Dreiste Forderung

27. Juli 2009 14:17; Akt: 27.07.2009 14:44 Print

Wirbel um 100-Millionen-Bonus bei Krisenbank

Dieser Mann hält sich für unersetzlich: Bereits mehrmals hat ein Händler des staatlich gestützten US-Finanzkonzerns Citigroup mit der Kündigung gedroht, wenn ihm nicht 100 Millionen Dollar Bonus ausgezahlt würden und damit seine Chefs in eine delikate Situation gebracht.

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Der Mann der die astronomischen Forderungen stellt, heisst Andrew Hall und ist der Chef der Energie- und Rohstoff-Handelssparte der Citigroup, so das «Wall Street Journal». Sein Bereich mit dem Namen Phibro fährt für die zu den grössten Verlierern der Finanzkrise zählende Bank oft überdurchschnittliche Gewinne ein.

Die Citigroup ist damit in der Zwickmühle, denn die US-Banken müssen in Kürze dem neuen Gehaltsbeauftragten der Regierung ihre Pläne für Top-Vergütungen vorlegen. Zahlt die Bank das Mega-Gehalt aus, riskiert sie einen öffentlichen Skandal und einen schweren Konflikt mit der Regierung. Ein Gehaltsstreit mit Hall und dessen Team könnte die Bank aber teuer zu stehen kommen - und bei einem Weggang des Star-Traders hohe Gewinne kosten.

Der Händler hatte bereits 2008 mehr als als 100 Mio. Dollar erhalten. Für 2009 könnte der Bonus angesichts guter Geschäfte seiner Sparte wieder so hoch ausfallen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Insider.

Die Citigroup wurde vom US-Steuerzahler bisher mit 45 Mrd. Dollar an direkten Hilfen und mehr als 300 Mrd. Dollar an Garantien gestützt. Der Staat wurde zugleich mit künftig 34 Prozent grösster Anteilseigner.

Richtige Balance gesucht

Bis Mitte August müssen die sieben grössten vom Staat gestützten US-Banken dem Gehaltsbeauftragten des Finanzministeriums, Kenneth Feinberg, ihre Pläne vorlegen. Überzogene Boni gelten als eine Ursache der Finanzkrise, weil sie die Banker zu unkalkulierbaren Risiken verleiteten.

Ein Sprecher des Bonus-Kontrolleurs sagte der Zeitung, die Institute müssten Feinberg überzeugen, dass sie die «richtige Balance» zwischen Belohnung einerseits und der Vermeidung exzessiver Risiken andererseits gefunden hätten. Die Citigroup erklärte: «Es ist für den Erfolg der Citi sehr wichtig, die grössten Talente im Konzern zu behalten und anzuziehen.»

Vor einigen Monaten löste der vom Staat gerettete Versicherer AIG mit Bonuszahlungen von 165 Mio. Dollar eine Protestwelle aus. Eine neue Millionenausschüttung steht derzeit zur Diskussion.

Zuletzt hatte nach überraschend guten Gewinnen besonders die Investmentbank Goldman Sachs mit der Aussicht auf wieder hohe Boni für Aufregung gesorgt. Andere Banken wie J.P. Morgan kündigten an, Sonderzahlungen zu kürzen, dafür aber die Grundgehälter zu erhöhen.

(sda)