Revolut, Neon, N26

28. März 2019 11:25; Akt: 28.03.2019 11:25 Print

Wie sicher sind Smartphone-Banken?

von R. Knecht - Ob Revolut, Neon oder Zak: Viele Konsumenten schrecken vor reinen Smartphone-Banken zurück. Das sind die Gründe für ihre Bedenken.

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Neon ist eine neue Schweizer Smartphone-Bank. Kontoerstellung und -verwaltung erfolgen komplett per Smartphone. Die Zürcher Firma wirbt zudem damit, dass die Kontoführung gebührenfrei ist und Kunden eine Mastercard gratis dazubekommen. Das digitale Konto der Firma wird von der Hypothekarbank Lenzburg geführt. Neon selbst hat keine eigenen Filialen. Neon ist bereits die zweite Schweizer Smartphone-Bank: Die Bank Cler bietet seit 2018 die Banking-App namens Zak. Auch bei Zak ist die Kontoführung gebührenfrei – zumindest im Basismodell. Auch eine Maestro- und Kreditkarte sind gratis dabei. Die App hat den Vorteil, dass sie von der Bank Cler angeboten wird. Der Bezug zum bestehenden Finanzinstitut dürfte den Konsumenten Vertrauen in die Smartphone-Bank einflössen. Schon etwas länger gibt es die Banking-App Revolut aus Grossbritannien. Auch Revolut will mit praktischer App, niedrigen Gebühren und kostenloser Kreditkarte den etablierten Instituten Kunden ablocken. Die britische Bank hat kürzlich eine Banklizenz in Litauen erhalten. Für Schweizer Revolut-Kunden gelte aber die Banking-Bewilligung aus Grossbritannien, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Die deutsche Smartphone-Bank N26 steht ebenfalls kurz vor dem Schweizer Marktstart. Die Firma hat eine Banking-Lizenz in Deutschland. Kunden können laut N26 mit der Mastercard gratis bezahlen – und zwar in jeder Währung. Eine weitere Gebühr, auf die N26 im Vergleich zu vielen traditionellen Banken verzichtet, ist diejenige beim Geldbezug am Automaten. Die Bank verspricht Gratisbezüge in der Landeswährung an allen Bancomaten, die die Mastercard akzeptieren. Smartphone-Banken haben laut Sandro Graf, Dozent für Customer Experience Management an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, den Vorteil, im Bankingbereich ein neues Erlebnis zu bieten. Für viele Konsumenten dürfte das ein Grund sein, das Angebot auszuprobieren – gerade auch, weil es nichts kostet. Das Angebot dürfte vor allem jüngere Menschen interessieren, die viel reisen, vermutet Graf.

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Etablierte Finanzinstitute erhalten digitale Konkurrenz: Diese Woche hat das Start-up Neon seine Konto-App lanciert. Die Zürcher Firma kommt ohne Filialen aus – Kontoerstellung und -verwaltung geschehen per Handy. Neon ist nach Zak von der Bank Cler die zweite Schweizer Smartphone-Bank. Zudem ist etwa die Konto-App der britischen Firma Revolut in der Schweiz verfügbar, und die deutsche N26 steht kurz vor dem Marktstart (siehe Bildstrecke oben).

Umfrage
Eine Smartphone-Bank...

Smartphone-Banking klingt praktisch, aber die Firmen wecken bei Konsumenten auch Zweifel, wie Sandro Graf, Marketing-Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, sagt: Die Angst vor dem Unbekannten schrecke die Kunden ab. «Gerade wenn es um Geld geht, ist das gefühlte Risiko hoch», sagt Graf zu 20 Minuten.

Schutz des Guthabens

Wenn es um Sicherheit beim Banking geht, betrifft das in erster Linie die technischen Systeme: Sind Transaktionen und Guthaben ausreichend vor dem Zugriff von Drittparteien geschützt? Bei den etablierten Instituten funktioniere das so gut, dass die Ansprüche an die Neulinge besonders hoch seien, so Graf.

Der Experte geht aber davon aus, dass die technischen Systeme bei Smartphone-Banken zuverlässig sind. Das fehlende Vertrauen sei für die neuen Firmen Ansporn, besonders sicher zu sein: «Sie sind sich bewusst, dass sie sich bei der Sicherheit keine Fehler erlauben dürfen.»

Konkurs-Gefahr

Ausser der technischen Sicherheit gibt es aber noch einen weiteren Aspekt, der Konsumenten von den Smartphone-Banken abschreckt: Was, wenn das Smartphone-Start-up in Konkurs geht? «Solche Jungfirmen sind oft nicht so beständig», sagt Graf. Wer befürchtet, dass eine Smartphone-Bank bald wieder dichtmacht, der wolle ihr lieber nicht sein Geld anvertrauen.

Zum Schutz der Konsumenten brauchen Bankdienstleister in der Schweiz darum eine Bewilligung von der Finanzmarktaufsicht. Eine solche holen die Smartphone-Banken aber nicht direkt ein, sondern lassen ihr Konto über eine bereits bewilligte Bank führen. Bei Zak ist es die Bank Cler, bei Neon die Hypothekarbank Lenzburg. Dadurch gelten auch bei den Smartphone-Banken Vorschriften wie etwa der Einlegerschutz (siehe Box).

Verworrene Hintergründe

Bei den ausländischen Anbietern wird es kompliziert. So hat Revolut eine Autorisierung in Grossbritannien zur Abwicklung von elektronischen Zahlungen und eine europäische Bankenlizenz in Litauen. Für Schweizer Kunden sei aber lediglich die britische Bewilligung ausschlaggebend, sagte ein Revolut-Sprecher zu 20 Minuten. Die Smartphone-Bank wickelt Finanzdienstleistungen in der Schweiz über ein Korrespondenzkonto bei der Credit Suisse ab – ebenfalls eine von der Finma bewilligte Institution.

