Betrugsvorwurf

17. Juli 2012 16:19; Akt: 17.07.2012 16:38 Print

Wie tief stecken UBS und CS im Libor-Sumpf?

von Balz Bruppacher - Die Manipulation des für Banken wichtigsten Zinssatzes sorgt weltweit für Schlagzeilen. Auch für Schweizer Grossbanken ist die Lage ungemütlich. Antworten auf wichtige Fragen.

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Die UBS gilt im Libor-Gate als eine Art Kronzeugin. Sie hatte den Skandal im vergangenen Jahr mit ihrer Selbstanzeige erst richtig ins Rollen gebracht. (Bild: Keystone)

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Worum geht es beim Libor-Skandal?
International tätige Grossbanken stehen im Verdacht, während Jahren einen der weltweit wichtigsten Zinssätze manipuliert zu haben. Es geht um den London Interbank Offered Rate, kurz Libor. Er wird für mehrere Währungen einmal täglich ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Der Zins basiert auf den individuellen Angaben der Banken und dient als Referenz für Kredite, Derivate und weitere Geschäfte mit einem Volumen von mehreren hundert Billionen Dollar.

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Was unterscheidet Libor-Gate von anderen Finanzaffären?
Es handelt sich nicht um Fehlverhalten von Einzelpersonen und Versagen von internen Kontrollen, wie beispielsweise bei den Milliardenverlusten im Derivatgeschäft der UBS. Vielmehr scheint der «Bschiss» System gehabt zu haben. Experten ziehen Vergleiche mit der organisierten Kriminalität. «Die Gier hat sich ins Herz der Banken hineingefressen», schrieb der Zürcher Bankenprofessor Urs Birchler in einem Kommentar in der «NZZ am Sonntag». Ins Zweilicht geraten sind auch die Aufsichtsbehörden.

Welche Banken sind in der Schweiz betroffen?
Gegen die an der Bestimmung des Libor beteiligten Banken wird in Europa, Japan und den USA ermittelt. Dazu gehören auch die UBS und die Credit Suisse (CS). In der Schweiz eröffnete die Wettbewerbskommission (Weko) im vergangenen Februar ein Verfahren. Neben den zwei Schweizer Finanzinstituten sind zehn ausländische Grossbanken im Visier der Wettbewerbshüter.

Wurden auch die an den Libor gebundenen Hypothekarzinssätze verfälscht?
Bisher gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Schweizerfranken-Libor durch die täglichen Eingaben der Banken manipuliert worden wäre. Über das Derivatgeschäft haben sich die Manipulationen aber weltweit ausgebreitet. Die Nationalbank steuert über den Franken-Libor ihre Geldpolitik. Auch im Lichte der jüngsten Ereignisse will die Nationalbank an diesem Leitzins festhalten.

Was weiss man über die Rolle von UBS und CS?
Beide Grossbanken haben den Behörden volle Zusammenarbeit zugesichert. Die UBS hofft auf Grund von Selbstanzeigen auf eine Strafminderung. Der Skandal trifft die beiden Grossbanken in einem denkbar schlechten Moment. Ihre Reputation ist bereits angeschlagen. Die Affäre erhöht den politischen Druck für ein Trennbankensystem, bei dem das Investmentbanking vom übrigen Geschäft getrennt wird.

Was macht die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma?
Sie hat bisher kein formelles Verfahren gegen UBS und CS eröffnet, jedoch Amtshilfe an ausländische Aufsichtsbehörden geleistet. Die Finma ist nach eigenen Angaben aber nicht untätig, sondern beurteilt die Situation laufend auf Anhaltspunkte für Verstösse gegen Schweizer Aufsichtsrecht.

Welche Sanktionen müssen UBS und CS befürchten?
In der Schweiz kann die Weko unzulässige Wettbewerbsbeschränkungen mit Bussen ahnden. Der Maximalbetrag liegt bei 10 Prozent des in den letzten drei Geschäftsjahren in der Schweiz erzielten Umsatzes. Im Falle von Banken sind die Bruttoerträge auf dem zur Diskussion stehenden Markt massgeblich. Die UBS könnte dank der Selbstanzeige ungeschoren davonkommen, es sei denn, sie war Anstifter des Kartells. Das Sanktionsinstrumentarium der Finanzmarktaufsicht (Finma) reicht von der Rüge, über Berufsverbote bis zum Bewilligungsentzug. Bussen kann die Finma nicht verhängen.

