Dazu liess Beyeler vom italienischen Stararchitekten Renzo Piano in Riehen BS einen spektakulären Museumsbau errichten: die Fondation Beyeler. Der Dirigent (1906-1999) wurde 1934 durch Heirat mit Maja Hoffmann-Stehlin, der Witwe des Roche-Erben Emanuel Hoffmann, zu einem der reichsten Männer der Schweiz. Als Mäzen unterstützte er Komponisten wie Igor Strawinsky (Bild), Béla Bartók, Anton Webern oder Hans Werner Henze. Sacher gründete auch mehrere Orchester wie das Basler Kammerorchester oder das Collegium Musicum Zürich. Auch Paul Sachers Ehefrau (1896-1989, ohne Bild) betätigte sich als Mäzenin. Sie gründete 1933 die Emanuel-Hoffmann-Stiftung mit ihrer bedeutenden Kunstsammlung. Teile davon sind nicht nur im Kunstmuseum Basel und im Basler Museum für Gegenwartskunst zu finden, sonder auch... ... im Schaulager in Münchenstein BL, einem von den Basler Architekturstars Herzog & de Meuron erbauten Lagerhaus, das für die Öffenntlichkeit zugänglich ist.

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Den überraschenden Kauf der «Basler Zeitung» (BaZ) mit all ihren Beteiligungen begründet Moritz Suter, 67, bekannter Flugunternehmer und waschechter Basler, mit übergeordneten Interessen. «Das Ende der Baz als eigenständige Zeitung wäre ein Verlust für die Öffentlichkeit», sagt Suter am Tag nach Bekanntgabe des Deals in einem Gespräch mit 20 Minuten Online.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Suter, der einst die Crossair zu einer grossen Regionalairline gemacht hatte, vom Tessiner Investor Tito Tettamanti und dem Basler Anwalt Martin Wagner 100 Prozent der Aktien des Medienunternehmens erworben hat.

Explizit lässt Suter einen späteren Verkauf an einen grossen Medienverbund offen. Dass dies ein Widerspruch zur Aussage sei, sein Engagement hänge mit dem Wunsch nach Eigenständigkeit der BaZ zusammen, bestreitet Suter nicht. Doch er sehe «Chancen für einen Alleingang, weil die BaZ in Basel faktisch ein Monopol» besitze. Das erleichtere den Erfolg, während in der Medienstadt Zürich harter Wettbewerb herrsche.

Wortkarger Suter zu Fragen rund ums Geld

Die grosse Frage der Finanzierung des Deals lässt Suter offen. Man habe Stillschweigen vereinbart, sagt er lediglich, damit sei dieses Thema für ihn «erledigt». Einen Hinweis auf die Kaufsumme liefert hingegen Tettamanti. Er habe die Aktien ungefähr zum Einstandspreis verkauft, sagte der Financier am Donnerstag gegenüber Radio DRS.

Geht man von früheren Schätzungen aus, die herumgeboten wurden, als Tettamanti die Baz-Gruppe Anfang Jahr von der damaligen Eigentümer-Familie Hagemann erworben hatte, müsste Suter 50 Millionen Franken oder mehr bezahlt haben.

Wie soll der Basler diese Summe aufbringen, wenn er doch vor kurzem im Zuge eines Gerichtsfalls sein Vermögen auf 8,5 Millionen bezifferte? Dass ihm die Banken unter die Arme greifen, ist unwahrscheinlich. Die Baz steht bei den Geldhäusern bereits mit rund 100 Millionen Franken in der Kreide, da dürften diese wenig Lust auf noch mehr Risiko verspüren.

Suters Frau stammt aus wohlhabender Familie

Drei Varianten drängen sich auf. Erstens könnte Suter mehr Vermögen haben, dieses aber nicht privat halten, sondern in einer Aktiengesellschaft. Als Hort käme die «Moritz Suter AG» in Frage. Diese hat ihr Domizil in der Anwaltskanzlei von Suters Sohn Felix. Der Jurist und seine Frau sitzen im Verwaltungsrat, als Präsident amtiert Moritz Suter.

Als zweite Möglichkeit drängt sich Hilfe von Suters Ehefrau auf, die aus wohlhabender Familie stammt. Schon einmal soll diese ihrem Mann geholfen haben, heisst es aus Kreisen ehemaliger Swissair-Manager. Als Suter Mitte der 1970er-Jahre als Swissair-Pilot seine Crossair aufzubauen begann, sei das nötige Startkapital möglicherweise von Brigitte Suter gekommen.

Das sei «Privatsache», meint Suter, und lässt sich auf keine weiteren Fragen dazu ein. In den 1990er-Jahren sass seine Frau im VR einer Cargo-Tochtergesellschaft der Crossair, der Cargo and Passenger Air Services Ltd.

Suter machte mit seinen Crossair-Aktien Kasse, als die Swissair die Mehrheit an der Regionalairline übernahm. Teil des Deals vor rund 20 Jahren waren sogenannte «Wetleases». Die Swissair bezahlte der Crossair eine fixe Miete für eine grosse Anzahl Flugzeuge, welche letztere operativ betrieb. Für Suter und seine Crossair bedeuteten die «Wetleases» eine sichere Rendite in einem volatilen Geschäft, da sich der Preis nach Selbstkosten plus Marge richtete.

