Mehr Lohn für Coiffeure

02. Juni 2017 17:51; Akt: 02.06.2017 17:51 Print

Wie rechnet sich ein 25-Franken-Haarschnitt?

In der Coiffeurbranche steigen die Mindestlöhne. Reagieren die Salons mit Preiserhöhungen? 20 Minuten hat sich umgehört.

Verlangt trotz höherem Mindestlohn nur 25 Franken pro Haarschnitt: Ali Pesen, Coiffeur aus Basel. (Video: 20 Minuten)
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Im Coiffeurgewerbe gibt es bald einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Er sieht vor, dass Angestellte ohne anerkannte Ausbildung ab dem 5. Berufsjahr neu 3800 Franken pro Monat verdienen. Für Coiffeusen und Coiffeure mit Fähigkeitszeugnis sind es mindestens 4000 Franken.

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Bei vielen Salons in der Schweiz kommen die neuen Lohnregeln nicht gut an. Viele monieren, dass sie durch die höheren Personalkosten jetzt noch mehr unter Druck geraten würden. 20 Minuten hat vier Salonbetreiber gefragt, welche Auswirkungen die neuen Mindestlöhne auf ihre Tarife haben.

Rainer Hoffmann, Coiffeur Rainer, Spreitenbach AG: «Ja, ich denke über Preiserhöhungen nach»
«27.50 Franken, das ist der billigste Preis in meinem Salon. Das ist allerdings ein Sonderangebot für Spontankunden, die dann von derjenigen Angestellten bedient werden, die gerade Zeit hat. Dieser Preis ist hier im Limmattal gar nicht mehr tief, weil es so viel Billigkonkurrenz gibt. Darum machen mir die neuen Mindestlohn-Bestimmungen im GAV auch Sorgen.»

«Ich habe gleich drei Angestellte, denen ich jetzt mehr Lohn zahlen muss. Ich weiss noch nicht, ob ich diese Mehrkosten mit höheren Umsätzen kompensieren kann. Ich denke darum darüber nach, die Preise zu erhöhen. Vielleicht haben die Kunden ja Verständnis dafür, wenn ich ihnen erkläre, dass mich der neue GAV quasi dazu zwingt.»

Ali Pesen, Coiffeur Ali, Basel: «Natürlich würde ich gern mehr verlangen»
«Der neue GAV bereitet mir keine Probleme. Ich zahle meinen fünf Angestellten schon den Mindestlohn. Bei mir kostet ein Haarschnitt 25 Franken, manchmal auch weniger. Ehrlich gesagt: Ich würde gern mehr verlangen – wer würde das nicht? Aber in Basel gibt es so viele Coiffeure, die gleich günstig sind wie wir, dass ich die Preise nicht erhöhen kann. Die Konkurrenz ist einfach zu gross. Ich kann meinen Salon rentabel betreiben, weil die Nachfrage gross ist und wir viele Stammkunden haben – vor allem am Wochenende ist es immer voll bei uns.»

Joe Giuffrida, Shampooline, Shoppi Tivoli: «Kunden reagieren extrem sensibel auf Preisaufschläge»
«Meine Personalkosten steigen wegen dem neuen GAV – jetzt muss ich zwei Angestellten das Salär auf 4000 Franken anheben. Die logische Konsequenz der neuen Mindestlöhne wäre natürlich, dass Coiffeursalons die Preise anheben. Viele zögern aber wegen der grossen Konkurrenz durch die Billiganbieter. Weil es mittlerweile überall Haarschnitte für 20 oder 25 Franken gibt, reagieren die Kunden extrem sensibel auf Preisaufschläge. Allein in der Gemeinde Wettingen AG haben in den letzten Jahren 18 solche Salons eröffnet. Viele können so billige Preise anbieten, weil sie weniger als 100'000 Franken Jahresumsatz angeben und darum von der Mehrwertsteuer befreit sind. »

Memedi Serafedin, Coiffeur Mega, Bern: «25 Franken pro Kunde heissen: schnell arbeiten, wenig Pausen»
«Bei mir gibt es Haarschnitte für 25 Franken. Das wird sich auch mit den Mindestlöhnen, die der neue GAV vorschreibt, nicht ändern. Bei uns im Salon arbeiten sechs Angestellte, und die erhalten sowieso schon den im Coiffeurgewerbe vorgeschriebenen Mindestlohn von 3800 Franken.»

«Viele sagen, dass es gar nicht möglich ist, bei meinen Preisen einen Salon rentabel zu betreiben. Doch das sind meist Coiffeure, die 45 Minuten für einen Haarschnitt brauchen und dann erst einmal Pause machen. Pause mache ich höchstens mal für zehn Minuten. Ich schaffe zwei bis drei Haarschnitte pro Stunde und arbeite zehn Stunden pro Tag. So geht für mich die Rechnung auf.»

(vb)