Japan

24. März 2011 19:21; Akt: 25.03.2011 09:58 Print

Wiederaufbau kostet 280 Milliarden

Das Erdbeben und der Tsunami in Japan entwickeln sich zur bislang teuersten Naturkatastrophe. Doch für einige bietet sich eine Geschäftschance.

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Nach Schätzungen der Regierung in Tokio könnten sich die Kosten auf 16 bis 25 Billionen Yen (rund 179 Milliarden bis 279 Milliarden Franken) belaufen. Die Schätzungen der japanischen Regierung zu den Kosten der Schäden durch das Erdbeben und den Tsunami an Gebäuden, Infrastruktur und Geschäften im Nordosten des Landes liegen deutlich über denen anderer Institutionen. Die Weltbank erklärte, sie rechne mit Kosten von 235 Milliarden Dollar (212 Milliarden Franken), die Investmentbank Goldman Sachs schätzte 200 Milliarden Dollar (181 Milliarden Franken).

Öfen und Velos ab Laufband

Doch viele japanische Unternehmen erleben gerade wegen der Katastrophe derzeit einen Aufschwung. So arbeitet ein Hersteller von Camping-Öfen seit Tagen rund um die Uhr, um das Bedürfnis der Japaner in den zerstörten Gebieten zu decken, die seit dem Tsunami weder Strom noch Gas haben. «Vor der Katastrophe produzierten wir knapp ein paar Hunderte Öfen pro Woche. Jetzt sind es 5000 pro Tag», sagt der Geschäftführer gegenüber dem TV-Sender NHK.

Auch der Velo-Hersteller Sakai City Bicycle aus Osaka kommt der Riesennachfrage kaum nach. Viele Japaner sind wegen der Benzinknappheit auf ein Velo angewiesen. Zudem sind noch einige Regionen schwer mit dem Auto erreichbar, weil die Strassen mit Schutt bedeckt sind. Am Donnerstag schickte Sakai City Bicycle einen ganzen Lastwagen mit Velos nach Sendai. Profit erzielte die Firma allerdings keinen, sie wurden der Stadt zu Produktionskosten verkauft.

Es könnte noch teurer kommen

Das Beben der Stärke 9,0 und der nachfolgende Tsunami am 11. März verwüsteten die Nordostküste Japans und führten zu einem schweren Unfall im Atomkraftwerk Fukushima, dessen Folgen noch spürbar sind. Seither wurden Zehntausende Menschen aus dem Gebiet in Sicherheit gebracht, Stromrationierungen verhängt, viele Fabriken wurden geschlossen, wichtige Eisenbahnverbindungen sind unterbrochen.

In den japanischen Schätzungen sind noch nicht die Kosten durch den Stromausfall in der Folge des Ausfalls des Atomkraftwerks Fukushima eingerechnet. Sollten die Gesamtschätzungen auch nur in etwa stimmen, dann wäre die Naturkatastrophe in Japan noch deutlich teurer als Hurrikan «Katrina», der 2005 New Orleans und die umliegenden Gebiete verwüstete und 125 Milliarden Dollar an Schäden verursachte.

(kle)