Die verworrenen Hintergründe gerade bei ausländischen Anbietern dürften aber einige Kunden abschrecken: «Ein Durchschnittsbürger will eher weniger ein Konto bei einem unbekannten ausländischen Institut eröffnen», sagt Graf.

Vorteil für etablierte Banken

Für die etablierten Banken seien die Bedenken der Konsumenten ein Vorteil, findet Graf. Zwar würden die Institute bei der Innovation und Flexibilität hinter den Smartphone-Banken herhinken – die meisten Kunden seien aber nicht bereit, ihre langjährige Beziehung mit der Hausbank deswegen aufzugeben.

«Die Leute probieren die Dienste aber aus», so Graf. Und wenn sie sich an das neue Angebot gewöhnen würden, sei es denkbar, dass sie zunehmend ihre Bankdienstleistungen bei den Smartphone-Konkurrenten in Anspruch nähmen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Amir am 28.03.2019 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr zufrieden

    Die Internet Banken lohnen sich besonders aufgrund tiefer Transkationen. Eine CH-Bank zockt mich mit 40-50 EUR pro Buchung ab, wenn ich Geld zu meinen Grosseltern nach Südosteuropa sende. Eine Bank wie Revolut dagegen nimmt grade mal 30 Rappen und das bei Transkationen 3-5000 CHF. Auch die Kreditkartengebühren im Ausland sind minimal, ebenfalls entfällt der Währungsverlust/Umrechnungsverlust/Foreign-Country Verlust etc. Die CH-Bank ist nur für und in der CH gut zu gebrauchen.

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  • Üse93 am 28.03.2019 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Die meisten welche das nutzen

    werden auch nur ein paar Franken auf dem Konto haben, bei Verlust - so what. Haste aber einen fünf-, sechs- oder gar siebenstelligen Betrag vertrauste ihn sicher nicht deinem mobile an...

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  • Mike Schnitzer am 28.03.2019 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zak und Revolut sind super

    Habe seit einigen Monaten ZAK und zusätzlich auch Revolut. Bin mit beiden Anbietern sehr zufrieden. Seit dem App Update im Februar ist die ZAK App viel stabieler und performanter geworden und ist nun auch wirklich brauchbar. Revolut ist hauptsächlich interessant wegen den Gebühren (oder eben nichgebühren) für Internationale Zahlungen, resp. Einkäufe im Ausland.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eleonora am 29.03.2019 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Revolut

    Als ich für einige Monate in England war, nutzte ich aktiv das Revolut-Konto. Ich konnte so auch problemlos Geld aus der Schweiz überweisen und mit der Bankkarte an allen Orten gebührenlos bezahlen und abheben.

  • Mr. Spock am 29.03.2019 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwischen davon ausgehen

    und Wissen liegen Welten. Sollte ein sogenannter "Experte" eigentlich Wissen

    • Supermario am 29.03.2019 14:24 Report Diesen Beitrag melden

      Kannitverstahn

      Und was willst Du damit aussagen?

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  • Español am 29.03.2019 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Revolut

    Also ich nutze Revolut jetzt schon ein paar Monate und bin absolut zufrieden. Keine Gebühren für nix wie zb bei der Raiffeisen wo die Karte 50 Franken kostet und die Kontoführung 30 im Jahr. Transaktionen sind super günstig und auch Geld beziehen bis 200 Im Monat ist Gratis. Finde es gut, dass da jemand den Markt mal aufmischt

    • Supermario am 29.03.2019 14:23 Report Diesen Beitrag melden

      Zum Nachdenken

      Wenn Du mit dem Service zufrieden bist, ist doch alles ok. Nur würde ich mich fragen, warum es bei Revolut möglich ist, beinahe alles "gratis" anzubieten. Zur Erinnerung: Was nichts kostet ist auch nichts wert. Möglicherweise benötigt Deine Raiffeisen die paar Franken Gebühr halt eben, um den Service überhaupt zu ermöglichen. Neben den so flächendeckend angeprangerten Managerboni gibt es auch noch einige Tausend "normale" Mitarbeiter, welche wohl kaum zum Gotteslohn arbeiten gehen (Wie Du selber wohl auch kaum)?

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  • Simon am 29.03.2019 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Generell kein Mobile-Banking

    Ich vertraue den reinen Online-Banken nicht weniger oder mehr als den klassischen Banken. Aber ich mache aus Prinzip kein Banking über das Smartphone, auch nicht mit den Apps der klassischen Banken.

    • Supermario am 29.03.2019 14:18 Report Diesen Beitrag melden

      Kleiner Denkanstoss

      Ich finde es (ob nun manuell oder virtuell) schon wichtig, sich Gedanken über den gewählten Partner zu machen. Dein Bargeld lässt Du ja auch nicht unbeaufsichtigt und für alle sichtbar rumliegen. Genau so sollte auch mit Buchgeld verfahren werden; ich jedenfalls würde nicht jeder x-beliebigen Organisation mein Erspartes anvertrauen.

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  • Tom Roth am 29.03.2019 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird so kommen

    Ja gut es wird wohl die Zukunft sein also werden.

    • Supermario am 29.03.2019 14:14 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz einfach

      Hallo! Die Wahl der Bankingform liegt immer noch beim mündigen Konsumenten. Die Palette bietet schlussendlich einfach billigere und teurere Varianten an.

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