Und im Ausland?
Die britische Barclays Bank zahlte in einem Vergleich mit den britischen und amerikanischen Behörden 450 Millionen Dollar. Zudem mussten Präsident und CEO abtreten. Auch die Schweizer Grossbanken müssen mit hohen Bussen staatlicher Instanzen im Ausland rechnen. Hinzu kommt eine Flut von Zivilverfahren und Sammelklagen. Die Zeitschrift «Economist» sprach vom «Tabak-Moment» der Finanzbranche, in Anspielung an die Schadenersatzklagen in dreistelliger Milliardenhöhe der Tabakindustrie. Die Credit Suisse geht demgegenüber nicht davon aus, dass sie «in dieser Sache ein materielles Problem hat». Laut US-Medien bereitet die US-Justiz Strafklagen gegen mehrere Banken vor.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P. Muster am 18.07.2012 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Bailout für Geldwäscher und Betrüger!

    Seht wohin Eure Steuergelder fliessen. Bailout für Geldwäscher und Betrüger! Das versteht niemand. Ich rede nicht von den Schalterangestellten. Die sind lediglich Kanonenfutter. Ich rede vom oberen Kader bis zur Geschäftsleitung und in den Verwaltungsrat. Und Sie spüren nie Konsequenzen.

  • Gegen Abzocker am 17.07.2012 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wer immer noch glaubt,

    dass sich bei den Banken was geändert hat, muss wohl blind sein.

  • Rüdiger Schmid am 17.07.2012 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Zentralbanken

    Was ist denn mit den Zentralbanken welche für die Geldwertstabilität verantwortlich sein sollten und sich nicht um steigende Preise kümmern sondern die Zinsen senken. Ist dies keine Manipulation?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Muster am 19.07.2012 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wann werden die Konsequenzen gezogen?!!

    Es wäre mehr als daneben wenn die UBS/CS WIEDER EIN MAL ungeschoren davon kommen würden. Ich hoffe auf 10% des Umsatzes der letzten 3 Jahre, so dass es richtig weh tut. Vielleicht lernt dann mal die Banken-Mafia, dass auch sie sich an die Regeln halten muss. Der normale Bürger wird für viel weniger viel härter bestraft - und dieses Geschäftsgebaren dürfte wohl so einige Existenzen zerstört haben.

  • daniel ruf am 19.07.2012 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    ehre

    aber sie laufen immernoch arrogant und eingebildet durch die bahnhofstrasse unsere lieben bänker,wenn ihr noch ein bischen ehre in euch trägt,wechselt die branche.dan werdet ihr auch wieder respektiert.

  • Der Kritiker am 19.07.2012 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortlichkeitsklagen

    Es wird Zeit, dass die Aktionäre gegen die Verantwortlichen - welche direkt involviert sind - klagen, andernfalls trägt der Aktionär alleine den Schaden aus dieser Geschichte und die Abzocker können weiter schalten und walten, wie sie wollen. Die sollen mit ihrem Privatvermögen für den Schaden geradestehen, den sie angerichtet haben. Da werden mir sicher viele Mitarbeiter der beiden Grossbanken recht geben, die sich immer wieder vor Kunden für Vorkommnisse rechtfertigen müssen, mit denen weder sie noch ihr Arbeitgeber wirklich zu tun haben.

  • Tripelfrage am 18.07.2012 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht vielleicht vielleicht

    Wurden Zinssätze für Liborhypotheken zu tief fixiert? Sind die langfristigen Verbindlichkeien bei der Swiss Life zu kurzfristig, die Versicherten aber unsterblich? Gibt es in Verbindung mit Stromderivaten keinen Libor?

  • P. Muster am 18.07.2012 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Bailout für Geldwäscher und Betrüger!

    Seht wohin Eure Steuergelder fliessen. Bailout für Geldwäscher und Betrüger! Das versteht niemand. Ich rede nicht von den Schalterangestellten. Die sind lediglich Kanonenfutter. Ich rede vom oberen Kader bis zur Geschäftsleitung und in den Verwaltungsrat. Und Sie spüren nie Konsequenzen.