Gab Tettamanti Suter einen Kredit?

Als dritte Möglichkeit schliesslich, wie Suter die Baz-Übernahme finanziert haben könnte, ist eine Abmachung mit Verkäufer Tettamanti denkbar. Die beiden würden sich aus Crossair-Zeiten kennen, sagt Suter im Gespräch. Beim einstigen Aufbau der Crossair-Basis am Flughafen Lugano Agno habe Tettamanti als bekannte Tessiner Persönlichkeit die Airline unterstützt.

Nun könnten die beiden Seiten übereingekommen sein, dass Suter nur einen kleinen Teil der Verkaufssumme sofort zu bezahlen hätte. Der Rest würde in diesem Szenario erst fällig, wenn Suter die Baz in die Gewinnzone bringt respektive mit einem Aufpreis weiterverkauft.

Geht man von konservativen 50 Millionen Kaufpreis aus, könnte eine solche Rechnung wie folgt aussehen. Suter bezahlt Tettamanti einen kleinen Teil in Cash, sagen wir 10 Millionen. Die restlichen 40 Millionen würde er dem Tessiner Financier schuldig bleiben. Er müsste aber nicht in jedem Fall für das Geld geradestehen, sondern die Rückzahlung würde von der Wertentwicklung der BaZ abhängig gemacht. Je nachdem würde sich Tettamanti schadlos halten oder müsste sich das vorerst gestundete Geld ganz oder teilweise ans Bein streichen.

Eine solche Struktur würde zu Tettamanti passen. Nüchtern hätte er dann die nach Bekanntwerden des Blocher-Beratermandats verkorkste Lage analysiert und wäre zum Schluss gekommen, dass sein Investment sicherer wäre, wenn es formell von Suter übernommen würde. Rein ökonomisch betrachtet wäre aber Tettamanti in solch einem Konstrukt immer noch der grösste BaZ-Investor.

Steckt ein solcher oder ähnlicher Deal hinter dem überraschenden Besitzerwechsel, würde dies erklären, warum Suter zu allen Fragen rund um die Finanzierung hartnäckig schweigt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • frei s am 26.11.2010 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    spielt keine rolle

    das ganze getue wer wem gehört - hat er nun das sagen oder nich? nix schlimmeres als "pseudo"unternehmer- noch auf andere "hören" zu müssen. kann es sein - dass die stadt (ungenannt) , ev. privatbasler daig die suppe gekauft und nun das gleiche machen werden wie blocher vorgehabt? je länger man dem blatt noch vorschreibt was und vorallem wie (stil!) desto schneller geht's bergab. dann werden sich garantiert alle aus'm staub machen. somm empfehle ich , seine kompetenz anderswo gewinnbringen und wo geschätzt zu offerieren - hier ist hopfen und malz verloren.

  • Mathias am 26.11.2010 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    BaZ oder BMZ?

    Es wäre nicht schlecht, wenn im Zusammenhang mit diesen Geschehnissen berichtigt würde, dass sich die besorgniserregenden Unternehmenszahlen auf die BAZ Mediengruppe beziehen, wo vor allem die Print-Tochter Birkhäuser GBC den grössten Brocken ausmacht - die eigentliche BaZ ist ein vergleichsweise kleiner Posten. Gut möglich, dass die Einsetzung von Markus Somm als Chefredaktor da ein wenig (beabsichtigte?) Verwirrung stiftet, aber das wahre Sorgenkind ist nunmal die Druckerei. Da wird der Somm dann auch nichts ausrichten können.

  • Benjamin Goedel am 26.11.2010 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Na und ?

    Solche Deals sind doch nichts ungewöhnliches. Und je nach Terms und conditions hat damit Tettamanti einfach noch eine Möglichkeit zur Nachbesserung, aber vermutlich nicht mehr sehr viel Einfluss.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wahlbeobachter am 29.11.2010 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Abstimmungsresultat in Basel

    zeigt offenbar den BAZ-Einfluss.

  • jowe am 28.11.2010 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    wurstel wurstel

    er hat mitgeholfen die Swissair zu verwursteln...jetzt hat er einen neuen Auftrag...BAZ-verwursteln...mal sehn wie lange es dauert diesmal..

  • Uschi Müller am 28.11.2010 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    BeZ

    Ja,ja so wird in der Schweiz gewurschelt. Mal sehen, was noch alles passiert!!! WER und WAS kauft WER??

  • Echo vom Pflanzblätz am 28.11.2010 03:26 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Zeitung

    - sei sie noch so linkslastig - ist soviel wert ! Die BaZ hat die Zukunft hinter sich!

  • toine am 27.11.2010 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    der gute Moritz

    ob er die 50 Mio hat oder nicht, seine Frau ist sooo ja reich, in eine Zeitung würde ich keine 5 Franken investieren. Hat man in Basel Angst vor Blocher?