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27. September 2010 18:55; Akt: 27.09.2010 18:55 Print

Wie man sich finanziell ins Abseits befördert

von Gérard Moinat - Wer sich schon immer gefragt hat, wie er am schnellsten in finanzielle Schieflage kommen kann, sollte sich an diese Tipps halten.

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In der Schweiz wenig problematisch: Schulden per Kreditkarte. (Bild: Keystone)

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«Machen Sie so viele Kreditkarten-Schulden wie möglich. Gehen Sie davon aus, dass Ihre Krankenkasse alle medizinischen Kosten deckt. Machen Sie Lohnvorbezüge. Versuchen Sie, in Sachen Neuanschaffungen wie Autos jederzeit mit Ihrem Nachbarn mitzuhalten. Und vertrauen Sie darauf, dass sich Investitionen in Ihre Ausbildung in bare Münze verwandeln.»

Befolgt man diese fünf, kürzlich vom amerikanischen Wirtschafts-TV-Sender CNBC publizierten Ratschläge, kann man sich sicher sein, sehr schnell ins finanzielle Abseits zu gelangen. In den USA, wo letztes Jahr mit 1,5 Millionen ein Fünftel mehr Personen als ein Jahr zuvor Privatkonkurs anmeldeten, waren diese «Dont’s» der Budget-Kontrolle hauptverantwortlich für die Negativ-Entwicklung.

Das ist in der Schweiz doch ganz anders - denkt man sich. Doch auch hierzulande geraten viele Mitbürger durch ähnliche Missgriffe schneller in Zahlungsnot, als sie sich je erträumt hätten.

Wenig populär: Schuldenmachen per Kreditkarte

In der Schweiz sind zumindest Kreditkarten-Schulden ein kleineres Gesellschafts-Problem als in den USA: Schweizer setzen das Plastikgeld verantwortungsvoll ein. Gemäss einer Umfrage des Internet-Vergleichsdiensts comparis.ch nutzen nur 15 Prozent der Kreditkartenbesitzer die Teilzahlungsoption, die happig hohe Schuldzinsen verursacht und nur 11 Prozent kaufen mit der Kreditkarte Dinge, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können.

Dasselbe gilt auch für Lohnvorbezüge: «Schweizer schämen sich sogar dafür, Löhne vorzubeziehen und sich gegenüber dem Arbeitgeber entsprechend im Abseits zu positionieren», sagt Muriel Uebelhart, Geschäftsführerin des Konsumentenforums, Konsum.ch. Da es Ihnen peinlich ist, nach Geld zu fragen, suchen sie in der Regel nach anderen Möglichkeiten, sich selbst aus der misslichen Situation zu befreien, weiss sie.

Krankenkassenprämien sind nicht ohne

Auch wenn Rechnungen für medizinische Behandlungen in der Schweiz, anders als in den USA, nur wenige in den finanziellen Ruin treiben, können Gesundheits-Kosten auch in der Schweiz problematisch werden.

Gerade in der Form von Versicherungsprämien für die Krankenkasse. «Wir haben immer mehr Anfragen von Personen, die sich ihre Krankenkassenprämien nicht mehr leisten können», so Uebelhart. Besonders Familien würden von den ständig steigenden Prämien buchstäblich überrollt. «Viele wissen nicht, wie sie diese Kosten bewältigen sollen», sagt Uebelhart.

Das Auto als Kostenfalle

Ein weiterer Budget-Punkt, der ähnlich den Amerikanern auch viele Schweizer in Schieflage bringt: Das Auto «Sogar bei einem monatlichen Einkommen eines Familienvaters mit zwei Kindern von 6000 Franken liegt ein Auto, das 600 Franken im Monat kostet, nicht mehr drin», warnt Ursula Tännler von der Budgetberatung Schweiz.

Auch Uebelhart nennt den Wettstreit unter Kollegen darum, wer das beste Auto hat, das Killer-Kriterium fürs Budget. «Für viele Junge gibt es nur einen Weg, sich das Statussymbol Auto zu leisten: Leasing». Entsprechend viele würden sich finanziell bei dieser Anschaffung übernehmen.

Kein Budget zu haben, ist das Schlimmste

Natürlich sei es auch ein Budget-Killer, wenn man sich von gewissen Dingen viel zu viel kauft. So zum Beispiel «haufenweise» Kleider, erklärt Tännler.

«Das Schlimmste aber ist überhaupt kein Budget, keine Planung zu haben.» Gemäss Tännler scheiterten die meisten Fälle, die sich bei ihr meldeten daran. Und das gelte auch für Personen, die gut verdienen: «Auch diese sollten sich Ausgaben und Einnahmen einmal vergegenwärtigen und gegenüberstellen.»

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